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NBA

Mathematiker an die Front

Von Tilman Rakers
Durant (r.) und James zählen zu den besten Spielern der NBA. Was sagen die Statistiken?
© getty

Per-36-minutes Statistiken: Ein erster Schritt, die Standardstatistiken Punkte, Rebounds, Assists, Steals, Blocks, etc. zwischen Spielern besser vergleichen zu können, ist, diese auf eine einheitliche Minutenbasis herunter- beziehungsweise hochzurechnen - je nachdem wie viele Minuten ein Spieler tatsächlich im Durchschnitt spielt. Auf vielen Statistikseiten hat sich per-36-minutes durchgesetzt, weil sich diese Minutenanzahl gut mit einem Schlüsselspieler vergleichen lässt. Diese Statistiken messen also, wie produktiv ein Spieler seine Einsatzminuten genutzt hat.

Effective Field Goal Percentage (eFG%): Korrigiert die einfache Field Goal Percentage [FG%] um erfolgreiche Dreier. Sie errechnet sich aus eFG% = (2*Field Goals [FG]) +1*Three Point Field Goals [3P])/Field Goal Attempts [FGA]. Plus einmal die erfolgreichen Dreipunktversuche im Zähler, um auszurechnen, wie viele Punkte ein Spieler oder Team aus seinen gesamten Feldwurfversuchen erzielt hat.

Ein Spieler, der 39 Prozent von der Dreierlinie schießt und nur Dreier wirft, wäre im Durchschnitt also effektiver aus dem Feld, als ein Spieler, der nur Zweipunktewürfe nimmt und mit einer Quote unter 58,5 Prozent trifft.

Die Effective Field Goal Percentage zeigt uns auch an, weshalb eine dauerhafte "Hack-a-..."-Strategie gegen die meisten Spieler und Mannschaften kaum funktionieren kann. Denn solange die Freiwurfquote eines Spielers höher als die Effective Field Goal Percentage seines Teams ist, ergibt es keinen Sinn, ihn dauerhaft zu foulen.

Situationsbedingt - größtenteils in den Schlussminuten - könnte eine solche Strategie Vorteile bringen, weshalb offensichtliche Versuche in den letzten zwei Minuten eines NBA-Spiels nicht erlaubt sind und mit einem Freiwurf und Ballbesitz bestraft werden.

True Shooting Percentage (TS%): Neben den erfolgreichen Dreipunktewürfen korrigiert die True Shooting Percentage auch noch für Freiwürfe, indem die insgesamt erzielten Punkte durch die Summe von Feldwurfversuchen und der Anzahl an Offensivaktionen, die zusätzlich für die Erlangung der Freiwurfversuche nötig waren, dividiert wird.

Obwohl seit einigen Jahren Play-by-Play Statistiken zur genauen Berechnung bekannt sind, wird zur besseren Vergleichbarkeit mit historischen Daten mit einem Korrekturfaktor gearbeitet, um auf die Anzahl der mit einem Freiwurf gleichzusetzenden Feldversuche zu kommen. Außerdem kann eine Schätzung aus kumulierten Boxscore-Daten natürlich deutlich schneller vorgenommen werden, als eine Auswertung von Play-by-Play Statistiken.

Der Korrekturfaktor beträgt in der NBA nicht die intuitiven 0,5 (zwei Freiwürfe für ein Foul beim Wurf innerhalb der Dreipunktelinie oder in einer Penaltysituation), sondern ist mit 0,44 ein Wert unter 0,5, um für Aktionen zu korrigieren, bei denen ein Freiwurf für ein technisches Foul, drei Freiwürfe nach einem Foul bei einem Dreierversuch oder ein Zusatzfreiwurf nach erfolgreichem Feldversuch gezogen wurden.

Die Formel lautet TS% = (Points/ (FGA+0,44*Free Throw Attempts [FTA]))/2. 0,44 ist ein Wert, der aus Auswertungen von John Hollinger über die für einen Freiwurf in der NBA durchschnittlich benötigten Offensivaktionen stammt.

