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NBA

"Dann hat MJ uns an die Wand gespielt"

Von Max Marbeiter
Terry Porter (l.) verlor mit den Blazers in den 92er Finals gegen Michael Jordans Bulls
© getty

Mit den Portland Trail Blazers stand Terry Porter zwei Mal in den NBA-Finals, scheiterte dort jedoch an den legendären Bad Boys und Michael Jordan. Heute ist er Coach und blickt zurück. Außerdem: LeBrons Hilfe für David Blatt, Anschauungsunterricht bei den besten Coaches aller Zeiten und Steph Currys Einzigartigkeit.

SPOX: Mr. Porter, in diesem Jahr besuchten Sie in Europa eine Coaches Clinic, gaben dort selbst Anschauungsunterricht. Was nehmen Sie für sich selbst von solchen Besuchen und dem Austausch mit dortigen Kollegen mit?

Terry Porter: Basketball wird immer mehr zu einem globalen Sport. Und wie die Spieler lieben auch wir Coaches die Idee, zusammenzukommen, uns über unsere unterschiedlichen Philosophien auszutauschen und so zu sehen, ob sie auf die verschiedenen Ligen anzuwenden sind. Jeder sucht einen Weg, erfolgreich zu sein, einen Weg, wie er seinen Spielern das nötige Rüstzeug mitgeben kann, um Erfolg zu haben. Natürlich benötigen aber auch wir Coaches dieses Rüstzeug. Deshalb ist es immer großartig, Ideen auszutauschen und mit anderen Coaches zu sprechen, Geschichten zu teilen. Ich genieße das. Denn am Ende stehst du als Coach unter enormem Druck. Du musst gewinnen. Damit musst du lernen, umzugehen.

SPOX: Es wird ja immer von den großen Unterschieden zwischen den Stilen in Europa und den USA gesprochen. Hier der teamorientierte, dort der spielerzentrierte Basketball. Sehen Sie solche Unterschiede, wenn Sie mit Kollegen aus Europa sprechen?

Porter: Durchaus. Die Strukturen und die Geschichte in Europa zielen deutlich mehr auf das teamorientierte Spiel ab. In der NBA versuchen sie natürlich ebenfalls, Teambasketball zu spielen, offensiv ist das Spiel allerdings deutlich individualisierter. Das liegt einfach daran, dass sie derart großartige Athleten, derart schnelle Spieler haben. So etwas gibt es in Europa nur sehr, sehr selten.

SPOX: Mit David Blatt arbeitet seit der abgelaufenen Saison erstmals ein "europäischer" Coach in der NBA. Ursprünglich stammt er zwar aus den USA, Europa hat ihn jedoch geprägt, er hat dort alles gewonnen - und wurde während der gesamten Saison dennoch wie in absoluter Frischling behandelt. Ist das angesichts seiner Erfahrung nicht komisch?

Porter: Für mich ist das ähnlich wie bei den Spielern, die in Europa bereits jahrelang Profi waren und dann in die USA gehen. Da sich die Stile derart deutlich unterscheiden, steht ihnen immer noch ein großer Lernprozess bevor. Den müssen sogar Leute durchlaufen, die in den USA groß geworden sind. Als ich zu coachen begann, musste ich auch erst einmal lernen, wie ich die Zeit manage, wie ich mir meine Timeouts richtig einteile.

SPOX: Das ist ein Punkt. Blatt selbst gab kürzlich ja sogar zu, sich den Wechsel einfach vorgestellt zu haben...

Porter: Das meine ich. Er musste sicherlich noch einiges lernen. Einfach weil die Regeln so unterschiedlich sind. Das geht schon bei den Schiedsrichtern und ihrer Art, die Spiele zu leiten los. Auch die Fans sind anders. An all das musst du dich erst gewöhnen, bis du dich irgendwann wohl fühlst. Egal, wie viel Erfahrung du irgendwo anders gesammelt hast, in der NBA ist es noch mal etwas ganz Anderes. Umgekehrt wäre es aber genauso. Auch ein amerikanischer Coach müsste sich in Europa erst einmal an diverse Dinge gewöhnen. Allein an die Tatsache, dass man in Europa viel mehr trainiert, weil die Teams nicht so viele Spiele haben wie in der NBA.

SPOX: Hat es Blatts Eingewöhnungsprozess da vielleicht sogar erschwert, dass er LeBron James im Team hatte? Immerhin möchte er bei vielen Dingen mitreden und übt so zusätzlichen Druck aus.

Porter: Grundsätzlich denke ich nicht, dass irgendetwas schwieriger wird, wenn du LeBron im Team hast. Wenn du einen solchen Spieler hast, wird es in meinen Augen sogar einfacher. Er versucht, dir zu helfen und sicherzustellen, dass jeder am richtigen Punkt ist. Er geht mit gutem Beispiel voran. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass er David in vielen Situationen geholfen hat. Man denke nur an Spiel 4 gegen die Bulls. (lacht)

SPOX: Stimmt, damals wollte Blatt zunächst ein Timeout nehmen, als die Cavs keines mehr hatten, dann malte er ein Play auf, bei dem LeBron den Ball einwerfen sollte...

Porter: ...und LeBron hat es dann in die Hand genommen und das Spiel gewonnen. Solche Situationen zeigen, dass es dir als neuer Coach unglaublich hilft, wenn du einen Spieler wie LeBron hast. Große Spieler wollen gewinnen. Sie wollen dir helfen, so gut es geht. Zudem war LeBron bereits Teil, großartiger Teams. Er hat mit Pat Riley und Erik Spoelstra zusammengearbeitet. Allein deshalb weiß er Dinge, die dir definitiv helfen werden. Er kann während Timeouts helfen, kleine Anpassungen vorzunehmen, die das Team unglaublich weiterbringen können.

SPOX: Aber war es nach dem finalen Play in Chicago von LeBron nicht der falsche Weg, sich im Nachhinein hinzustellen und zu sagen, dass er alles weggewischt habe?

Porter: Der Akt an sich passiert häufig. Im Huddle verändern Spieler immer wieder irgendwelche Plays. Larry Bird, Magic Johnson und Michael Jordan - sie alle haben Coaches überstimmt. Und das unter den besten Coaches wie Pat Riley oder Phil Jackson. Das gehört dazu. Denn am Ende geht ums gewinnen. Aber der Kommentar? Die meisten Spieler würden sich wohl eher hinstellen und sagen 'Hey, der Coach hat ein großartiges Play aufgemalt'. Oder: 'Wir haben während des Timeouts einige Anpassungen vorgenommen', aber sie würden es nicht öffentlich sagen und den Coach damit den Wölfen zum Fraß vorwerfen. Nach dem Motto: 'Hier geht's um mich.'

SPOX: Der Akt an sich ist also normal und kein Coach fühlt sich in einem solchen Fall in seiner Autorität gestört?

Porter: Genau. Niemand fühlt sich da angegriffen. Am Ende geht es ja um die Spieler und nicht um den Coach. Wenn die Spieler dann denken, etwas entdeckt zu haben, das besser passt, gut. Wenn es dann nicht klappt, müssen sie natürlich die Verantwortung übernehmen. Als ehemaliger Spieler und jetziger Coach stört es mich überhaupt nicht, wenn einer meiner Spieler Veränderungen vornimmt.

Seite 1: Porter über LeBrons Hilfe für Blatt und einen normalen Akt

Seite 2: Porter über besondere Tryouts und erste Finals-Erfahrungen

Seite 3: Porter über Jordan, Unterricht bei den Besten und Steph Curry

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