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Olympia

68 Mal Edelmetall? Alles noch im Korridor!

Franz Anton und Jan Benzien starten für Deutschland im Rio im Kanu

Segeln: 1x Silber

Neu im Programm in Rio: Nacra17-Katamarane und 49erFX-Skiffs. Wir sind keine Experten, glauben aber, dass es sich dabei um Boote handeln könnte. Alternativ auch Space Shuttles. Zehn Entscheidungen macht das Summa Summarum, sechs sind vom DOSB besetzt worden. Die besten Chancen in der Drecksbrühe vor Rio hat Vizeweltmeister Philipp Buhl im Laser. Gute Trainingsbedingungen könnten diesmal ein Nachteil sein - hoffentlich hat er im umgekippten heimischen Gartenteich oder im Klärbecken seiner Heimatstadt Sonthofen geübt, um sich auf die Verhältnisse vor Ort vorzubereiten. Erik Heil/Thomas Plößel könnte im 49er etwas reißen, vielleicht auch Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski im 470er. Auch das sind Boote. Glauben wir. Hey, auch wenn es keine Medaillen werden sollten, ist eine Sache ganz klar: Schließt bitte sämtliche Körperöffnungen, bevor ihr ins Wasser geht - so haben schon Pandemie- oder Zombiefilme angefangen ...

Synchronschwimmen:

Riesenskandal! Wie jeder weiß, muss das Wasser im Trainingsbecken einer ordentlichen Synchronschwimmerin mindestens 26 Grad warm sein und darf nur um ein Grad abweichen. Weil die russischen Ladies aber zu dominant sind - seit 2000 wurden alle Goldmedaillen in dieser Disziplin gesweept - hat man ihnen offenbar Eiswasser ins Trainingsbecken von Rio gekippt. Die armen Grazien mussten nach dem Training heißen Tee trinken und Bademäntel anziehen, um sich nicht zu verkühlen. Alles nur ein Trick, um der Sbornaja die Goldene zu klauen - zumindest, wenn man die Russen selbst fragt. Vertraut uns: Das wird trotzdem nicht helfen, auch wenn die Chinesinnen aufgeholt haben. Deutsche Damen sind nicht am Start, und Herren der Schöpfung auch nicht. Denn während die bei Weltmeisterschaften schon mittun dürfen, ist Olympia immer noch in weiblicher Hand. Was dem US-Synchronschwimmer Bill May überhaupt nicht passt: "Ich würde es lieben, bei Olympia teilzunehmen. Sobald sie den Wettbewerb für Männer öffnen, werde ich da sein." Na dann!

Taekwondo: 1x Silber

Acht Wettbewerbe mit insgesamt 32 Medaillen (jeweils zweimal Bronze) werden ausgefochten, und da erweist sich Deutschlands Multi-Kulti-Kultur wieder einmal als Vorteil: Mit Levent Tuncat (58 kg), Tahir Gülec (80 kg) und seiner Schwester Rabia Gülec (67 kg) haben unsere drei Kämpfer allesamt türkische Wurzeln. Und gute Medaillenchancen noch dazu! Tuncat ist dreifacher Europameister, Tahir Gülec sogar Ex-Weltmeister. Mindestens einer kommt durch und verbessert unser Ergebnis aus London (1x Bronze). Dabei soll es diesmal sogar ganz besonders transparent zugehen: Die World Taekwondo Federation WTF stattet in Rio nicht nur die Brustprotektoren, sondern auch den Kopfschutz mit elektronischen Sensoren aus. Außerdem wurde der Ring in ein Oktagon umgewandelt, um es den Punktrichtern leichter zu machen. Auch stark: Jeder Kämpfer kann sich eine individuelle Einlaufmusik aussuchen. Wir sind gespannt, was Steven Lopez, fünffacher Weltmeister und "König des Taekwondo", aussucht. R. Kelly vielleicht? Hauptsache, Gülec tritt ihm im Finale ein paar vor den Latz.

Tennis: 1x Gold, 1x Bronze

Rebound Ace. Kennste, Angie? Genau! Auf dem gleichen Untergrund hast du im Januar in Melbourne Serena Williams geschlagen! Die ist zwar auch in Rio dabei, aber nach ihrem Sieg in Wimbledon bist du wieder dran. Gold-Angie und damit endgültig die Nachfolgerin der Gräfin. Geil wird das! Wobei wir ja auch Annika Beck und Laura Siegemund mindestens das Viertelfinale zutrauen ...

