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Moneyball - die Kunst zu gewinnen? - Wie die Oakland Athletics die Sportwelt revolutionierten

Das "Moneyball-Prinzip" ist aus dem amerikanischen Sport nicht mehr wegzudenken
© getty

 

Geburt der Sabermetrics

Sämtliche Neuerungen in der Baseball-Analyse aufzuführen, die auf James zurückgehen, würde den Rahmen sprengen. Unter anderem zeichnete er sich verantwortlich für:

  • "Runs created": Wie viele Runs, also Punkte, ist ein Spieler insgesamt wert?
  • "Win Shares": Offense, Defense, Positionsspiel: Wie viele Siege ist ein Spieler insgesamt wert?
  • "Game Score": Wie gut hat sich ein Pitcher geschlagen, unabhängig vom eigentlich Ergebnis?

Diese Aufzählung ließe sich beliebig lang fortführen. Seine Methoden fasste James unter dem Terminus "Sabermetrics" zusammen, angelehnt an die "Society for American Baseball Research"(SABR). Der Statistik-Fan war nicht der einzige, der "Amerikas Freizeitbeschäftigung" auf eine neue Art und Weise untersuchte, aber er brachte den Stein unaufhaltsam ins Rollen, als er von 1977 an eine jährliche Buchreihe über seine Erkenntnisse herausbrachte. "The Bill James Baseball Abstract" erreichte fünf Jahre später über einen Verleger endlich ein größeres Publikum.

Von "Moneyball" war allerdings immer noch keine Rede. Erst nachdem die Athletics im Jahr 2002 die Methoden von James großflächig einsetzen und damit erfolgreicher waren als im Jahr zuvor (unter anderem legten sie die im Film gefeierte Siegesserie von 20 Spielen hin), entschloss sich Wall-Street-Autor Michael Lewis, ein Buch über den Erfolg des Teams zu schreiben. Im Juni 2003 veröffentlichte er "Moneyball: Die Kunst, ein unfaires Spiel zu gewinnen".

Das Spiel wird neu bewertet

Unfair deshalb, weil es im Baseball keine Gehaltsobergrenze gibt. Die A's mussten es mit einem Budget von rund 41 Millionen Dollar mit Teams wie den New York Yankees aufnehmen, deren Payroll mehr als das Dreifache betrug. Lewis analysierte, mit welchen Erkenntnissen Beane und sein Assistent Paul DePodesta den großen Teams ein Schnippchen schlugen. Erkenntnisse, gewonnen aus einer neuen und innovativen Analyse der Statistiken. Dazu gehörten:

  • Althergebrachte Statistiken für Hitter wie etwa RBIs (Runs, die ein Schlagmann ins Ziel bringt), Wins (Spiele, die einem Pitcher als "Sieg" zugerechnet werden) oder Batting Average (AVG) sind zu ungenau bzw. zu abhängig von der jeweiligen Situation: Ein Spieler in einem guten Team etwa wird zwangsläufig mehr RBIs anhäufen, ebenso ein Pitcher seine Siege. Deshalb sollte sich der Pitcher vor allem an seinen zugelassenen Runs messen lassen.
  • Die Schlagkraft des Hitters lässt sich seinerseits besser an dessen Slugging Percentage (SLG) messen, als an einzelnen Homeruns oder RBIs: Dafür teilt man die Anzahl der Total Bases (Single = eine Base, Double = zwei Bases, etc) durch die Anzahl der Versuche (At-Bats).
  • Batting Average (Schlägt der Hitter den Ball bei drei von zehn Versuchen erfolgreich ins Feld, hat er einen Average von .300) klammert Walks aus und ist deshalb ungenauer als On-Base-Percentage.
  • Der Closer (ein meist im Verhältnis teurer Pitcher, der nur eingesetzt wird, um das letzte Inning zu pitchen, wenn man bereits in Führung liegt) sollte lieber schon vor dem letzten Inning in brenzligen Situationen eingesetzt werden, schließlich ist er der vermeintlich beste Reliever. Außerdem sind Closer aufgrund ihrer Prominenz meist überbezahlt.
  • Zudem führte Lewis mit Verweis auf Statistiken an, dass Spieler aus dem College im Draft besser abschneiden als High-School-Akteure, oder dass ein "Sacrifice Bunt" (ein Spieler opfert seinen Versuch am Schlagmal, um einen Teamkollegen eine Base weiter nach vorn zu bringen) generell nicht lohnenswert sei. Zudem müsse man versuchen, den gegnerischen Starting Pitcher so schnell wie möglich müde zu machen und so aus dem Spiel zu nehmen.

Kein Kampf der Kulturen

Was man auf keinen Fall vergessen sollte: Bei "Moneyball" handelt es sich nur vordergründig um ein Buch über Baseball. Vielmehr demonstriert Lewis anhand der A's, dass es, sei es in anderen Sportarten oder auch in der Wirtschaft, nötig ist, der Entwicklung voraus zu sein. Lücken zu finden. Nicht nur eine Masse an Daten zu haben, sondern an diese auch die richtigen Fragen zu stellen.

Die Protagonisten legen ebenfalls Wert darauf, dass es sich nie um einen Kulturkampf zwischen Mathe-besessenen Nerds und altbackenen Scouts gehandelt habe. Im Baseball versuche man ständig, die Leistungen der Spieler vorherzusagen, so DePodesta, der 2004 General Manager der Los Angeles Dodgers wurde, wohlgemerkt im Alter von 31. "Scouts helfen uns sehr dabei, mit diesem Problem umzugehen. Andererseits haben wir uns gefragt: 'Wie können wir diese Unsicherheit noch weiter minimieren?' Und die Daten und Statistiken waren eine Möglichkeit dazu", erklärte Beanes einstige rechte Hand in der "Washington Post".

Es bleibt die Frage: Wenn "Moneyball" ein so erfolgreiches Konzept ist - schließlich ist es seit Lewis' Bestseller ein geflügeltes Wort und aus der Sportszene nicht mehr wegzudenken -, warum warten dann Billy Beane und die Athletics immer noch auf die erste World-Series-Teilnahme seit 1990?

Der Grund ist ganz einfach: Weil es funktioniert.

Seite 1: Moneyball: Von Bill James zu Brad Pitt

Seite 2: Das Moneyball-Prinzip

Seite 3: Moneyball heute

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