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NBA

Hier kommen die Hawks!

Von Philipp Dornhegge
Die Atlanta Hawks waren eins der Überraschungsteams der NBA-Saison
© Getty

Cleveland, Boston und Orlando sind die besten Teams im Osten. Doch im Windschatten der Top Drei haben sich die Atlanta Hawks still und heimlich zu einem Klasseteam entwickelt.

Die Playoffs 2008 waren die Geburtsstunde der neuen Atlanta Hawks. Das junge Team war gerade so in die Playoffs gerutscht, traf dort als Nummer acht gleich auf die Boston Celtics, das beste Team der Liga, den Meisterschaftsfavoriten.

Eine klare Sache, dachten alle Fans und Experten. Doch dann gewannen die Hawks alle drei Heimspiele, spielten großartige Defense und waren kaltschnäuzig in der Offense. Die Basketballwelt staunte, dass eine so unerfahrene Truppe den Ligaprimus vor eine derart harte Probe stellen konnte. Dass Atlanta auswärts keine Bäume ausriss und in Spiel sieben in Boston regelrecht unterging, tat dabei nichts zur Sache.

Die Fans glaubten wieder an ihr Team, das sie in den Jahrzehnten zuvor durch ein Wechselbad der Gefühle getrieben hatte. Ein Rückblick auf die wechselhafte Historie der Atlanta Hawks.

Die glorreichen Jahre

Mit dem "Human Highlight Film" Dominique Wilkins waren die Hawks in den 80ern und 90ern eins der erfolgreichsten Teams der NBA und konnten nur deshalb nie den ganz großen Wurf landen, weil Teams wie die Chicago Bulls, Detroit Pistons oder zuvor die Boston Celtics die Vorherrschaft im Osten beanspruchten.

Die Celtics waren es auch, die den Hawks 1957, '60 und '61 zwei ihrer drei Finals-Teilnahmen vermiesten. Nur 1958 konnte das Team mit dem zweimaligen MVP Bob Pettit die Meisterschaft gewinnen.

Der Absturz

Ab dem Jahr 1999 verschwand Atlanta in der Versenkung. Wilkins spielte schon seit einiger Zeit nicht mehr bei den Hawks, zudem wurde Publikumsliebling Steve Smith nach Portland getradet. In der Folge verpassten die Hawks erstmals nach vielen Jahren wieder die Playoffs. 2001 hätte in Atlanta ein Neuaufbau beginnen können, doch Erstrundenpick Pau Gasol wurde für Shareef Abdur-Rahim vom Hof gejagt. Gasol wurde ein All Star, Abdur-Rahim verließ das Team 2004 schon wieder und musste im vergangenen Jahr nach einer von Verletzungen geprägten Karriere seine Schuhe an den Nagel hängen.

Die Hawks waren plötzlich eins der schlechtesten Teams der Liga, die Zuschauer blieben weg, kein Mensch interessierte sich mehr für "Basketball made in the Dirty South".

Das Comeback

Bis 2004. Da holten die Hawks mit Josh Smith eine lokale High-School-Legende ins Team. Smith erwarb sich schnell einen Ruf als Highflyer und spektakulärer Shotblocker, der die Fans elektrisierte. Mit dem sechsten Pick im Draft wählte Atlanta Josh Childress, einen talentierten Swingman mit ebenfalls großen athletischen Fähigkeiten. Es waren die ersten beiden von einer Reihe guter Personalentscheidungen, die die Hawks in der Folge treffen sollten.

2005 konnte Joe Johnson von den Phoenix Suns verpflichtet werden. Der Shooting Guard ist mittlerweile der unumstrittene Star des Teams, dreimaliger All Star und Crunch-Time-Player par excellence. Mit den Jahren kamen Flügelspieler Marvin Williams, Center Al Horford und Point Guard Mike Bibby.

Den größten Fehlgriff leistete sich der damalige Manager Billy Knight 2006, als er Shelden Williams Spielern wie Brandon Roy, Rudy Gay oder Rajon Rondo vorzog. Knight wurde 2008 durch Rick Sund ersetzt.

Trotzdem: Die Hoffnung in Atlanta war groß, dass die Dürrezeit bald vorbei sein könnte. Letzte Saison war es endlich soweit: Die Hawks erreichten nach neun langen Jahren erstmals wieder die Playoffs. Das Aus in Runde eins gegen die Celtics war einkalkuliert und kam wenig überraschend, aber die Art und Weise, wie sich das Team verkaufte, zeigte, dass in Atlanta etwas wächst.

Doch den jungen Atlanta Hawks fehlt noch so Einiges, um eine reelle Chance auf eine Meisterschaft zu haben. Zunächst einmal wäre da der Faktor Erfahrung: Eine mickrige Playoff-Runde ist noch lange nicht genug, um den Sprung nach ganz oben zu schaffen.

Außerdem braucht das Team aus dem US-Bundesstaat Georgia mindestens einen weiteren Star. Bibby ist nicht mehr der Super-Point-Guard der letzten Jahre, Smith zu unkonstant und Williams ein reiner Scorer. Im Sommer 2009 werden Shawn Marion und Ron Artest zu Free Agents, deren Vielseitigkeit und Defensivstärke könnte den Hawks durchaus weiterhelfen.

Die Playoffs 2009

Bevor sich die Hawks jedoch damit auseinander setzen können, gilt es zunächst einmal, die aktuelle Spielzeit so erfreulich wie möglich zu beenden. Am Ende der regulären Saison steht der vierte Platz zu Buche, das bedeutet für die erste Playoff-Runde immerhin den Heimvorteil.

Vor dem Duell gegen die Miami Heat und deren One-Man-Show sind die Hawks klarer Favorit: Der Heimvorteil ist Gold wert, zudem kann sich der Klub aus Florida in diesem Jahr eigentlich nur auf Dwyane Wade verlassen. Die Hawks haben im Dezember beim 87:73 schon gezeigt, dass sie auch in Miami gewinnen können.

Wenn Atlanta die zweite Runde erreicht, dann hätte Coach Mike Woodson seine Mannschaft wieder einen Schritt nach vorn gebracht. Das aller Voraussicht nach folgende Duell gegen die Cleveland Cavaliers wird - wie im letzten Jahr gegen Boston - eine Erfahrung, die alle Spieler nur noch besser machen wird. Und wer weiß, ob in den kommenden Jahren für die Nobodys aus Atlanta nicht auch einmal die Finals drin sind.

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