Olympia

Ein bisschen wie 2004

Boogie Cousins, Kevin Durant und Klay Thompson hatten sich Rio etwas einfacher vorgestellt

Die Vorrunde des Basketball-Turniers in Rio hat vor allem eines gezeigt: Unschlagbar ist Team USA nicht. Nun bekommen sie es im Viertelfinale mit einer ganz speziellen Herausforderung namens Argentinien zu tun. Außerdem: Boomers-Boom in Australien, das ewige Duell zwischen Spanien und Frankreich und Milos Teodosic, der König.

Von wegen totale Dominanz: Räumen wir zuallererst das wichtigste Thema aus dem Weg. Obwohl Team USA in der Vorrunde kein Spiel verloren hat, kann man keineswegs von einem Spaziergang sprechen und dominant waren die Vorstellungen nicht, insbesondere bei den 3-Punkt-Siegen gegen Serbien und Frankreich ohne Tony Parker. Am richtigen Tag kann das richtige Team diese Amerikaner schlagen, so viel ist sicher.

Woran das liegt? Nun, einerseits fehlen Team USA natürlich einige Hochkaräter (LeBron James, Stephen Curry...), aber wenn wir ehrlich sind, ist das keine Entschuldigung. "Das ist immer noch ein Team voller All-Stars" merkte Rudy Gobert an und hatte damit vollkommen Recht. In Sachen Talent kann kein Team im Feld den Amis ansatzweise das Wasser reichen, und das ist auch nichts Neues.

Gefährlich wird es indes, wenn der US-Gegner schon ewig zusammenspielt (wie etwa Spanien und Serbien), Team-Basketball zelebriert und dazu im Idealfall noch einen dominanten Innenspieler in seinen Reihen weiß. Die Defense von Team USA ist überraschend mäßig, insofern ist es kein Zufall, dass Nikola Jokic ihnen locker-leicht 25 Punkte einschenkte.

Auch offensiv zeigen die Amerikaner keinen allzu schönen Basketball. Logisch gibt es Highlights und monströse individuelle Leistungen wie die von Klay Thompson gegen Frankreich, aber von klassischem Team-Basketball kann nicht wirklich die Rede sein. Es läuft in erster Linie über Eins-gegen-Eins.

Abgesehen von Kyrie Irving fehlt ein echter Playmaker, zumal Draymond Green sein Game und sein Selbstvertrauen offenbar irgendwo auf Snapchat verloren hat. Coach K vertraut ihm derzeit kaum noch und ließ Green gegen Frankreich nur sechs Minuten ran.

Zeitweise fühlt man sich fast ein wenig an 2004 erinnert, wenn man ein ziemlich unorganisiertes und teilweise arrogant auftretendes Team USA beim Spielen beobachtet, das von der Qualität der anderen Teams überrascht war (Hallo, Paul George!). Damals sprang bekanntlich nur die Bronzemedaille raus.

Wird sich das wiederholen? Vermutlich nicht - wenn man bei Team USA heuer im richtigen Moment einschaltet, blitzt trotzdem die ganze Klasse durch, und wie erwähnt ist man immer noch ungeschlagen. Die Goldmedaille wird aber eine deutlich größere Herausforderung werden, als man es zuvor angenommen hatte.

Die USA bleiben der große Favorit, aber ein anderer Turniersieger erscheint nach der Vorrunde zumindest nicht mehr völlig unmöglich. Und wer weiß - vielleicht wiederholt sich Geschichte ja doch. 2004 kassierte man gegen Argentinien die bisher letzte Niederlage bei Olympischen Spielen, im Viertelfinale wartet nun genau der gleiche Gegner.

Boomer-Mania: Das genaue Gegenstück zu Team USA bilden bis dato die Kollegen von Down Under. Die "Stars" der Australier heißen Andrew Bogut, Patty Mills und Matthew Dellavedova - so richtig klangvoll ist das nicht. Aber umso mehr Spaß macht es, den Boomers dabei zuzusehen, wie sie ihre Gegner entnerven und teilweise sogar dominieren.

Gerade Delly und Bogut kratzten und bissen sich in beeindruckender Manier durch die Vorrunde und führten ihr Team auf den zweiten Platz in Gruppe A, um den eigentlich Frankreich und Serbien kämpfen sollten. Nur gegen die USA wurde (mit 10 Punkten) verloren und auch da war man sich im Anschluss nicht sicher, ob das beste TEAM auch wirklich gewonnen hatte.

Es ist eine interessante Vorstellung, wie die Australier in vier Jahren aussehen könnten, wenn Ben Simmons und Dante Exum Teil des Teams sind, aber das ist jetzt zweitrangig: Im Viertelfinale wartet Litauen und bis zum Finale könnte man den USA aus dem Weg gehen. Eine Medaille für die Boomers? Da würde selbst Mark Cuban nicht meckern. In der aktuellen Verfassung scheint das für Australien durchaus realistisch. Das Duell gegen Litauen wird richtig Spaß machen.

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