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NBA

Sind die Spurs LeBrons Kryptonit?

Von Cliff Schmit
Kein Durchkommen: Kawhi Leonard und das Spurs-Kollektiv ließen LeBron James keinen Freiraum
© getty

Nach dem Debakel 2007 mit den wesentlich dünner besetzten Cavs hat LeBron James nach der Pleite in Spiel 1 in Finals-Spielen mittlerweile eine 0:5-Bilanz gegen die San Antonio Spurs. Natürlich ist dies nur eine Momentaufnahme und sicherlich nicht allzu hoch zu bewerten, doch zufällig kommt eine solch schlechte Bilanz auch nicht zu Stande.

Nicht wenn auf der gegnerischen Bank Gregg Popovich sitzt. James hatte in den vergangenen Tagen noch selbstbewusst zu Protokoll gegeben, dass er nun "20, 40, 50 Mal besser sei als in den Finals 2007". Es scheint jedoch, als stelle der 64-Jährige sein Team immer noch besonders effektiv auf den viermaligen MVP ein.

Heat vs. Spurs, 1. Spiel: Einzelkritik von mySPOX-User Mutu77

Natürlich kann man die Leistung von LeBron James (18 Punkte, 18 Rebounds, 10 Assists) statistisch gesehen nicht schlecht reden. Bei einem positiven Ausgang wäre der Ausnahmekönner wieder einmal der alles überragende Akteur gewesen. Weil es jedoch die Spurs waren, die nach der Partie in der American Airlines Arena jubeln durften, haftet an seiner Performance ein fader Beigeschmack.

Im Schlussviertel abgetaucht

Vor allem im Schlussviertel war von James wieder einmal nicht allzu viel zu sehen. Ein Tip-In, ein ausgenutztes Mismatch gegen Tim Duncan, dazu zwei verwandelte Freiwürfe. Das war es mit der Herrlichkeit von LBJ in den letzten zwölf Minuten.

Hinzu kam, dass James auch in der Defensive nicht der gewünschte X-Faktor war. Sein Versuch, Tony Parker in den letzten Minuten an die Kette zu legen, scheiterte kläglich. Immer wieder blieb er an den intelligenten Screens der Spurs hängen. In dieses Bild passt es auch, dass James den Franzosen trotz enger Bewachung nicht am alles entscheidenden Wurf zum 92:88 hindern konnte.

Niedergeschlagen kommentierte er nach dem Spiel Parkers Geniestreich: "Tony hat bei diesem Ballbesitz eigentlich alles falsch gemacht, im Nachhinein jedoch alles richtig. Diese 24 Sekunden waren die längsten, bei denen ich je auf dem Court stand."

Dass James in den letzten Minuten nicht mehr glänzen konnte, hängt auch mit der überaus aggressiven Verteidigung der Texaner zusammen. Wie kein anderes Team verstehen es die Spurs, die Drives des Modellathleten im Kollektiv zu unterbinden.

Leonard in der Defensive überragend

Neben der starken Helpdefense der Spurs machte jedoch vor allem Kawhi Leonard ein herausragendes Spiel gegen "The Chosen One". Ob durch sein schnelles Footwork, seine langen Arme oder seine Toughness im Low Post, der 21-Jährige gestattete James fast keinen offenen Wurf.

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An die große Glocke wollte der Sophomore seine Leistung dennoch nicht hängen: "Pop hat mir schon nach den Western Conference Finals gesagt, dass die Finals im Grunde auch nichts anderes sind. Das Spiel ist das gleiche, also solle ich einfach rausgehen und meinen Job machen. Ich hab heute versucht, gar nicht groß nachzudenken, wie groß der Druck ist, was für ein super Spieler LeBron ist. Ich hab einfach Basketball gespielt", blieb Leonard gegenüber NBA.de bescheiden.

Andere Taktik als 2007

Insgesamt hat sich Popovichs Taktik im Vergleich zu 2007 gegen den zurzeit besten Basketballer des Planeten jedoch elementar verändert. Vor sechs Jahren ließen die Spurs James noch einigermaßen gewähren. Frei nach dem Motto: Wenn die Cavs uns schon schlagen wollen, dann muss LeBron James dies aber im Alleingang und ohne die Hilfe seiner Rollenspieler tun.

