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NBA

"Dann hat MJ uns an die Wand gespielt"

Von Max Marbeiter
Terry Porter (l.) verlor mit den Blazers in den 92er Finals gegen Michael Jordans Bulls
© getty

SPOX: 1992 folgte das Duell mit Michael Jordan und den Bulls...

Porter: Genau. Wir zeigten Charakter, kamen zurück und standen in den Finals. Dann hat uns Jordan einfach abgeschossen. Ich glaube in Spiel 6 waren wir zwischenzeitlich 20 Punkte vorn, ließen sie dann aber zurückkommen und das Spiel gewinnen. Das kam einem Zusammenbruch gleich. Wir haben das Spiel einfach nicht zu Ende gebracht. Das war enttäuschend.

SPOX: Vor der Serie gab es viele Vergleiche zwischen Jordan und Clyde Drexler. Einige sahen beide auf einer Stufe, dann legte MJ eine Schippe drauf und entschied die Serie. Wie ging Drexler mit der ganzen Situation um?

Porter: Clyde wollte sich immer mit den Besten messen. Und diesem Jahr waren die beiden die Besten. Wer besser war? Das kommt immer darauf an, wen du fragst. Michael wurde MVP, Clyde wurde zweiter. Beide sind sich sehr ähnlich. Jordan ist ein unglaublicher Wettkämpfer, Clyde ebenfalls. Sie sahen es als Herausforderung an. Natürlich gab es in der Serie Phasen, in denen Michael besser spielte, aber auch Clyde war hin und wieder der bessere von beiden. Am Ende haben sie gewonnen und wir verloren. Das zählt. Ich bin mir sicher, dass Clyde kein Problem damit gehabt hätte, hätte ihn Michael deutlich geschlagen, wir aber gleichzeitig gewonnen. (lacht) Zu unserem Unglück tat Jordan beides. Er war der Bessere und gewann. Wir hatten in diesem Jahr dennoch ein sehr besonderes Team und Clyde war einfach unglaublich.

SPOX: Wie war es eigentlich, gegen diesen unglaublichen Wettkämpfer Michael Jordan zu spielen?

Porter: Du weißt natürlich, was dich erwartet. Er holt immer das Letzte aus sich heraus. Auf höchstem Level will das andererseits jeder. Für mich war sein Feuer aber nicht größer als das von Clyde. Wir alle liebten den Wettkampf und wollten gewinnen. Mike hat aber einfach besser vollstreckt. Deshalb haben sie gewonnen.

SPOX: 1992 spielten Sie unter Rick Adelman, während ihrer gesamten Karriere für einige der größten Coaches aller Zeiten. Unter anderem Jack Ramsay und Pat Riley. Wer hat Sie am meisten beeinflusst - auch in ihrer Arbeit als Coach jetzt?

Porter: (überlegt) Das ist wirklich nicht einfach. Ich habe immer versucht, von jedem ein Stück mitzunehmen. Rick Adelman hatte zum Beispiel eine Gabe, seinen Spielern einerseits eine Struktur vorzugeben, ihnen gleichzeitig aber auch Freiheiten zu gewähren. Pat Riley war der detailversessenste Coach und beste Motivator, unter dem ich je gespielt habe. Da habe ich einiges mitgenommen. Gerade in Bezug auf die Art und Weise meiner Trainingseinheiten und den Fokus auf Details in der Spielvorbereitung. An Rileys Ansprachen vor Spielen kommt natürlich niemand heran, sie waren berühmt. Aber ich habe schon versucht, wenigstens ein wenig bei mir einfließen zu lassen.

SPOX: Und wie war es unter dem großen Dr. Jack Ramsay?

Porter: Jack Ramsay coachte mich während meiner Rookie-Saison. Er hat mir beigebracht, wie ich meinen Körper während dieser unglaublich harten Saison in Form halten und mir Pausen nehmen kann. Er zeigte mir, wie wichtig das ist, wenn du Erfolg und eine lange Karriere haben willst.

SPOX: Um die illustre Runde zu vervollständigen, spielten Sie auch noch für Gregg Popovich. Damals galten die Spurs jedoch als langweilig, heute werden sie für ihren Teambasketball gelobt. Inwieweit hat sich da die Wahrnehmung des Spiels im Allgemeinen geändert?

Porter: Ich glaube, viele finden die Spurs immer noch langweilig. (lacht) Sie produzieren einfach zu wenige Highlights. Nichts Verrücktes. Keine Lobs. Am Ende gewinnen sie jedoch. Und sie gewinnen dank ihres Systems. Das ist wichtig. Sie haben einen Kern, der weiß, worum es in dieser Kultur geht, der weiß, was Gregg Popovich und sein Staff erwarten.

SPOX: 2014 gewannen die Spurs den Titel, in diesem Jahr die Warriors. Steph Curry wurde zum MVP. Eigentlich prägt er einen sehr eigenen Stil, könnte sein Spiel dennoch als Vorbild dienen?

Porter: Currys Stil zu kopieren, ist sehr schwer. In einzelnen Bereichen kann man aber durchaus von ihm lernen. Er ist ein unglaublicher Ballhandler, dazu wahnsinnig gut im Pick'n'Roll, was gerade heute immens wichtig wird, da der Spielzug so häufig gelaufen wird. Sein Wurf ist ohnehin einzigartig. Den kannst du niemandem beibringen.

SPOX: Curry ist eher schmächtig, keiner dieser Überathleten, dazu ein Point Guard. Ist die Auszeichnung deshalb etwas Besonderes?

Porter: Das ist sie. Abgesehen von Derrick Rose wurde ja lange kein Point Guard zum MVP ernannte. Ich spielte einst selbst auf der Eins. Deshalb finde ich es großartig, dass Curry in diesem Jahr die Auszeichnung bekommen hat. Point Guard ist einfach eine derart fordernde Position. Es wird so viel von dir erwartet. Offensiv wie defensiv. Zudem entwickelt sich das Spiel weg vom Inside- und Post- und hin zum Perimeter- und Point-Guard-Spiel.

Seite 1: Porter über LeBrons Hilfe für Blatt und einen normalen Akt

Seite 2: Porter über besondere Tryouts und erste Finals-Erfahrungen

Seite 3: Porter über Jordan, Unterricht bei den Besten und Steph Curry

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