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NBA

"Das hat man nicht unter Kontrolle"

Von Interview: Dirk Sing
Chris Kaman (l.) kommt bei den Los Angeles Lakers derzeit nur sporadisch zum Einsatz
© getty

SPOX: Lassen Sie uns genau bei diesem Thema bleiben! Sie selbst hatten in Ihrer bisherigen Karriere häufig mit Verletzungspech zu kämpfen. Wie würden Sie Ihren momentanen Gesundheitszustand beschreiben?

Kaman: Meinem Körper geht es soweit sehr gut - eben bis auf die Tatsache, dass ich leider nicht der körperlichen und spielerischen Verfassung bin, in der ich jetzt wäre, würde ich regelmäßig zum Einsatz kommen und Spielzeit erhalten. Dennoch versuche ich, weiter das Beste für mich und meinen Körper zu machen, um möglichst gut vorbereitet zu sein, wenn ich meine Chance auf dem Court bekomme.

SPOX: Würden Sie sagen, dass Ihre zahlreichen Verletzungen in der Vergangenheit schlichtweg Pech waren oder hatte dies Ihrer Meinung nach auch andere Gründe?

Kaman: Ich denke, alle Verletzungen ausschließlich mit dem Wort Pech zu definieren, würde nicht der Wahrheit entsprechen. Natürlich kann man bei einigen Blessuren behaupten, dass ich wohl zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war (lacht). Bei anderen hingegen habe ich sicher auch selbst Fehler gemacht. Gerade als junger Spieler weißt du noch nicht so recht, wie du deinen Körper pflegen und behandeln musst beziehungsweise wie du bestimmte Signale, die der Körper aussendet, deutest. Was das betrifft, habe ich während meiner bisherigen Karriere wirklich sehr viel gelernt.

SPOX: Sie haben das deutlich höhere Tempo, das seit einigen Jahren in der NBA gespielt wird, bereits angesprochen. Zahlreiche Experten kritisieren hinsichtlich der zunehmenden Verletzungen im gleichen Atemzug den engen und dichten Spielplan mit 82 Vorrunden-Partien, darunter zahlreiche Back-to-Back-Games. Müsste man hier auch den Hebel ansetzen?

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Kaman: Naja, es kommt nicht selten vor, dass Mannschaften sogar fünf Partien innerhalb von sieben Tagen haben. Natürlich stoßen die Spieler in solchen Situationen an ihre physischen Grenzen oder gehen darüber hinaus, was dann eben Verletzungen zur Folge hat. Aber was kann man daran ändern? Den Spielplan in die Länge zu ziehen, damit die Pausen größer werden, lässt sich wohl nicht verwirklichen, da die Saison ansonsten noch länger wird und auch mit anderen Sportarten in den USA kollidiert.

SPOX: Also bleibt den Spielern letztlich nichts anderes übrig, als sich diesen Gegebenheiten anzupassen und zu versuchen, sich bestmöglich darauf vorzubereiten?

Kaman: Grundsätzlich ja. Man sollte dabei das Ganze immer von zwei Seiten betrachten. Im Grunde geht es darum, dass die NBA ein sehr gutes Unterhaltungsgeschäft ist. Und wir Spieler werden sehr gut dafür bezahlt, um die Fans eben bestmöglich zu unterhalten. Andererseits kann es aber auch nicht im Sinne der Klubbesitzer, die ja letztlich die Gehälter bezahlen, sein, dass immer mehr und mehr Akteure verletzt sind und sie damit praktisch ihr Geld für Spieler, die zumeist in der Reha sind, ausgeben. Ich komme daher in diesem Zusammenhang nochmals auf den "Old School Basketball" zurück. Natürlich hat es früher auch Sprunggelenks- oder Knieverletzungen gegeben, keine Frage. Aber durch die deutlich höhere körperliche Belastung aufgrund der neuen Spielweise ist die Verletzungsgefahr ohne Zweifel nach oben gegangen. Ich hoffe daher, dass bei den Vereinen kurz- oder mittelfristig hier ein gewisses Umdenken stattfindet.

SPOX: Apropos Mittelfristig: Im Jahr 2016 stehen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro auf dem Programm. Nachdem Sie 2008 in Peking ja schon einmal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei einer solchen Großveranstaltung getragen haben: Würde Sie ein derartiges Turnier nochmals reizen?

Kaman: Wir werden sehen, was bis dahin passiert! Letztendlich hängt alles davon ab, wie es bei mir rein sportlich gesehen weitergeht. Entscheidend für mich ist, dass ich bei einen Team unter Vertrag stehe, bei dem ich mein Geld verdiene. Wenn ich für Deutschland spiele, dann bekomme ich dafür ja nichts und mache es praktisch zum Spaß. Daher ist es zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwer, eine genaue Aussage zu treffen. Aber klar, grundsätzlich vorstellen kann ich mir ein erneutes Engagement natürlich schon.

SPOX: Mit Jerryd Bayless von den Boston Celtics, dessen Mutter in Deutschland geboren ist, hat ja bereits ein weiterer NBA-Akteur verlauten lassen, dass er es sich durchaus vorstellen könnte, künftig für die DBB-Auswahl zu spielen...

Kaman: Ja, das habe ich auch schon gehört. Er ist ein guter Junge, der die Mannschaft definitiv verstärken könnte. Darüber hinaus gibt es ja auch mit Dennis Schröder seit dieser Saison einen weiteren Deutschen in der NBA, der meines Erachtens durchaus das Potenzial besitzt, ein richtig Guter zu werden.

Seite 1: Chris Kaman über seine Enttäuschung und den "Small Ball"

Seite 2: Chris Kaman über die Verletztenmisere und eine DBB-Rückkehr

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