San Antonio stellte des Königs Mitspieler Hughes, Gibson oder Pavlovic konsequent zu und zwang den damals 22-Jährigen zu vielen langen Jumpern. Da James zu Beginn seiner Karriere zudem aus der Distanz noch wesentlich mehr Fahrkarten warf, waren die Cavs am Ende in vier Partien völlig chancenlos.

Popovich wäre jedoch nicht Popovich, wenn er seine Taktik nicht den momentanen Gegebenheiten anpassen würde. In Anbetracht der desaströsen Form von Bosh, Battier oder zuweilen auch Wade, setzte der Spurs-Coach vor dem Auftakt der Finalserie einfach darauf, dass Miamis Schützen zurzeit zu schwach sind, um San Antonio zu bezwingen.

Eine echtes Wagnis, das jedoch zumindest in Spiel 1 vollends aufgegangen ist. Natürlich versuchten die Heat zu reagieren und mit ihrer Small-Ball-Aufstellung das Spielfeld in die Breite zu ziehen und natürlich ergaben sich daraus auch einige offene Wurfgelegenheiten.

Der Spurs-Plan geht auf

Bosh, Battier und Chalmers trafen aber insgesamt zu unkonstant, als dass sie San Antonios Game-Plan damit ernsthaft hätten in Verlegenheit bringen können. Nachdem bei Miami noch fünf der ersten zehn Dreierversuche ihr Ziel fanden, netzten die Heat anschließend nur noch drei der letzten fünfzehn Geschosse ein. Hinzu kamen einige vergebene offene Jumper.

Die Verteidigung der Spurs konzentrierte sich also allen voran auf Miamis Superstar, machte die Mitte immer wieder geschickt dicht und zwang James somit öfter als ihm lieb war den Ball zum freien Mitspieler herauszupassen.

Eine taktische Maßnahme die fruchtete und die James in der Stunde der Niederlage auch neidlos anerkennen musste: "Sie haben wirklich einen guten Job gegen mich erledigt. Jedes Mal, wenn ich im Ballbesitz war, haben sie das Spielfeld scheinbar verkleinert, einen zusätzlichen Verteidiger an die Freiwurflinie hochgezogen und mich zum Passen gezwungen."

Miami verliert wieder Auftaktpartie

Für die Heat ist ein Rückstand nach Spiel 1 wahrlich keine ungewohnte Situation. Bereits im vergangenen Jahr lag man in den Finals gegen die Thunder mit 0:1 zurück, nur um anschließend vier Siege in Folge einzufahren. Gegen die Chicago Bulls lief es in den diesjährigen Playoffs genauso.

Die Truppe aus South Beach scheint manchmal einen Schuss vor den Bug als Zusatzmotivation zu gebrauchen. Was bei der Auftaktniederlage jedoch vor allem auffiel war, wie hilflos Miami in den letzten Spielminuten agierte.

"Wir haben ihre Wurfquote bei 42 Prozent gehalten und ihnen lediglich 92 Punkte erlaubt. Mit unserer Offense muss das eigentlich zum Sieg reichen," konstatierte Spoelstra folglich etwas ratlos, nur um den Fokus gleich wieder nach vorne zu richten: "Wir müssen uns jetzt zusammenreißen. Die Mannschaft hat bereits einige Rückschläge erlebt und jedes Mal die richtige Antwort gefunden."

Schützen müssen James entlasten

Vor allem vom Perimeter müssen die Heat eine Antwort für die kommenden Partien finden. San Antonio hat gesehen, dass die angewandte Taktik zum Erfolg führen kann.

Also werden die Spurs sich weiterhin in der Defensive zusammenziehen, die Zone dicht machen und James unter Druck setzen.

Das Risiko, ob die Heat-Schützen diese Freiräume auszunutzen wissen, ist bisher ein kalkulierbares. LeBron James weiß jedenfalls, dass es im Verlauf dieser Finalserie nun mehr denn je auf seine Mitspieler ankommen wird: "Die offenen Würfe wollten heute einfach nicht fallen. Ich weiß aber, dass meine Jungs diese Looks auch im nächsten Spiel haben werden und dann kann wieder alles völlig anders sein."

Stellen Bosh, Chalmers und Co. ihr Visier in der Tat besser ein, könnte es im sechsten Anlauf dann auch endlich zum ersten Finals-Erfolg für James gegen die Spurs reichen.

Ergebnisse und Spielplan im Überblick

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