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NBA

Kobe Bryant: Einsam und ausgelacht

Von Haruka Gruber
Kobe Bryant, L.A. Lakers
© Getty

Die meisten Top-Teams halten ihre Klasse oder rüsten auf. Den Los Angeles Lakers aber droht der Zerfall. Kobe Bryant schiebt Frust - und selbst ein Weggang scheint nicht undenkbar.

Sich selbst auf den Arm zu nehmen, gehörte noch nie zu den Stärken des Kobe Bryant. Er ist stolz und majestätisch, seine Attitüde verkommt jedoch oftmals zu Egozentrik und einer gewissen Arroganz.

Kobe wird mehr gefürchtet denn geliebt - entsprechend bissig wenn nicht boshaft werden seine jüngsten Probleme kommentiert.

"Kobe Bryant ist also der letzte Spieler, der durch die Amnestie-Klausel entlassen wird?", witzelte "HoopyHype", nachdem bekannt wurde, dass seine Frau Vanessa die Scheidung eingereicht hat. "Wenn ihr dachtet, dass Tyson Chandler von den Knicks überbezahlt wird - wartet darauf, was Vanessa Bryant bekommt."

Bryant findet sich in einer veritablen Lebenskrise wieder. Anfang Dezember war ein von ihm unterstütztes Schmuckunternehmen bankrott gegangen. Der Verlust von 400.000 Dollar dürfte ob seines Wohlstands von 150 Millionen Dollar verschmerzbar sein, doch die Nachricht war ein Vorbote weiterer Rückschläge. Die angesprochene Trennung von der Gattin - und der drohende Zerfall seines Teams Los Angeles Lakers.

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Eine Ankündigung als Drohung

"Um ehrlich zu sein: Ich bin mir verdammt noch mal nicht sicher, in welche Richtung die Lakers gehen", sagte Bryant, als ausgerechnet der Stadt-Rivale Clippers den Trade von Superstar Chris Paul bekannt gab.

Zwar betont der 33-Jährige, dass seine Mannschaft weiterhin die Güte eines Championship Teams und dass das Front Office seine Unterstützung hätte - dennoch ist die Verärgerung ob der Misserfolge am Trade-Markt deutlich zu vernehmen.

"Ich erwarte nicht, dass es bei uns wieder so ist wie 2005, als das Management einfach nur Geld sparen wollte und sich nicht dafür interessierte, konkurrenzfähig zu sein", sagte Bryant.

Seine Ankündigung, die mehr nach einer Drohung klingt: "Ich erwarte, dass das Management weiter aggressiv ist und ein titelfähiges Team aufbaut. Wenn das der Fall ist, werde ich mich nicht einmischen und das Management machen lassen."

Kobe: "Ich kapiere das nicht, ich verstehe das nicht"

Sein Frust zeigt sich auch in der Art, wie er den Clippers zur Paul-Verpflichtung gratuliert: "Chris ist ein fantastischer Spieler, ein großartiger Floor General. Die Clippers haben sich großartig verstärkt und könnten eine der besten Mannschaften im Westen sein. Ich werde sie mir definitiv anschauen."

Doch noch mehr als die verpasste Aussicht auf ein Zusammenspiel mit Paul erzürnte ihn Lamar Odoms Weggang zu den Dallas Mavericks. Pikanterweise jener Klub, gegen den die Lakers in den Playoffs blamabel mit 0-4 ausgeschieden waren. "Ich mag es nicht. Um ehrlich zu sein, ich mag es nicht. Ich kapiere das nicht, ich verstehe das nicht", sagte Bryant. "Ich verstehe nicht, von wem diese Entscheidung kam."

Dass sich Bryant ahnungslos gab, mag ihn ehren. Aber auch er weiß, was mittlerweile kein Geheimnis mehr ist: Die Autorität bei den Lakers ist seit diesem Sommer Jim Buss, Sohn von Besitzer Jerry Buss.

Der Executive Vice President of Player Personell wird von seinem alternden Vater mehr und mehr in die Verantwortung genommen und soll die maßgebliche Kraft sein - zu Lasten von General Manager Mitch Kupchak.

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Kobe-Intimus Kupchak entmachtet

Bryant einte mit Kupchak noch 2007 eine gegenseitige Abneigung, doch in den letzten Jahren bewegten sich beide aufeinander zu und bauten eine vertrauensvolle Basis auf. Nun aber trifft Jim Buss die Entscheidungen: Der Odom-Weggang, das erfolglose Werben um Paul, die Ernennung von Trainer Mike Brown zu Phil Jacksons Nachfolger, ohne zuvor Bryant konsultiert zu haben, was diesen wiederum tief beleidigt haben soll.

"Man muss Mitch einfach seinen Job machen lassen. Er hat über die Jahre bewiesen, dass er ein großartiges Team aufbauen kann. Wir müssen ihm vertrauen", sagte Bryant. Den Namen Jim Buss nimmt er wohlweislich nicht in den Mund.

Trotz allem kommt es wenig überraschend, dass die ersten Insider über eine Trennung spekulieren. "Ich habe vorausgesagt, dass Kobe Bryant einen Trade fordert, und davon werde ich mich nicht distanzieren", sagt der prominente Basketball-Journalist Stephen A. Smith.

Smith spitzt Geschichten gerne zu, doch gemeinhin gilt er als topinformiert: "Ich kenne Kobe so lange. Ich weiß, dass er stinksauer ist." Ähnlich äußerte sich auch Ric Bucher, ebenfalls ein Kenner der NBA.

Zwischenmenschliches Desaster

Es wäre auch erstaunlich, wenn sich die Nummer 24 nicht mit einem Trade befassen würde. Der für seinen fast schon krankhaften Ehrgeiz bekannte Bryant weiß selbst nur allzu gut, dass die Lakers in der Zusammensetzung nicht zu den größten Favoriten gehören.

Während die meisten Konkurrenten ihre Qualität zumindest hielten oder sich sogar noch verstärkten, machte L.A. einen Schritt zurück. Odom und Bryants Backup Shannon Brown (Phoenix) sind weg, hinzu kommt die angespannte Situation um Pau Gasol und Andrew Bynum.

Beide sind sportlich wertvoll, aber sie wissen seit den ausgeschlagenen Angeboten für Paul und Orlandos Dwight Howard, dass sie wie Odom nach Meinung des Front Office abkömmlich sind. Nur wegen des Vetos der NBA beim Paul-Trade spielt beispielsweise Gasol weiter für die Lakers - ein zwischenmenschliches Desaster.

Auch mit Howard bleiben Zweifel

Es ist demnach davon auszugehen, dass L.A. weiterhin alles daran setzt, um Orlando davon zu überzeugen, Gasol und Bynum für Magic-Center Howard einzutauschen.

Doch selbst wenn die Lakers überraschend mit Orlando handelseinig werden, bleiben Zweifel: Denn von Bryant, Ron Artest und womöglich Howard abgesehen gleicht die Mannschaft einer Ansammlung von verletzungsanfälligen oder eindimensionalen Rollenspielern.

Die bisherigen Neuzugänge hören auf Namen wie Josh McRoberts, Jason Kapono und Gerald Green. Ob diese Namen den Ansprüchen eines Kobe Bryants genügen, ist zweifelhaft.

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