Cookie-Einstellungen
NBA

Legenden-Serie: Reggie Miller - Der Staatsfeind Nr. 1

Die Definition von Clutch: Reggie Miller und sein Dreier
© getty

Der "Knick-Killer"

In den Conference Finals 1994 kam es beim Stand von 2:2 zum wichtigen Spiel fünf in New York. Mit zwölf Punkten Vorsprung gingen die Knicks ins vierte Viertel, dann war Miller-Time. 25 seiner insgesamt 39 Zähler erzielte Reggie in den letzten zwölf Minuten und führte die Pacers in beeindruckender Manier nahezu im Alleingang zum Sieg.

Während er einen Dreier nach dem anderen reinnagelte, entstand eine ganz persönliche Fehde zwischen Miller und Spike Lee. Nach jedem Korberfolg textete er den Edel-Fan der Knicks in der ersten Reihe zu. Aber auch Lee geizte nicht mit Worten und pöbelte kräftig zurück. Nachdem Miller zwei Freiwürfe getroffen hatte, starrte er zu Lee und legte beide Hände um den Hals zum Zeichen, dass er New York soeben das Genick gebrochen hatte. Seit diesem Spiel hatte Miller einen neuen Beinamen: "Knick-Killer".

Der Tragödie zweiter Teil

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Ein Jahr später in den Conference Semifinals legte Miller im Madison Square Garden eine Performance hin, die zu Recht zu den absoluten Highlights der Historie zählt.

Beim Stand von 99:105 aus Pacers-Sicht und noch 18,7 Sekunden auf der Uhr riss Miller das Spiel an sich und erzielte in weniger als neun Sekunden acht Punkte. Dreier, Steal, Dreier und zwei Freiwürfe bescherten Indiana einen nicht für möglich gehaltenen 107:105-Erfolg. New York war geschockt, die Zuschauer im Madison Square Garden weigerten sich zu glauben, was sie gerade gesehen hatten. Reggie Miller - schon wieder!

Die Leistung von Uncle Reg in Spiel vier der Conference Semifinals 1998 wirkt gegen den Monster-Auftritt drei Jahre zuvor fast ein bisschen mickrig. Und doch machte Miller gegen die Knicks ein grandioses Spiel, erzielte 38 Punkte und traf einen wichtigen Dreier 5,1 Sekunden vor dem Ende. Der rettete Indiana in die Overtime und ermöglichte den vorentscheidenden 3:1-Sieg in der Serie.

Weitere zwei Jahre später zogen die Pacers das erste Mal in ihrer Geschichte in die NBA Finals ein - natürlich dank Miller. In Spiel sechs lief Reggie einmal mehr zu Höchstform auf: 34 Punkte, davon 17 im vierten Viertel besiegelten das Aus der Knicks. New Yorks Patrick Ewing gestand nach seiner Karriere mit einem Schmunzeln: "Ich habe Reggie gehasst."

Kontroverse um die Hall of Fame

2012 wurde Miller in die Hall of Fame aufgenommen, im zweiten Jahr seiner Verfügbarkeit. Der Status in Indiana, seine Persönlichkeit sowie seine Playoff-Leistungen gaben am Ende den Ausschlag, aber über seine spielerische Klasse für den Einzug in die Ruhmeshalle wurde kontrovers diskutiert. Denn, so sehr Miller auch in manchen Momenten glänzte, so viele Dreier er auch verwandelte, ein Superstar war er nicht. Das zeigen auch die Statistiken: In seiner Karriere kommt Miller auf ein Player Efficiency Rating von 18,4 - nicht gerade überragend.

Dennoch: Fast 20 Jahre lang war Reggie Franchise-Player sowie das Gesicht der Pacers. Seine Fähigkeit, in wichtigen Spielsituationen herausragende Leistungen zu bringen, ist unbestritten - auch wenn er nie einen Meisterschaftsring an seinen Finger stecken konnte.

"Zusammen mit Michael Jordan ist er der beste Clutch-Spieler, den die Welt je gesehen hat. Er ist ein wahrer Sportler mit einem großen Herzen, unbändigem Willen und aufopferungsvollem Einsatz", so Mark Jackson, von 1994 bis 1996 Millers Teamkollege in Indiana.

Dort ist Reggie für alle Ewigkeit ein Held. 1389-mal stand er für die Pacers auf dem Parkett. So oft haben nur zwei andere Spieler jemals das Trikot einer einzigen Franchise getragen: John Stockton (Utah) und Dirk Nowitzki.

Ein würdiger Abschied

Die letzten Punkte seiner Karriere erzielt Miller in den Playoffs 2005 gegen Detroit - natürlich per Dreier nach einem Downscreen und natürlich in der Miller-Time: 15,7 Sekunden vor dem Ende. Das Spiel und die Serie waren zu diesem Zeitpunkt bereits zugunsten der Pistons entschieden. Als Miller das Parkett direkt nach seinem Wurf und den Zählern 25, 26 und 27 verließ, feierte ihn jeder Fan, jeder Ordner, jeder Hot-Dog-Verkäufer und jeder Gegenspieler in der Arena. Minutenlang. Zu Recht.

Die Verabschiedung in Indianapolis war äußerst emotional und ein würdiges Karriereende für einen der besten Shooter aller Zeiten. Trotzdem hat der letzte Auftritt im Madison Square Garden wohl noch einen höheren Stellenwert für Miller: Als Staatsfeind Nr. 1 in der Höhle des Löwen den eigenen Namen zu hören, muss ihn mit dem allergrößten Stolz erfüllt haben. Diese große Geste der Knicks-Fans war ein Zeichen von Respekt, Anerkennung und Ehrfurcht: "Re Geee! Re Geee! Re Geee!"

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung