Olympia

"Geht an keinem spurlos vorbei"

SID
Henze (r.) verstarb am Montag an den Folgen seiner schweren Verletzungen
© getty

Die deutsche Olympia-Mannschaft hat am Dienstag Abschied von Kanuslalom-Trainer Stefan Henze genommen. An der Gedenkfeier im Olympischen Dorf nahm auch IOC-Präsident Thomas Bach teil.

Überall an den Wettkampfstätten in Rio de Janeiro wehten die deutschen Fahnen auf halbmast - die Goldmedaillengewinner Fabian Hambüchen, Kristina Vogel und Sebastian Brendel gedachten Henzes in der Stunde ihrer größten Erfolge.

"Das geht an keinem spurlos vorbei. Vielleicht sind wir alle ein bisschen für Stefan gefahren", sagte Brendel nach seiner Goldfahrt im Canadier-Einer auf der Lagoa Rodrigo de Freitas. "Wir dürfen die Tragik um Stefan Henze nicht vergessen. Das bringt uns zum Nachdenken", sagte Reck-Olympiasieger Hambüchen.

Trotz aller Freude über Gold für Brendel sowie Silber für Franziska Weber und Tina Dietze im Kajak-Zweier war die Stimmung im Deutschen Kanu-Verband verhalten. "Es werden keine Freudenfeste", sagte DKV-Präsident Thomas Konietzko: "Die Trauer steckt bei jedem tief drinnen. Stefan hätte aber gewollt, dass wir uns auf den Sport konzentrieren."

Organe gespendet

Henze war am Montag im Alter von nur 35 Jahren an den Folgen der schweren Verletzungen, die er bei einem Verkehrsunfall am frühen Freitagmorgen erlitten hatte, im Kreise seiner Familie gestorben. Als Organspender rettete er mehrere Menschenleben. Vier Organe, darunter das Herz, wurden erfolgreich an schwerkranke Patienten transplantiert. Dies bestätigte die Gesundheitsbehörde des Bundeslandes Rio de Janeiro dem SID.

"Herz, Leber und beide Nieren wurden erfolgreich transplantiert. Damit hat er vier Menschenleben gerettet", sagte Sprecherin Roberta Napolis dem SID. Die Familie Henzes, die nach dem Unfall nach Rio gereist war, habe die Organentnahme genehmigt.

Über die Transplantation des Herzens, die am Instituto Nacional de Cardiologia (INC) in Rio durchgeführt worden ist, hatte zuerst die Tageszeitung O Globo berichtet. "Die Familie des Deutschen hat eine Geste enormer Großzügigkeit gezeigt", zitierte O Globo den INC-Chefchirurgen Alexandre Siciliano.

"Das relativiert einfach alles"

Kanutin Weber stand mit ihrer Silbermedaille um den Hals sichtlich unter dem Eindruck der Geschehnisse der vergangenen Tage. "Die Nachricht hat uns geschockt. Das Thema ist allgegenwärtig. Wir haben trotzdem versucht, uns auf das Rennen zu konzentrieren", sagte Weber. Im Deutschen Haus in Barra lag ein Kondolenzbuch aus, Reiterin Isabell Werth, in der Dressur mit Teamgold und Einzelsilber dekoriert, sagte tief bestürzt: "Das relativiert einfach alles."

Am Dienstag übermittelte auch der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière seine Anteilnahme. "Die Nachricht über den tragischen Tod von Stefan Henze hat mich schwer erschüttert. Er hat um sein Leben gekämpft und diesen Kampf schließlich verloren", sagte der CDU-Politiker: "Nicht nur die Sportfamilie trauert. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen." Der deutschen Olympia-Familie wünschte de Maizière "viel Kraft in diesen schweren Stunden".

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