Olympia

Geld oder Liebe?

Der Wirbel um Danijel Saric und die Nationalmannschaft Katars sorgt auch in Rio für Diskussionen

Das DHB-Team bekommt es bei den Olympischen Spielen in Rio im Viertelfinale mit Katar zu tun (18.30 Uhr im LIVETICKER). Die Weltauswahl aus dem Emirat sorgt erneut für Gesprächsstoff. Doch dass sich unter dem amtierenden IHF-Präsidenten Hassan Moustafa noch etwas ändert, ist unwahrscheinlich.

Fünf Männer vom Balkan, ein Kubaner, ein Spanier, ein Franzose, drei Syrer und drei Einheimische bilden die Nationalmannschaft Katars. Was schon bei der absurden Weltmeisterschaft 2015 im Emirat am Persischen Golf für Wirbel sorgte, erzeugt auch in Rio Missstimmung.

Damals hatten es die Kataris mit der Unterstützung von unzähligen zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen doch tatsächlich ins Finale geschafft, wo der Sieg der Franzosen die Handball-Szene weltweit aufatmen ließ.

"Sie spielen für Geld"

"Die Handball-Fans freuen sich, wenn Katar besiegt wird. Wir spielen bei Olympia wegen der Liebe zum Spiel, sie spielen für Geld", sagt Valentin Porte. Was der französische Nationalspieler meint: Die Spieler werden mit Zahlungen von angeblich bis zu über einer Million Euro zum Wechsel der Staatsbürgerschaft bewegt.

Diejenigen, die bereits Vizeweltmeister mit dem Team wurden und in Besitz einer vollwertigen Staatsbürgerschaft sind, haben aufgrund der horrenden Prämien laut übereinstimmenden Medienberichten bereits ausgesorgt.

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Danijel Saric gehört dazu. Der frühere Star-Torhüter des FC Barcelona ist in Bosnien-Herzegowina geboren und spielte bereits für die Nationalteams von Bosnien, Serbien und nun eben Katar. Mittlerweile läuft er auch auf Vereinsebene im Wüstenstaat auf.

"Niemand denkt über das Thema Einbürgerung nach. Das machen nur Journalisten. Wir wollen Handball spielen, sonst nichts", sagt der 39-Jährige, wenn er auf sein Engagement in der Wüste angesprochen wird: "Was hast Du in Europa, was es in Katar nicht gibt? Dort scheint immer die Sonne."

Eine merkwürdige Regelung

Dass es im Handball überhaupt möglich ist, die Nationalmannschaft fast so leicht wie den Klub zu wechseln, hat die Sportart einer merkwürdigen Regel zu verdanken. Spielt ein Spieler drei Jahre lang nicht für sein Nationalteam, dann kann er für eine andere Auswahl auflaufen.

Die meisten Menschen, die sich im Handball auskennen, schieben dafür dem Präsidenten des Weltverbandes IHF, Hassan Moustafa, die Schuld in die Schuhe. Solange der Ägypter im Amt ist, so die einhellige Meinung, wird sich an dieser Regelung nichts ändern.

"Er ist ein Despot, der die Brotkrümel an die kleineren Länder verteilt. Von 200 Mitgliedsstaaten spielt ungefähr die Hälfte davon im Prinzip gar kein Handball", sagte der frühere Schiedsrichter Christer Ahl vor einiger Zeit dem Telegraph: "Er hat eine Situation geschaffen, in der viele kleine Länder in der IHF dabei sind, die ihm dafür sehr dankbar sind."

Siege gegen Kroatien und Argentinien

Katar gehört zu den Nationen, die davon profitieren. Bei ihrer Heim-WM im Januar des vergangenen Jahres waren sie die erste nicht aus Europa stammende Mannschaft seit Turnierstart 1938, die eine Medaille gewann.

Auch in Rio spielen die Kataris nach Siegen gegen Kroatien und Argentinien, einem Remis gegen Tunesien und zwei Niederlagen gegen Frankreich und Dänemark in der Runde der letzten Acht und damit um die Vergabe der Medaillen mit.

Wie im Viertelfinale bei der WM in Katar heißt auch dieses Mal der Gegner Deutschland. Damals setzte sich die Truppe des spanischen Trainer Valero Rivera mit 26:24 durch. "Wir haben gezeigt, dass wir in einer guten Verfassung sind, stark und mit Herz. Das ist das Wichtigste", sagte Saric über die bisherigen Auftritte an der Copacabana.

Markovic und Capote überragen

Wichtigste Akteure der Kataris waren neben Saric die beiden ausgesprochen austrainierten Rückraumschützen Zarko Markovic und Rafael Capote. Mit ihrer Treffsicherheit steht und fällt das katarische Spiel.

Der gebürtige Kubaner Capote traf in den fünf Vorrundenspielen 31-mal, der Montenegriner Markovic, der zwischen 2012 und 2014 für Göppingen und Hamburg zwei Jahre in der HBL spielte, netzte 29-mal ein. Das Duo erzielte beinahe die Hälfte aller 122 Treffer ihres Teams.

Deutschland ist gewarnt. DHB-Vizepräsident Bob Hanning nannte die Kataris eine "Weltauswahl mit europäischem Einschlag". Sie seien keine Nationalmannschaft, das deutsche Team habe vor dem körperlich extrem kompakten Gegner Respekt.

Allerdings stellt Hanning ebenfalls klar: "Unser Anspruch als Gruppensieger ist es, das Halbfinale zu erreichen."

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