Bei den Männern sieht es nach den Absagen von Sascha Zverev, den wir zu gern gesehen hätten, und Doppel-Ass Pille Petzschner etwas düsterer aus, aber immerhin hat Olympia Philipp Kohlschreibers Terminkalender diesmal nicht eiskalt erwischt - er ist dabei und hat einiges gutzumachen. Wir drücken die Daumen. Geht außer Kerber noch was? Da viele Doppel und auch das Mixed zwangsläufig zusammengewürfelt werden, sind Überraschungen immer möglich. Ein zweites Schüttler/Kiefer-Drama vielleicht nicht, aber ein Pärchen holt uns auch noch Bronze. Das Männerfinale dürfte mit Djokovic und Murray übrigens auch lustig werden: Andy hat ja gefühlt die letzten 12 Aussie-Open-Finals gegen Nole verloren. Läuft es diesmal besser?

Tischtennis: 2x Silber, 1x Bronze

Wie Bolle hat sich Timo gefreut, als der 35-Jährige Fahnenträger und damit Nachnachfolger von Dirk Nowitzki wurde. Vielleicht der "Höhepunkt seiner Karriere", sei das, schwärmte er. Mit so viel Good Vibrations im Rücken wäre es nur recht und billig, wenn er auch im Einzel noch einmal angreift und die Überraschung anpeilt. Machen wir uns nichts vor: Ma Long und Zhang Jike aus dem Reich der Mitte dürften unangreifbar sein, aber dahinter kann Boll jeden schlagen - und wenn er es nicht packt, dann wiederholt zumindest Dima Ovtcharov als bester Nicht-Chinese der Welt seine Bronzemedaille von London. Im Team gilt man zurecht als "best of the rest" und kann erst im Finale auf China treffen. Macht nach Adam Riese Silber! Was gibt es bei den Damen zu holen? Drei Ladies unter den Top 20 der Rangliste, darunter Han Ying auf Platz acht - auch hier ist Edelmetall im Team realistisch. Also schwingt die Paddel, Leute! Wir haben nur eine Frage: Warum ist Rundlauf eigentlich noch nicht olympisch???

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Turnen: 2x Bronze

Hach ... die Zeiten, in denen Fabian Hambüchen der Nation liebster Milchbubi war, der mit Nerd-Brille und unfassbarem Latissimus Dorsi am Reck verzückte, sind wohl vorbei. Mittlerweile ist aus Fabi der 28 Jahre alte Herr Hambüchen geworden, der aufgrund einer lädierten Schulter nur in letzer Sekunde überhaupt grünes Licht geben konnte. Dementsprechend sind "wunderbare Momente" wichtiger als eine Medaille - aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. Er und Kollege Andreas Bretschneider, ebenfalls am Reck, sind in den Einzeldisziplinen die einzigen Hoffnungsträger, im Team könnten aber sowohl Herren als auch Frauen bei einem guten Finaltag für Aufsehen sorgen. Zu gucken gibt es in der Rio Olympic Arena sowieso immer etwas. Japans Supermann Kohei Uchimura zum Beispiel, der im Mehrkampf nur geschlagen werden kann, wenn die Konkurrenz strategisch ein paar Pokemon platziert. Oder Epke Zonderland, der am Reck kreiselt wie andere sonst nur auf dem Pauschenpferd. Bei den Damen stehen die US-Girls wie immer im Mittelpunkt. Simone Biles, dreifache Weltmeisterin, wird nicht zu Unrecht schon als vielleicht beste Turnerin aller Zeiten gehandelt. Und mit Russland wurde auch die Konkurrenz nach Rio durchgewunken. Dem Showdown steht also nichts im Wege.