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Diese Kennziffer gibt einem also an, wie effektiv ein Spieler im Durchschnitt jede Aktion genutzt hat, bei der er zum Abschluss gekommen ist. Eine sehr interessante Statistik, um beispielsweise der Frage auf den Grund zu gehen, wer der beste Scorer der Liga ist.

James und Durant heben sich ab

Bei einem Blick nur auf die Spieler, die in der vergangenen Saison über 20 Punkte pro Spiel in der NBA erzielten, fällt sofort auf, dass sich sowohl LeBron James als auch Kevin Durant mit True Shooting Percentages von 0,640 und 0,647 deutlich von den anderen Scorern nach oben abheben, während Russel Westbrook (0,532) und LaMarcus Aldridge (0,530) leicht nach unten abfallen.

Dies ist ein gutes Beispiel, weshalb "Advanced Statistics" immer in einem Kontext zu sehen sind. Natürlich ist es eine berechtigte Frage, wer die höchste True Shooting Percentage der Liga aufzuweisen hatte. Bei einem Mindestmaß an absolvierten Spielen von 41 - also einer halben NBA-Saison - ist dies Chris Wilcox von den Boston Celtics mit einer True Shooting Percentage von 0,725 gewesen.

Doch da er gerade einmal 4,2 Punkte im Schnitt pro Spiel erzielte, würde kaum ein Coach auf die Idee kommen, ihm in der Offensive so viele Ballberührungen wie einem James oder Durant zu geben, und kein informierter Fan würde ihn als besten Scorer bezeichnen.

Free Throw Rate (FTr): Als FTr = FTA/FGA definiert. Da typischerweise ein Spieler, der seine Wurfversuche größtenteils unter dem Korb sucht, mehr Freiwürfe zieht, als ein Spieler, der sich hauptsächlich auf seinen Wurf von außen verlässt, kann ein Spieler mit einer höheren FTr durchaus eine niedrigere eFG% und trotzdem eine höhere TS% haben - wenn er seine Freiwürfe mit einer vernünftigen Freiwurfquote [FT%] trifft - sich also letztlich als effektivere Offensivoption erweisen.

Usage Percentage (USG%): Die Usage Percentage setzt die von einem Spieler zum Abschluss genutzten Aktionen aus der Formel der True Shooting Percentage (FGA+0,44*FTA) zuzüglich Ballverlusten in Verbindung mit den gesamten Aktionen, die sein Team schätzungsweise in seiner Zeit auf dem Feld hatte.

Hierfür werden zunächst die Aktionen des Spielers inklusive individueller Turnover [TO] durch seine gespielten Minuten [MP] geteilt und dann noch einmal durch die durchschnittlichen Aktionen der Mannschaft inklusive Mannschaftsballverlusten pro Minute dividiert beziehungsweise mit dem Kehrwert multipliziert: Usage Percentage = ((FGA+0,44*FTA+TO)/MP)*(TmMP/(TmFGA+0,44*TmFTA+TmTO)). Tm steht als Abkürzung für Team.

Abweichend zu der in der Literatur gleichlautenden Bezeichnung ist mit TmMP hier und im Folgenden die tatsächliche Anzahl der gespielten Minuten einer Mannschaft gemeint und nicht das Fünffache, das häufig verwendet wird, da auf Grund der fünf Positionen fünfmal die gespielten Minuten auf die Spieler einer Mannschaft aufgeteilt werden können.

Dieser Wert zeigt einem also an, wie viele Offensivaktionen einer Mannschaft ein Spieler schätzungsweise nutzt, wenn er auf dem Feld ist, und kann einem in Verbindung mit der True Shooting Percentage Aufschlüsse darüber geben, ob ein Spieler eventuell zu hohe oder zu niedrige Spielanteile in der Offensive erhält. Zu beachten ist allerdings, dass generell beobachtet wurde, dass es bei einer erhöhten Usage Percentage irgendwann schwieriger wird, eine hohe True Shooting Percentage aufrechtzuerhalten.

Seite 1: Coaches - leichtere Arbeit durch Statistiken

Seite 2: Von Effective Field Goal Percentage bis Usage Percentage

Seite 3: Offensive- und Defensive Rating

Seite 4: Assist-Turnover Ratio und Pure Point Rating

Seite 5: Der "heilige Gral" - das Player Efficiency Rating

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