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NBA

Der Gen-Lotterie-Sieger und die Veteranenkrise

Von Martin Gödderz / Maurice Kneisel
Chauncey Billups (l.) und Shannon Brown spielten im Conference Final 2009 gegeneinander
© Getty

Die negativen Überraschungen

Chauncey Billups (Denver Nuggets)

14,6 PPG, 4,9 APG, 2,0 RPG, 37 Prozent FG, 35 Prozent 3PTM

Was ist nur mit Mr. Big Shot los? Von Chauncey Billups spricht momentan kein Mensch. Der Grund: Er drückt dem Spiel der Nuggets kaum noch seinen Stempel auf. Die Saison ist zwar noch jung, doch was sich bei der WM schon andeutete, setzt sich nun fort. Der Point Guard wirft aus dem Feld und von der Dreierlinie so schlecht wie bei seiner erstem ersten Gastspiel in Denver. Das war 1999 und Billups kannten damals nur die eingefleischten Fans. Er war ein Niemand, der noch nichts gewonnen hatte.

10 Jahre und etliche Auszeichnungen später steckt der 34-Jährige in der Krise. So wenige Assists verteilte Billups zuletzt in seiner ersten Saison bei den Pistons (2002: 3,9 APG). Abseits aller Geschichten um Carmelo Anthony und dessen Zukunft scheint sich in Denver ein ungeahntes Problem aufzutun: Was passiert mit Chauncey Billups? Da Melo früher oder später nicht mehr in Denver spielen wird, brauchen die Nuggets einen neuen Franchise-Player. Ein alternder Veteran in einer Schaffenskrise ist da sicher nicht die erste Wahl.

O.J. Mayo (Memphis Grizzlies)

13,9 PPG, 2,9 RPG, 2,0 APG, 41 Prozent FG, 38 Prozent 3PTM

Normalerweise entwickeln sich junge Spieler stetig weiter. Natürlich hat jeder schon einmal von der berühmten Rookie-Wall oder dem schweren zweiten Jahr gehört. Bei O.J. Mayo scheint alles anders zu laufen. Eine sehr starke Rookie-Saison ließ die Fans in Memphis aufhorchen. Der Shooting Guard stagnierte dann aber in seinem zweiten Jahr, was nicht wirklich ungewöhnlich ist. Was allerdings jetzt mit Mayo los ist, wirkt höchst merkwürdig.

Der 23-Jährige ist undiszipliniert, spielt völlig lustlos und schlecht (durchschnittlich 4 Punkte weniger). Im Spiel gegen die Miami Heat saß Mayo, der in den beiden abgelaufenen Spielzeiten alle 174 mögliche Partien von Beginn an bestritt, zum ersten Mal in seiner NBA-Zeit auf der Bank. Der Grund: Mayo kam zu spät zum Walk-Through des Teams. Am besten wäre er danach auch nicht eingewechselt worden, denn was er im Spiel bot, war eine Frechheit. Einen von sieben Würfen traf er, machte nur zwei Punkte. Noch schlechter spielte er eine Nacht zuvor, als er in Washington nur einen von 11 Würfen traf. Mayo wirkt komplett von der Rolle in diesem verflixten dritten Jahr.

Tracy McGrady (Detroit Pistons)

4,3 PPG, 2,5 RPG, 1,8 APG, 46 Prozent FG, 13 Prozent 3PTM

Die wichtigste Erkenntnis vorneweg: T-Mac ist gesund. Zumindest leidet er abgesehen von kleineren Wehwehchen an keiner schwerwiegenden Verletzung. Fit ist er deswegen aber noch lange nicht. Wer Hoffnungen hatte, dass McGrady nach einem verletzungsfreien Sommer in Detroit zu alter Leistungsstärke zurückfindet, der wurde ziemlich schnell und jäh enttäuscht.

Der einstige NBA-Top-Scorer fällt bei den Pistons zwar nicht ab, doch er fällt auch nicht auf. McGrady ist einer von vielen. Einer, der seine 17 Minuten in der Rotation sieht. Ein Rollenspieler, der mehr oder weniger regelmäßig seine offenen Würfe trifft. Genau solche Spieler sind wichtig für ein Team, genau solche Spieler erhalten fast nie Beachtung. Für einen Mann mit dem Format von McGrady ist das zu wenig. Wie brav er sich auch in den Dienst der Mannschaft stellt, wer McGrady früher spielen gesehen hat und ihn heute bei den Pistons sieht, der fasst sich an den Kopf. T-Mac ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

Joe Johnson (Atlanta Hawks)

17,1 PPG, 4,1 RPG, 5,2 APG, 41 Prozent FG, 26 Prozent 3PTM

Zugegebenermaßen ist die Stat-Line von Joe Johnson nicht grauenhaft schlecht. Es spielen weitaus schlimmere Spieler in der NBA. Wenn man aber bedenkt, dass die Atlanta Hawks den Shooting Guard im Sommer mit einem fürstlichen Vertrag ausstatteten, dann sind die Zahlen richtig mies. Ein Spieler, der über einen garantierten Vertrag von über 120 Millionen Dollar verfügt, sollte doch etwas mehr zeigen - gerade wenn er in den abgelaufenen Playoffs so unglaublich enttäuschte. In der zweiten Runde gelangen Johnson gegen die Orlando Magic gerade einmal durchschnittlich 11,8 Punkte bei einer Wurfquote von lächerlichen 30 Prozent.

Wiedergutmachung leistet er in dieser Saison keineswegs, spielt so ineffektiv wie lange nicht und trifft wenig. Wie befürchtet, scheint der irre Vertrag, den die Hawks ihrem Star schenkten, ein richtiges Problem für die Franchise zu werden. Legt Johnson weiter eine so lethargische Art an den Tag, werden die Hawks den Vertrag bitter bereuen.

Hedo Türkoglu (Phoenix Suns)

10,1 PPG, 4,1 RPG, 2,4 APG, 43 Prozent FG, 69 Prozent FT

Ach Hedo, es geht abwärts mit dir. Wer dachte, dass die Spielzeit bei den Toronto Raptors nur ein Ausrutscher nach unten war, der sieht sich getäuscht. Auch in Phoenix kann der türkische Nationalspieler nicht an seine Magic-Zeiten anknüpfen. Was ein Point Forward an der Seite von Steve Nash zu suchen hat, war schon vorher fraglich und scheint jetzt tatsächlich nicht zu funktionieren. Türkoglu spielt so wenige Assists wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Sein Backup Hakim Warrick scheint viel besser in das schnelle System der Suns zu passen und sieht immer mehr Minuten. Wenn der Türke sich nicht steigert, könnte ihm schon sehr schnell der Rang abgelaufen werden. Hedo hat mit 31 Jahren seinen Zenit anscheinend bereits überschritten. Wenigstens fällt sein Dreier (41 Prozent) so gut wie lange nicht. Ein schwacher Trost.

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