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American Footy Star

Von Maximilian Schmeckel
Miro Gladovic versucht einige College-Stars in Australien unterzubringen
© getty

Miro Gladovic war der jüngste FIFA-Spielerberater aller Zeiten und arbeitete mit Uli Hoeneß an Bayerns Erschließung der US-Märkte. Nun hat der Australier ein neues Projekt. Er gibt gescheiterten College-Stars eine neue Chance - und will gleichzeitig seinen Nationalsport in den USA etablieren.

"With the 85th pick in the 2009 NFL draft the New York Giants select...", sagt NFL-Comissioner Roger Goodell am 25. April 2009 in der zum Bersten gefüllten New Yorker Radio City Music Hall, "Ramses Barden."

Im Anschluss folgt das obligatorische Gejohle, der Zoom auf den Protagonisten, einen fast zwei Meter großen Musterathleten mit breitem Lächeln und kurz geschorenen Haaren.

Barden strahlt, natürlich tut er das, für jeden Sportler ist das der ultimative Traum, die absolute Erfüllung aller Hoffnungen. Dafür haben sie alle hart gearbeitet, sich mit schmerzenden Muskeln stundenlang im Kraftraum gequält, sich mit stechenden Lungen wieder und wieder zum nächsten Sprint gezwungen.

Die Zeit der Entbehrung ist vorbei, jetzt wartet das Geld. Die NFL, die größte Liga der Welt. Ramses Barden ist 23, er ist der größte Wide Receiver der Draft Class, er hat genau 50 College-Tochdowns vorzuweisen. Die Giants haben ihren eigenen Drittrundenpick und einen Fünftrundenpick für ihn an die Eagles abgegeben. Es liegt eine strahlende Zukunft vor ihm, sollte man meinen.

99 Prozent schaffen es nicht

Sechs Jahre später ist der Traum zerplatzt wie eine zu schnell dem Himmel über New York entgegen schwebende Seifenblase. Zwar steht in Bardens Vita sogar der Super Bowl Triumph 2012, er selbst hat dazu aber nichts beigetragen.

Er ist gescheitert. Nur 29 Receptions für 394 Yards kann er vorweisen. Das sind die Zahlen, die in der NFL-Datenbank unter seinem Namen eingespeichert sind. Mehr werden es nicht werden. Kein Team will ihn mehr, er ist durchgefallen, erst bei New York, dann bei Buffalo sowie Jacksonville - und reiht sich in die Riege Tausender ein, die es nicht schaffen, obwohl sie jahrelang genauso hart gearbeitet haben wie alle anderen.

99 Prozent aller College-Sportler schaffen es nicht einmal bis zum Draft. Unter der Elite, die auf den Fernsehbildschirmen flimmert, liegt eine große Masse von jungen Männern, die ihren Traum begraben müssen und dann Automechaniker oder Call-Center-Angestellte werden.

Die Hoffnung hat einen Namen

Dass Ramses Barden im Jahr 2015 weiter auf eine Karriere als Profisportler hoffen darf, liegt an einem Australier mit Wurzeln in Jugoslawien: Miro Gladovic.

Gladovic, ein sportlicher Typ mit schulterlangen blonden Haaren und einnehmendem Gesicht, war schon immer ein Visionär, einer, der weiter dachte als andere. Nachdem er mit 28 verletzungsbedingt seine Karriere als Fußball-Torwart beenden musste, wurde er Spielerberater. Mit 28 der Jüngste seiner Zunft. Weltweit.

Er betreute Spieler wie Josip Simunic, Boris Zivkovic, Frank Juric oder später auch Oliver Neuville. Schon bald wurde ihm die Gier zu viel, der unbändige Wille der Branche, das Maximum aus den Spielern herauszuholen wie aus Gebrauchsgegenständen, die man nach dem Benutzen einfach zur Seite wirft, zuwider. Er stieg aus.

