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NBA

Stephenson erlegt die Knicks

Von Cliff Schmit
Stephenson machte das beste Spiel seiner Karriere und war zu keinem Zeitpunkt zu stoppen
© getty

Dank eines hart umkämpften 106:99-Erfolgs (Boxscore) gegen die New York Knicks stehen die Indiana Pacers zum ersten Mal seit 2004 wieder in den Conference Finals und dürfen sich nun mit den Miami Heat messen. Während bei den Pacers ein Youngster explodiert, endet eine viel versprechende Knicks-Saison abermals in einer großen Enttäuschung.

An Carmelo Anthony (39 Punkte, 15/29 FG, 7 Rebounds) lag das Ausscheiden dabei sicherlich am wenigsten. Der Superstar machte ein ganz starkes Spiel und hielt seine Mannschaft lange Zeit im Alleingang in der Partie.

Erst nach der Pause bekam er durch Iman Shumpert (19 Punkte, 5/6 3er) und J.R. Smith (15 Punkte, 10 Rebounds) die nötige Unterstützung.

Dank eines zwischzeitlichen Dreierfestivals im dritten Viertel konnten die Knicks einen 12-Punkte-Rückstand binnen weniger Minuten ausgleichen. Gegen Ende ging der Mannschaft von Mike Woodson dann allerdings die Luft aus und musste sich nach einem 11:2-Lauf der Pacers in den letzten vier Minuten geschlagen geben.

Während die Knicks sich lediglich auf drei Akteure verlassen konnten, bestachen die Pacers durch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Neben dem überragenden Lance Stephenson (25 Punkte, 9/13 FG, 10 Rebounds) punktete die gesamte Starting Five der Pacers zweistellig.

Dabei taten sich wie gewohnt Paul George (23 Punkte, 5 Rebounds, 4 Assists), Roy Hibbert (21 Punkte, 12 Rebounds, 5 Blocks) und David West (17 Punkte, 5 Rebounds) hervor. Dank der starken Leistung der ersten Fünf konnte das Team von Frank Vogel es auch verkraften, dass die Bankspieler lediglich 8 Zähler beisteuerten.

George Hill, der nach seiner Gehirnerschütterung wieder mitmischen durfte, erlebte derweil einen durchwachsenen Abend (12 Punkte, 2/10 FG).

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Die Reaktionen:

Frank Vogel (Coach Pacers): "Die Mannschaft wird jetzt sicherlich nicht in Selbszufriedenheit verfallen. Wir dursten immer noch nach Erfolg. So langsam aber sicher denke ich aber, dass es für dieses Team kein Limit in dieser Spielzeit gibt."

Lance Stephenson (Pacers): "Ich konnte dieses Spiel kaum erwarten. Deshalb habe ich vergangene Nacht auch kaum ein Auge zu getan. Ich war sehr fokussiert und wollte einfach nur aggressiv zum Korb ziehen und intelligente Entscheidungen treffen."

Roy Hibbert (Pacers) über seinen Monsterblock gegen Anthony: "Genau deswegen bezahlen die Pacers mir die dicken Scheine. Damit ich unsere Zone verteidige. Wenn alles andere, sprich unsere Offensive, zum Erliegen kommt, muss ich in der Defensive für die nötigen Aktionen sorgen."

Mike Woodson (Coach Knicks): "Es ist hart, wenn man auf diese Weise ausscheidet. Wir hatten unsere Möglichkeiten, nachdem wir uns gut zurück in die Partie gekämpft hatten. Am Ende haben wir es allerdings nicht auf die Reihe bekommen. Ich habe es nicht geschafft meine Jungs zum Sieg zu führen und das enttäuscht mich sehr."

Carmelo Anthony (Knicks): "Sie haben eine höllische Defensive, verteidigen ihren eigenen Korb exzellent und haben es uns sehr, sehr schwer gemacht. Man muss Respekt vor dieser Mannschaft haben. Vor allem im Set-Play können sie einem richtig wehtun."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tip-Off: Gute Neuigkeiten für alle Pacers-Fans: George Hill is back. Nach seiner Gehirnerschütterung hat der Point Guard hat nur wenige Stunden vor Spielbeginn grünes Licht von den Ärzten erhalten. Indiana startet somit in Bestbesetzung: Hill, Stephenson, George, West und Hibbert. Bei den Knicks gibt es nach dem Sieg in Spiel 5 keinen Grund für Veränderungen. Mike Woodson schickt Felton, Prigioni, Shumpert, Anthony und Chandler ins Rennen.

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5.: Die Pacers machen von Beginn an mehr als deutlich, dass sie im Bankers Life Fieldhouse keine Geschenke verteilen. George und Hill mit zwei frühen Dreiern. New York noch nicht wirklich wach und vor allem im Rebound völlig überfordert. Stephenson und Hibbert legen nach. 17:9 Pacers.