Trampolin:

Nur Fliegen ist schöner! Leonie Adam vom MTV Stuttgart ist die einzige deutsche Starterin in dieser Disziplin. "Ich sehe das realistisch, das Finale werde ich nicht erreichen", so die 23-Jährige. Soviel Realismus ist uns zwar eigentlich fremd, aber selbst wir liebäugeln hier nicht mit Edelmetall. Genieß einfach die Zeit, Leonie. Gold machen derweil andere unter sich aus. Zum Beispiel der Chinese Dong Dong oder die kanadische Titelverteidigerin und Dreifach-Salto-Spezialistin Rosannagh MacLennon. Zehn Sprünge pro Übung, die in der Summe einen steifen Nacken beim Publikum und Schleudertrauma bei den Athleten bewirken müssten. Bauchlandungen sind übrigens ausdrücklich erlaubt.

Triathlon:

"Die olympische Distanz und die Ironman-Distanz sind vergleichbar mit einem Marathon und einem 5-km-Lauf auf der Bahn. Da ist der Zug für mich abgefahren, das ist dann schon zu spezifisch." So drückte sich Jan Frodeno unlängst aus, frischgebackener Weltrekordhalter über die Langdistanz. Schon ein blöder Mist, irgendwie: Gefühlt siegen wir jedes zweite Jahr beim Ironman auf Hawaii, aber in Rio sind wir wohl letztlich ohne Medaillenchancen, weil 1,5 Kilometer Schwimmen in der Brühe, gefolgt von 40 km Radfahren und 10 km Laufen zu kurz für uns sind. Oder anders ausgedrückt: Wir sind zu gut! Höchstens Anne Haug kann bei den Damen um das Podest mitkämpfen, vier Startplätze hat der DOSB erst gar nicht besetzt. Wird am Ende wohl auf Gold für den Spanier Mario Mola und die Amerikanerin Gwen Jorgensen hinauslaufen. Und wir freuen uns derweil schon auf Hawaii am 8. Oktober.

Volleyball:

Am Spielermaterial liegt es nicht, verdienen doch etliche deutsche Schmetterlinge ihr Geld in Italien, Polen oder Osteuropa - und Friedrichshafen. Umso bitterer: Beide Hallenteams haben die Quali für Rio in den Sand gesetzt. Das liegt allerdings auch an einer beknackten Kontinentalquote des FIVB: So mussten sich die Männer in der Quali mit Russland (Titelverteidiger), Polen (Weltmeister) und Frankreich (Europameister) messen. Mexiko ist im Gegensatz dazu nach "Gigantenduellen" gegen Chile und Tunesien dabei. Pfui. Die Favoriten sind damit genannt, bei den Damen spielen auch die Gastgeberinnen um Gold mit. Übrigens: Wer dennoch schwarz-rot-gold anfeuern will, sollte sein Glück beim Sitzvolleyball versuchen. In London haben unsere Paralympics-Asse sensationell eine Medaille gewonnen.

Wasserball:

Die deutschen Damen waren noch nie bei Olympia dabei. Und der "Wasserball-Gott war auch kein Deutscher", konstatierte Ex-Bundestrainer Hagen Stamm nach dem extrem bitteren 7:8 der Männer im Quali-Turnier in Triest gegen den neunfachen Olympia-Champion Ungarn. Damit schaut man zum zweiten Mal in Folge zu. Bei den Herren wird wohl Weltmeister Serbien kaum zu schlagen sein, Titelverteidiger USA ist bei den Damen großer Favorit.

Wasserspringen: 2x Bronze

Auf dem europäischen Kontinent kann Patrick Hausding niemand das Wasser reichen. Besser machen es international aber meistens immer noch die dominanten Chinesen. Zwar konnten Hausding und Synchronpartner Sascha Klein bei der WM 2013 sensationell Gold holen, doch die Vorbereitung lief nicht rund. Keine Medaille bei der WM 2015, keine Medaille bei der EM im Mai. Dazu sind die beiden Leistungsträger angeschlagen, Cortison muss es richten - Spritzen, damit es später nicht mehr so spritzt. "Es gibt so Tage, da wachen wir auf und fragen uns gegenseitig: Na, fühlst du dich heute auch wie 60? Nee, eher wie 70", so Hausding beim SID. Punktgenau muss da das Training gesteuert werden, denn kampflos wollen sie sich nicht geschlagen geben. Ihre große Erfahrung könnte im Maria Lenk Aquatics Centre den Ausschlag geben. Sowohl als Duett als auch in den jeweiligen Einzeln ist eine Medaille drin.

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