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MLB: Houston Astros nach dem World-Series-Schock - Viele Fragezeichen trotz solider Perspektive

A.J. Hinchs (r.) Bullpen-Management in Spiel 7 wirft Fragen auf.

Die Houston Astros haben etwas überraschend die World Series gegen die Washington Nationals verloren. Die Pleite in Spiel 7 wirft Fragen auf, bringt aber auch Klarheit in eine Schlüsselpersonalie.

Und dann herrschte Stille, betretenes Schweigen und nur noch ein Gedanke: Raus hier! So ungefähr war die Stimmung bei den Houston Astros nach dem Ende des durchaus ein wenig schockierenden Spiel 7 in der World Series.

Das beste Team der Regular Season (107 Siege) verlor das ultimative Spiel der Postseason 2019 und steht überraschend mit leeren Händen da. Was bleibt, sind Fragezeichen - und Enttäuschung. Aber hauptsächlich Fragezeichen.

Die wohl wichtigste Personalie jedenfalls erhielt indes in Rekordzeit ein Ausrufezeichen. Superstar-Pitcher Gerrit Cole zeigte sich nach dem Spiel eher widerwillig, wenn es darum ging, Fragen der Reporter zu beantworten. Er wird mit den Worten zitiert: "Ich bin kein Angestellter dieser Organisation mehr. Also spreche ich wohl für mich selbst." Abgerundet wurde dieses etwas befremdliche, aber faktisch korrekte Statement - nach Mitternacht an der Ostküste war er technisch gesehen Free Agent - durch die Wahl seiner Kopfbedeckung. Cole trug ein Cap der "Boras Corporation" - die Agentur seines Über-Agenten Scott Boras.

Ein klares Statement für alle Interessenten: Er ist offen für Angebote. Und da Boras der zuständige Agent ist, wird es teuer. Richtig teuer.

Houston Astros: Warum hat Gerrit Cole nicht gespielt?

Die Frage kurz nach dem Spiel war jedoch nicht die nach seiner Zukunft, sondern vielmehr die, wo er denn in Spiel 7 war. Gespielt hat er nämlich nicht. Im wichtigsten Spiel des Jahres. Ultimativ erklärte Manager A.J. Hinch diese Personalie. Er habe zwar mit Cole zwei Tage nach seinem brillanten Start in Spiel 5 geplant, aber nur für den Fall, dass er im neunten Inning den Sieg über die Bühne bringen würde.

Der Fall trat freilich nicht ein. Und die Erklärung wiederum machte schlicht keinen Sinn.

Spätestens seit der noch immer denkwürdigen Postseason 2016 geht der Trend dahin, zumindest in den Playoffs seine besten Pitcher dann einzusetzen, wenn ein Spiel auf der Kippe steht. Im siebten Inning stand eben jenes gewaltig auf der Kippe. Wie gingen die Astros das an? Nachdem der bis dahin starke Zack Greinke den Homerun zum 2:1 abgegeben hatte, durfte er noch einen weiteren Baserunner zulassen, ehe ihn Hinch dann doch auswechselte.

Für ihn kam Will Harris, der ohnehin schon ein wenig überarbeitet war. Er machte zwar keinen Fehler, doch sein zweiter Pitch zu Howie Kendrick krachte dennoch gegen den Foul Pole für den Homerun zum 3:2. Der Homerun, der die World Series entschied.

Houston Astros: Bestes Team der MLB seit 2017

Der beste Pitcher der Welt saß draußen, während dem insgesamt fragwürdigen Bullpen der Astros in der Folge das Spiel noch weiter aus den Händen glitt. Viele Manager würden nach dem Spiel gehörigen Gegenwind erleben. Hinch dagegen wird es überstehen, schließlich bleibt er der Manager des besten Teams der vergangenen drei Jahre. Die Astros gewannen seit 2017 inklusive der Playoffs 336 Spiele - die meisten jemals innerhalb einer Zeitspanne von drei Jahren.

Diese Pleite, die gesamte World Series sogar, wird den Astros freilich noch nachhängen, denn sie verloren ihre vier Heimspiele - das gab es in einer Sieben-Spiele-Championship-Serie im US-Sport noch nie - allesamt mit einer gewissen Systematik. Houston ging stehts in Führung und präsentierte sich stark, bis dann in einem mittleren bis späten Inning die Geschichte den Bach runter ging. In Spiel 6 zum Beispiel waren es zwei Homeruns von Adam Eaton und Juan Soto, die Washington schlagartig auf die Siegerstraße brachten, in Spiel 7 Homeruns von Anthony Rendon und Kendrick.

Ehe man sich versah, saugten die Nationals mit ihren Clutch-Hits jegliche Energie aus dem Minute Maid Park und gerade in Spiel 7 saß der Schock tief. Nach dem Kendrick-Shot legte essenziell kein Astros-HItter mehr ein vernünftiges At-Bat hin - mit Ausnahme von George Springer im siebten Inning vielleicht.

Der Kern der Houston Astros bleibt zusammen

Die gute Nachricht für die Astros ist jedoch, dass dieses nichtsdestotrotz herausragende Team weitestgehend zusammenbleiben wird. Cole wird gehen, da die Teameigner kein Interesse daran haben, die Luxussteuergrenze mit ihrer Payroll zu erreichen und Cole sicher einen Rekordvertrag für einen Pitcher anstreben wird. Zudem braucht es auch noch Ressourcen für in naher Zukunft anstehende (Monster-)Verträge für Eigengewächse wie Springer oder Carlos Correa.

Zudem werden die Reliever Will Harris und Joe Smith Free Agents, ebenso eine Reihe von Rollenspielern. Doch bis auf beide Catcher ist das komplette Starting Lineup noch langfristig unter Teamkontrolle. Die Pitching Rotation wird ohne Cole immer noch Justin Verlander und Greinke an der Spitze haben. Jose Urquidy, der in Spiel 4 überraschte, dürfte in die Rotation aufrücken und ansonsten braucht es nicht viel, um erneut um den Titel mitzuspielen, speziell in der weiterhin überschaubar schwierigen AL West.

Das Ende der Saison 2019 ist ein beträchtlicher Rückschlag für die dominante Organisation der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahrzehnts. Nun wird sich zeigen, ob der sportliche Höhenflug auch im neuen Jahrzehnt und mit ein paar sportlichen Narben mehr weitergeht. Das Potenzial dazu ist jedenfalls vorhanden.

World Series 2019 im Überblick

DatumUhrzeitSpielErgebnis
Mittwoch, 23. Oktober2.08 UhrHouston Astros - Washington Nationals, Spiel 14:5
Donnerstag, 24. Oktober2.07 UhrHouston Astros - Washington Nationals, Spiel 23:12
Samstag, 26. Oktober2.07 UhrWashington Nationals - Houston Astros, Spiel 31:4
Sonntag, 27. Oktober2.07 UhrWashington Nationals - Houston Astros, Spiel 41:8
Montag, 28. Oktober1.07 UhrWashington Nationals - Houston Astros, Spiel 51:7
Mittwoch, 30. Oktober1.07 UhrHouston Astros - Washington Nationals, Spiel 62:7
Donnerstag, 31. Oktober1.07 UhrHouston Astros - Washington Nationals, Spiel 72:6
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