9.: Die Knicks schlagen zurück. Prigioni netzt gleich zwei Mal aus der Distanz ein. Auch Anthony scheint seinen Rhythmus früh gefunden zu haben. Auf der Gegenseite foult Melo allerdings George bei einem erfolgreichen Dreipunktwurf. Der Pacer lässt die Chance auf das Vierpunktspiel allerdings liegen. 24:21 Indiana.

16.: Die Intensität weiterhin am oberen Limit. Genauso wie die Trefferquoten von beiden Teams. Bei den Pacers nimmt Augustin aus der Distanz Maß. Anschließend schüttelt Hibbert Stoudemire in der Zone ab. Copeland und Smith halten die Knicks bei 36:34 im Spiel.

20.: Die Knicks sehen unter den Brettern überhaupt kein Land. Zudem wird Copeland von Hibbert ordentlich abgeräumt. New York im Glück, dass Indiana sich wieder einige Turnover erlaubt. Der Rückstand der Knicks hält sich in Grenzen. 44:38 Pacers.

24.: Turbulente Schlussphase der ersten Halbzeit. Die Pacers kommen durch den überragenden Stephenson mächtig ins Rollen. Zudem holt sich J.R. Smith ein Technisches ab. Martin stoppt den Lauf durch ein Dreipunktspiel, doch das letzte Wort behält erneut Stephenson, der ebenfalls inklusive Foulspiel verwandeln kann. Die Knicks müssen sich im zweiten Durchgang etwas einfallen lassen. 55:47 Indiana.

29.: Was für ein Auftakt in diese zweite Hälfte! Die Pacers treffen ihre ersten fünf Wurfversuche und führen bereits mit 65:53. Bei den Knicks stemmt sich einzig und allein Anthony gegen das drohende Saisonaus. Der Superstar ist absolut on fire und hat bereits elf Zähler nach der Pause auf seinem Konto. Die Hoffnung bei den Knicks lebt, doch Melo muss endlich unterstützt werden. 68:60.

33.: Woohooo! Die Knicks leben! Iman Shumpert mit drei erfolgreichen Dreiern innerhalb einer Minute. Da will sich auch J.R. Smith nicht lumpen lassen und legt gleich noch einen nach. Ausgleich! 72:72.

38.: Irre! Wenn´s läuft, dann läuft´s. Die Knicks bleiben von jenseits der Dreierlinie unglaublich heiß. Copeland mit zwei weiteren Geschossen gleich zu Beginn des letzten Viertels. Indiana bleibt seinem Spielstil treu und sucht den Weg zur Korbanlage, wo Hibbert und George erfolgreich sind. Dennoch führen jetzt die Knicks. 87:86 New York.

44.: Ganz großes Kino! Zunänchst netzt Smith einen weiteren Dreier ein. Anschließend setzt Anthony sich an der Baseline durch und steigt zum wuchtigen Dunk hoch, doch Hibbert stoppt den Knicks-Superstar in letzter Sekunde mit einem sensationellen Block. Auf der Gegenseite läuft Stephenson den perfekten Back-Door-Cut und gleicht zum 92:92 aus. Mann ist das spannend!

46.: Lance Stephenson besiegelt das Saisonaus der Knicks. Der Shooting Guard mit einer entscheidenden Aktion nach der nächsten. Zunächst ein Dreipunktspiel nach einem Turnover von Anthony. Anschließend lässt er zwei Freiwürfe folgen. Während den Knicks nichts mehr gelingt, setzt David West zum erfolgreichen Tip-In an. Stephenson beendet den 9:2-Run mit einem weiteren Layup. 101:94 Pacers!

Indiana Pacers vs. New York Knicks: Hier geht´s zum Boxscore

Der Star des Spiels: Lance Stephenson. Es gibt sicherlich schlechtere Abende, um ein Karrierespiel auf das Parkett zu zaubern. Der 22-Jährige hatte nach seinem relativ schwachen fünften Spiel angekündigt, dass er in Game 6 voll angreifen wolle. Nach der gezeigten Leistung kann man dazu nur sagen: Mission erfüllt.

Der Shooting Guard agierte von Beginn an wie aufgedreht und zog immer wieder dynamisch zum Korb. Bereits zur Halbzeit stand er bei 16 Punkten und 8 Rebounds. Im dritten Viertel tauchte Stephenson etwas unter, allerdings nur, um in der Schlussphase zum alles entscheidenden Akteur zu avancieren. Mit sieben Punkten in den letzten vier Minuten hatte der gebürtige New Yorker maßgeblichen Anteil am Sieg der Pacers. Ebenfalls bärenstark: Roy Hibbert.

Der Flop des Spiels: Tyson Chandler. Bis zum dritten Viertel hätte an dieser Stelle, mit Ausnahme von Carmelo Anthony, nahezu jeder Knicks-Spieler stehen können. Nachdem Shumpert und Smith jedoch wenigstens offensiv kurzzeitig für Entlastung sorgen konnten, muss die Wahl auf Tyson Chandler fallen.

