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Sport-Jahresrückblick

Vier Schlachten und eine Demütigung

Floyd Mayweather blieb auch im Jahr 2014 ohne Niederlage
© getty

Felix Sturm (39-4-3) vs. Robert Stieglitz (47-4-1)

Was wurde im Vorfeld des Kampfabends in Stuttgart nicht alles diskutiert. Felix Sturm habe seine besten Jahre hinter sich, hieß es. Seine Arbeit als Promoter würde zu viel Fokus kosten und sowieso fehle ihm schlichtweg der Wille. "Ich habe noch drei, vier gute Jahre vor mir", entgegnete Sturm trocken und legte nach: "Ich habe mich selten vor einem Kampf so gut gefühlt wie diesmal."

Auch sein Gegenüber Robert Stieglitz wurde nach zwei Niederlagen in drei Duellen gegen Arthur Abraham mehr als kritisch beäugt. Unterhaltung während sich diese beiden Boxer im Ring gegenüberstehen? Niemals. Unmöglich. Unrealistisch!

Im Endeffekt dürften wohl nicht nur die rund 6.500 Zuschauer in der ausverkauften Porsche Arena überrascht gewesen sein, sondern auch Millionen vor den TV-Bildschirmen. Was Sturm und Stieglitz im Ring darboten, war so intensiv, dass eine Spannung aufkam, die es so wohl schon lange nicht mehr bei einem Kampf in Deutschland gab. "Solch einen Kampf gab es seit Jahren nicht mehr, das ist unglaublich. Mehr geht einfach nicht", zeigte sich beispielsweise Promoter Ulf Steinforth zufrieden.

Laues Lüftchen? Von wegen!

Beide Boxer, die sich im Vorfeld auf ein Catchweight von 75,5 kg geeinigt hatten, führten dabei vom ersten Gong an ein Duell mit offenem Visier und extrem hohem Tempo, bei dem vor allem Sturm zunächst überzeugte. Der 35-Jährige präsentierte sich in der besten Form seit Jahren und setzte ein ums andere Mal mit seiner Schlaghand schwere Treffer.

Sogar Abraham, der im kommenden Jahr gegen den Sieger hätte antreten sollen, wirkte voller Anerkennung. Ein Umstand, der beim WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht im Zusammenhang mit seinem Erzfeind praktisch unmöglich schien. "Jeder hat absolut alles gegeben, das war ein Krieg", so der gebürtige Armenier.

Auslöser für das Lob von allen Seiten war primär Sturms Rechte, die in der Tat beeindruckte. Egal, ob der 35-Jährige sie als Konter einsetzte oder über die Außenbahn schlug - jeder Treffer erzielte Wirkung. Vor allem wurde es jedoch interessant, wenn Sturm seine gefährlichste Waffe als Aufwärtshaken zeigte. Es klingelte nahezu jedes Mal ordentlich.

Stieglitz hingegen versuchte den Schaden zu minimieren, arbeitete im Clinch mit seinem Gewicht und kostete seinen Gegner so zumindest Kraft. Doch bei all den Treffern, die er kassierte, verlor der Magdeburger nie den Drang nach vorne. Dort wurde allerdings seine Eindimensionalität ein ums andere Mal deutlich. Selbst ein Cut bei Sturm schien dem 33-Jährigen an diesem Abend wenig zu helfen. Doch Stieglitz wäre nicht Stieglitz, wenn er nicht von seinem größten Pluspunkt profitieren würde.

Die zweite Luft

Denn als alles für einen Sieg Sturms sprach, schaffte er es tatsächlich zurück in den Kampf - seiner Pferdelunge und großen Nehmerqualitäten sei Dank. In den letzten drei Runden war er der bestimmende Mann im Ring und konnte gegen einen nachlassenden Sturm mehrere harte Treffer landen.

Als der finale Gong die Schlacht von Stuttgart beendete, hielt es in der Halle niemanden mehr auf dem Stuhl, der Beifall galt dabei völlig zu Recht beiden Kämpfern. Selbst der eine oder andere Zuschauer zuhause dürfte sich beim leisen Applaudieren erwischt haben.

Für viele stand deshalb fest, dass es unabhängig vom Urteil keinen Verlierer geben würde. Die Tatsache, dass sich die Punktrichter dieser Meinung anschlossen, sorgte im Nachhinein zwar für unterschiedlichste Reaktionen. So lange jedoch ein Rückkampf die logische Konsequenz ist - immer gerne! Oder um es mit Sturms Worten zu sagen: "Deutschland braucht keine Titelkämpfe, sondern solche wie am heutigen Abend."

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