Kooperation mit Hoeneß

Gladovic orientierte sich anderweitig. Er war inzwischen von Melbourne in die USA gezogen und wurde fasziniert von der amerikanischen Sportwelt mit ihren vier Elite-Ligen, dem ungeheuren Marketing-Potenzial und der Begeisterung in den Staaten. Über Dieter Hoeneß, den er seit seiner Hertha-Zeit gut kannte, kontaktierte er 2012 den Macher des mächtigsten Klubs Deutschlands: Uli Hoeneß.

Er präsentierte ihm seine Ideen einer Etablierung der Bayern als Marke in den USA. Hoeneß war begeistert, mehr als jeder andere erkannte er früh, dass Deutschland im Punkt Erschließung externer Märkte etwa der Premier League weit hinterherhinkte. Gladovic flog zwei Mal in drei Monaten nach München und sprach mit Hoeneß über die Eröffnung einer bayerischen US-Filiale, Fernsehrechte sowie Testspieltourneen.

Mitten in die erste Ausarbeitung von Konzepten platzte die Steueraffäre um Hoeneß. Das Projekt war auf Eis gelegt. Als Hoeneß unterging, ging Gladovic mit unter. Bayern nehme Abstand von einer zeitnahen Realisierung der US-Pläne, sagte der Verein Gladovic - und eröffnete 2014 trotzdem den ersten Standpunkt in Übersee.

Landessport Nummer eins Footy

Gladovic brauchte eine neue Idee. Als er spätabends Fernsehen schaute, war er beeindruckt vom schier unendlichen Angebot, das die an Streaming-Dienste gekoppelte TV-Landschaft bot. Nur eines fehlte ihm im Sammelsurium der rennenden und werfenden Männer auf seinem Screen. Der Nummer-eins-Sport seiner Heimat: Australian Football, kurz Footy genannt.

Er konnte es nicht fassen, kein Mensch in den USA kannte Footy oder hatte je davon gehört. Genauso ist es in Europa. Die wenigsten werden jemals von Australian Football gehört haben. Dabei ist er in Down Under noch vor Rugby der beliebteste Sport, der nach American Football und Fußball weltweit die meisten Zuschauer anlockt. Über 33.500 kommen im Schnitt, in der englischen Premier League besuchten in der vergangenen Saison nur rund 1000 Zuschauer mehr die Stadien.

Es ist ein Phänomen: In Australien sind die Stars Helden der Kinder, verdienen umgerechnet deutlich über eine Millionen Euro. Bei den Top-Spielen sitzen die Australier geschlossen vor den Fernsehern, Politiker posten auf ihren Twitter-Accounts Bilder mit dem Fan-Schal ihres Teams und die großen Zeitungen drucken die Berichte prominenter als die Champions League oder die Rugby-Nationalmannschaft - und trotzdem erntete man hierzulande fragende Blicke, wenn man Footy erwähnt, selbst bei Sportexperten.

"Ich will Widerstände brechen"

Damals auf der Couch machte es "klick" bei Gladovic. Er erinnerte sich an seine Beraterzeit und seine Arbeit mit Bayer Leverkusen. Just zu dieser Zeit war Bayer einer der ersten europäischen Vereine, die den brasilianischen Markt erschlossen. Es kamen Spieler wie Lucio, Emerson und Ze Roberto - und ganz Europa folgte wie im Goldrausch und entsandte Heerscharen an Scouts nach Südamerika.

Warum also nicht Football-Spieler nach Australien bringen und so einerseits den Ausgemusterten eine neue Chance bieten und gleichzeitig Footy Schritt für Schritt in den USA etablieren? Aus einer gewagten Idee entstand schnell eine Vision, die Gladovic packte, fesselte, elektrisierte. "Bin ich besessen von meiner Idee? Absolut. Ich will Widerstände brechen", sagte er.

Seite 1: Gladovic' Werdegang und die Faszination Footy

Seite 2: Die Umsetzung des Traums und die ersten Rückschläge

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