Man kann sich nur verwundert fragen, wo der Chandler aus der Meistersaison der Mavs geblieben ist. Was der 30-Jährige insgesamt in der Serie gegen die Pacers und vor allem in Spiel 6 ablieferte, war einfach nur peinlich. In der Offensive zu keinem Zeitpunkt ein Faktor (2 Punkte), spielte er auch in der Defensive und im Rebound überhaupt keine Rolle und wurde von Hibbert regelrecht vorgeführt. Darüber können auch keine 5 Offensivboards täuschen.

Zudem nahm er sich andauernd mit dämlichen und überharten Fouls selbst aus dem Spiel und schied letztendlich in der Schlussphase aus. Der schlechteste Plus-Minus-Wert (-17) aller Akteure spricht Bände. Ebenfalls grottig: Raymond Felton (2 Punkte, 0/7 FG in 32 Minuten).

Analyse: Die Pacers hatten bei der Niederlage in Spiel 5 so einiges vermissen lassen, was sie sonst ausmacht. Schwache Trefferquoten aus dem Feld und an der Freiwurflinie, fehlende Dominanz an den Brettern sowie viel zu viele Turnover. Dennoch hatte Indiana mit lediglich zehn Punkten Unterschied verloren.

Die Knicks waren vor Spiel 6 also gewarnt. Würde das Team von Frank Vogel nur einige dieser Dinge besser machen, könnte es für die Bockers sehr eng werden. Und dem sollte auch so sein.

Die Pacers, die in den Playoffs zu Hause somit immer noch ungeschlagen sind, gingen die Begegnung mit einer völlig anderen Intensität an, als sie dies noch im Auswärtsspiel im MSG getan hatten. Hibbert und Stephenson sammelten allein in den ersten Minuten bereits vier Offensivrebounds und waren von der schläfrigen Knicks-Defensive überhaupt nicht zu fassen.

Nachdem der Reboundkampf in Spiel 5 noch relativ ausgeglichen gewesen war (43:40), konnten die Pacers diese wichtige Statistik wieder für sich entscheiden (43:36). Indianas Überlegenheit an den Brettern war in der ersten Halbzeit derart eklatant, dass die Pacers zu einem gewissen Zeitpunkt mehr Offensivrebounds gesammelt hatten, als die Knicks Abpraller insgesamt.

Auch George Hills Mitwirken machte sich positiv auf das Spiel bemerkbar. Der Aufbauspieler machte zwar keine sensationelle Partie, gab den Pacers in der Defensive jedoch zusätzlichen Biss und sorgte dafür, dass man wesentlich besser auf das Spielgerät aufpasste. Lediglich neun Mal schenkte Indiana den Ball her.

Dass die Knicks dennoch zur Pause immer noch im Rennen waren, lag in erster Linie an einer überdurchschnittlich hohen Trefferquote sowie an einem blendend aufgelegten Carmelo Anthony (20 Punkte in der ersten Halbzeit).

Am Ende der Partie stand bei den Knicks allerdings eine deutlich schlechtere Trefferquote (40% NYK, 50% IND) zu Buche. Dabei warfen die Bockers auch wesentlich häufiger aus dem Feld (85 zu 67 FG). Indiana marschierte hingegen viel öfters an die Freiwurflinie (34/46 FT). Bei 28 Versuchen weniger konnte selbst die perfekte Quote den Knicks nicht wirklich weiterhelfen (18/18 FT).

Ein entscheidender Faktor zugunsten der Pacers war auch ihre unheimliche Ausgeglichenheit. Während bei den Knicks Anthony teilweise komplett auf sich allein gestellt war und sich in der Schlussphase sichtlich erschöpft zwei bittere Ballverluste leistete, punkteten bei den Gastgebern alle fünf Starter zweistellig. Nach der Gala von Stephenson ist in der gesamten Serie nun jeder Pacers-Starter mindestens einmal Topscorer seiner Mannschaft gewesen.

Obwohl die Pacers die Partie während der ersten 2 1/2 Viertel scheinbar souverän im Griff hatten und mehrmals mit zehn Punkten in Front lagen, sollte es ab der 30 Minute wieder spannend werden. In dieser Phase setzten die Knicks nämlich das um, was sie die ganze Saison über so gefährlich gemacht hatte: sie trafen ihre Dreipunktwürfe.

Insgesamt sieben Geschosse von Shumpert, Copeland und Smith fanden binnen knapp neun Minuten ihren Weg in die Reuse und somit war die Begegnung fünf Minuten vor dem Ende beim Stande von 92:90 für die Knicks komplett gedreht. New York lag in allen wichtigen Statistikkategorien zurück, hatte dank des Dreierfeuerwerks aber dennoch plötzlich die Chance ein Entscheidungsspiel zu erzwingen.

Indiana ließ sich vom unerwarteten Rückstand jedoch überhaupt nicht aus der Spur bringen, attackierte weiterhin aggressiv die Zone und legte defensiv noch einmal einen Zahn zu. Stephenson initiierte den entscheidenden 16:7-Schlussspurt und die "Beat the Heat"-Sprechchöre konnten durch das Bankers Life Fieldhouse ertönen.

Ergebnisse und Spielplan im Überblick

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