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NBA

Mathematiker an die Front

Von Tilman Rakers
Durant (r.) und James zählen zu den besten Spielern der NBA. Was sagen die Statistiken?
© getty

Rebound, Assist, Steal, Block, Turnover Percentages: Wie mit den Field Goal Percentages und deren erweiterten Formeln für das Punkten, gibt es auch erweiterte Statistiken, die versuchen, die Effektivität eines Spielers in den anderen Hauptkategorien wiederzugeben. Das Prinzip ist dabei jeweils ähnlich. Für die Rebounds errechnet sich die Percentage eines Spielers aus den geholten Rebounds pro Minute geteilt durch die insgesamt möglichen Rebounds der Mannschaft pro Spielminute beziehungsweise mit dem Kehrwert malgenommen und dann multipliziert mit 100.

Also umformuliert als: REB% = ((REB*TmMP)/((TmREB+OppREB)*MP))*100. Für die Aufspaltung nach Offensiv- und Defensivrebound Percentages werden die jeweilige Reboundstatistik des Spielers im Zähler nur mit den Rebounds unter dem hierfür relevanten Korb im Nenner verwandt, also TmOREB+OppDREB für die Offensivrebound Percentage.

Die Assists eines Spielers werden für die Assist Percentage ins Verhältnis mit den geschätzten Korberfolgen der Teamkollegen in der Zeit gesetzt, in der ein Spieler auf dem Feld stand: AST% = (AST/(((TmFG/TmMP)*MP)-FG))*100. Für die Steal Percentage werden die Angriffe des Gegners pro Spielminute herangezogen und als Formel ergibt sich: STL% = ((STL*TmMP)/(OppPoss*MP))*100.

Auf den ersten Blick nicht ganz so intuitiv ist die Formel für die Block Percentage, die sich bis dato durchgesetzt hat, werden doch hier die Blocks eines Spielers nicht mit den gesamten geschätzten Feldwurfversuchen des Gegners in der Zeit, in der ein Spieler auf dem Feld stand, ins Verhältnis gesetzt, sondern nur mit den geschätzten Zweipunktversuchen in dieser Zeit.

Ein Themenfeld, unterschiedliche Analysten

Für diese Statistik wurde also bereits eine weitergehende Annahme getroffen - die Annahme, dass Dreipunktewürfe selten geblockt werden und deshalb aus der Analyse herauszurechnen seien. Die Formel lautet: BLK% = ((BLK*TmMP)/((OppFGA-Opp3PA)*MP))*100.

Dass sich teilweise in einem Themenfeld Statistiken unterschiedlicher Analysten durchgesetzt haben, zeigt sich beispielsweise an der Turnover Percentage. Im Gegensatz zur Steal Percentage, in die die Possession Definition von Dean Oliver eingeht, stammt die Turnover Percentage wieder aus der Feder von John Hollinger, erkennbar an der 0,44 als Approximation für die für einen Freiwurf nötigen Offensivaktionen. TO% = TO/(FGA+0,44*FTA+TO).

Assist-Turnover Ratio: So wie es etliche Statistiken zum Vergleich von Scorern gibt, sind auch für Passgeber weitere Statistiken neben der gerade erwähnten Assist Percentage entwickelt worden. Die einfachste ist das Assist-Turnover-Ratio, bei der die Assists eines Spielers durch seine Ballverluste geteilt werden: AST-TO-Ratio = AST/TO.

Pure Point Rating: Da es auch bei Assists und Turnovern ein wenig wie bei der True Shooting Percentage und der Usage Rate ist - in diesem Falle wird es schwieriger, ein hohes Assist-Turnover Ratio bei einer höheren Anzahl von Assists aufzuweisen - hat Hollinger eine insbesondere für den Vergleich von Guards interessante Statistik entwickelt. Anstatt eine Quote zu bilden, ist Hollingers grundsätzlicher Ansatz, wer abzüglich Turnover mehr Assists pro Minute aufweisen kann, ist ein besserer Passgeber.

Da ein Turnover jedoch kostspieliger ist, als der positive Wert eines Assists, zieht er nicht einfach die Turnover von den Assists ab, sondern hat zuvor Überlegungen darüber angestellt, was eigentlich ein Assist wert ist. Für Turnover belässt er den Wert bei Eins, da der durchschnittliche Wert einer Offensivaktion nahe Eins liegt. Bemerkt sei hier, dass es erfahrungsgemäß nach einem Ballgewinn einfacher ist, zu punkten, weshalb auch ein höherer Wert als Annahme vorstellbar wäre.

Für den Wert eines Assists hat Hollinger sich letztlich für die Annahme entschieden, für einen erfolgreichen Feldwurf dem Schützen zwei Drittel des Verdienstes zuzuschreiben und dem Passgeber ein Drittel. Wie bei jeder Annahme lässt sich natürlich auch hier trefflich darüber streiten, ob die Aufteilung des Verdienstes eines erfolgreichen Feldwurfes nicht eher 50/50 sein oder ob einem Passgeber überhaupt ein solch hoher Anteil am Erfolg zugeschrieben werden sollte.

Ebenfalls eine subjektive Annahme trifft er darüber, was ein erfolgreicher Feldwurf eines Mitspielers aus Sicht des Passgebers wert ist, in dem er diesen auf Zwei setzt, obwohl der tatsächliche Wert natürlich bereits ab einem erfolgreichen Dreier über Zwei liegt. Der Wert eines Assists entspricht unter seinen Annahmen gerundet 0,67 (Zwei mal ein Drittel), so dass sich folgende Formel für das Pure Point Rating ergibt: Pure Point Rating = ((AST*0,67-TO)/MP)*100.

Seite 1: Coaches - leichtere Arbeit durch Statistiken

Seite 2: Von Effective Field Goal Percentage bis Usage Percentage

Seite 3: Offensive- und Defensive Rating

Seite 4: Assist-Turnover Ratio und Pure Point Rating

Seite 5: Der "heilige Gral" - das Player Efficiency Rating

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