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MLB: Ein verwegener Plan für ein Stück Normalität

SID
Chase Field in Phoenix/Arizona wäre eine der Spielstätten für den Corona-Notfall-Plan der MLB in Arizona.

Mit einem verwegen klingenden Plan will die MLB ihre gesamte Saison retten. Allerdings wäre ein Sommer ohne Baseball in den USA auch undenkbar.

Es klingt völlig verrückt. Eine Stadt mit ihren Vororten, zwölf Ballparks, 30 Mannschaften, wenn möglich alle 2430 Spiele in nur viereinhalb Monaten - und die Saison wäre gerettet. So der Plan. Geht nicht? Die Baseball-Profiliga MLB, bestehend aus 29 Klubs in den USA und einem in Kanada, scheint es zumindest versuchen zu wollen. Denn Frühling, Sommer und Herbst ohne "America's pastime", also ohne Amerikas liebsten Zeitvertreib - das wäre, als schlage mehr als ein halbes Jahr das Herz des ganzen Landes nicht im Takt.

Wegen der Coronakrise brachen die 30 Mannschaften ihr von abertausenden Anhängern zum Urlaub genutztes Spring Training in Arizona und Florida vorzeitig ab, der "Opening Day" am 26. März fiel aus. Dabei wurde Baseball immer gespielt, egal ob Wirtschaftskrise, Weltkriege oder 9/11. Die Finalserie, World Series genannt, wird seit 1903 ausgetragen. Seitdem wurde nur zweimal kein Champion geehrt: 1904 weigerten sich die New York Giants, den Titel gegen die Boston Americans auszuspielen, 1994 endete die Saison im August wegen eines Spielerstreiks.

Ein gesamtes Jahr ohne Baseball, das gab es nie, seit 1876 zunächst die National League gegründet wurde. Nicht einmal in den Zeiten größter nationaler Tragödien. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 bat Präsident Franklin D. Roosevelt ausdrücklich darum, die Baseball-Saison im Frühjahr 1942 wie geplant beginnen zu lassen: "Ich denke", schrieb er, "es wäre das Beste für unser Land." Zehn Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde in New York wieder Baseball gespielt. Als Zeichen von Normalität.

Zurzeit ist nichts normal. Von Ende März bis Ende September bestreiten die 30 Mannschaften der MLB jeweils 162 Spiele, 81 daheim, 81 auswärts. Alle Spiele, insgesamt eben 2430 (ohne Play-offs), werden live übertragen, im Fernsehen und im Radio. Und obwohl die Besucherzahlen seit zwölf Jahren stetig sinken, kommen im Schnitt immer noch mehr als 28.000 Zuschauer zu jeder Begegnung, von etwa 10.000 bei den Miami Marlins bis zu 49.000 bei den Los Angeles Dodgers. 2430 Spiele heißen auch: 2430-mal Zeitvertreib, Ablenkung, Gesprächsstoff. Und jetzt?

Ellenbogen-Operationen zur Corona-Zeit sorgen für Kontroverse

Die Coronakrise hat das seit fast eineinhalb Jahrhunderten beständig schlagende Herz aus dem Takt gebracht. Und sei es nur, weil jetzt diskutiert werden muss: Dürfen sich in einer Zeit, da medizinische Ressourcen dringend für lebenserhaltende Maßnahmen benötigt werden, Ausnahmewerfer wie Chris Sale von den Boston Red Sox oder Noah Syndergaard von den New York Mets am Ellbogen operieren lassen? Nachdem beide Spieler in Florida unters Messer gekommen waren, untersagte der Gouverneur des Bundesstaates prompt alle nicht-lebenswichtigen Eingriffe.

Und dann ist da also dieser Plan. In Phoenix und Umgebung gibt es viele Ballparks, in denen 15 der 30 Mannschaften schon ihr Spring Training abhalten. Es gibt auch ausreichend Hotels, um alle 30 Mannschaften isoliert unterzubringen. Gespielt würde ohne Publikum, regelmäßig zweimal am Tag sowie nur über sieben statt neun Spielabschnitte. Spieler und Coaches nähmen auf den leeren Tribünen Platz. Nach viereinhalb Monaten und vielleicht dann doch nur nur 120 Spielen pro Mannschaft kämen im Oktober noch die Play-offs dran.

Vertreter der US-Gesundheitsbehörde sollen dem Plan schon zugestimmt haben. Und einer wie Mike Matheny, Manager der Kansas City Royals (MLB-Champion 2015), sagt, er würde sich privilegiert fühlen, ein bisschen Normalität zurückbringen. "Wir sollten etwas tun, was dem Heilungsprozess hilft."

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