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Olympia

Medaillencheck zu den Olympischen Spielen in Tokio: Im Sitzen sind wir Weltklasse

Der Ruder-Achter, Malaika Mihambo und Florian Wellbrock gehören zu den deutschen Gold-Hoffnungen in Tokio.

Handball (2 Entscheidungen): 1x Bronze

Hätten Sie's gewusst? 1936 wurde Handball erstmals bei den Spielen ausgetragen - und zwar auf Rasen. Irgendwie setzte sich der Sport in dieser Form nicht durch. Komisch. 1972 ging es dann unters Hallendach - und seitdem ist Handball unter den fünf Ringen einfach geil. Man denke nur an 2004 in Griechenland, als die deutsche Truppe um Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Pascal Hens im Finale den Kroaten hauchdünn unterlag.

Schon vor Jahren erklärte DHB-Vize Bob Hanning Gold in Tokio zum großen Ziel, nach der verkorksten WM 2021 wäre Wiedergutmachung auch gar nicht so verkehrt. Das Problem: Die Vorrundengruppe mit Spanien, Frankreich und Norwegen hat es in sich. Übersteht man diese, könnten Weltmeister Dänemark warten. Es braucht ein bisschen Glück und eiserne Nerven in den letzten Minuten, aber dann geht was bei Andreas Wolff, Uwe Gensheimer und Co.

Die deutschen Damen warten leider seit 2008 auf eine Olympia-Teilnahme. Kopf hoch - wir sehen uns in drei Jahren in Paris!

Hockey (2 Entscheidungen): 1x Gold, 1x Bronze

Beide deutschen Mannschaften sind wie schon in Rio mit von der Partie, vor fünf Jahren kamen Männlein und Weiblein jeweils ins Halbfinale und gewannen beide immerhin Bronze. Auch heuer können beide Teams durchaus in der Weltspitze mithalten und verloren zuletzt jeweils das EM-Finale gegen die favorisierten Oranje-Gegner.

Dieser Trend wird sich in Tokio aber umkehren, so optimistisch sind wir einfach mal. "Wir haben gemerkt, das Team ist bereits so weit, um Turniere zu gewinnen", weiß auch Herren-Bundestrainer Kais al Saadi. Es hängt eigentlich nur an der Chancenverwertung. Also fleißig Strafecken einstudieren und dann an den Finaltagen am 5. und 6. August in den Winkeln einschweißen - eigentlich ganz einfach.

Judo (15 Entscheidungen): 1x Gold, 1x Silber, 1x Bronze

Auch im Judo wird jetzt neben jeweils sieben Gewichtsklassen gemixt - allerdings nicht auf der Matte, sondern im Team. Hier ist der Deutsche Judo-Bund nicht vertreten, ebenso wie in der Frauenklasse bis 52 kg. Bei den restlichen 13 Gewichtsklassen der Am-Bademantel-ziehen-und-irgendwann-Bein-stellen-Wettbewerbe sind wir aber am Start (Google spuckt bei "Judo Bademantel" übrigens 670.000 Ergebnisse aus, nur mal so).

Einmal Bronze sprang 2016 heraus, diesmal wird es deutlich erfolgreicher. "Mein Ziel ist die Mission Gold", sagt Anna-Maria Wagner, Weltmeisterin 2021 in der Klasse bis 78 kg. Sie wird die neue Yvonne Bönisch, die 2004 in Athen sensationell Gold holte. Auch dahinter gibt es Chancen auf Edelmetall, etwa bei der WM-Dritten Theresa Stoll.

PS: 2016 haben wir Teddy Riner als Pflichtprogramm angegeben - und natürlich gewann der Koloss aus Frankreich am Ende Gold im Schwergewicht. Diesmal könnte es seine Abschiedsveranstaltung werden: Nach einer Niederlage 2020 - seiner ersten nach zehn Jahren Dominanz - ist er motivierter denn je. Und schwerer: Bis zu 150 kg bringt er auf die Waage. Na dann gut Ippon!

Kanu (16 Entscheidungen): 5x Gold, 2x Silber, 2x Bronze

Kanu, Reiten, Rudern, Bahnrad ... Deutschland ist vielleicht keine Olympia-Großmacht mehr, aber in allen Sportarten, die man im Sitzen ausüben darf, fließen die Medaillenströme immer noch. Danke, Netflix!

Anno 2016 waren unsere Kanuten mit sieben Medaillen - viermal Gold - Edelmetall-Lieferant Nummer eins. Das muss so bleiben. Sebastian Brendel könnte im Einer und Zweier gleich zweimal triumphieren. Dazu der Kajak-Vierer, die Oldie-Youngster-Paarung mit Max Hoff (38) und Jacob Schopf (21), und so weiter: Die Form des deutschen Aufgebots war 2021 so gut, dass die Bilanz von 2016 sogar noch getoppt werden kann. Zumal das Wasser diesmal deutlich genießbarer sein sollte als die Drecksplörre von Rio.

Ja, fünf Goldmedaillen klingen vermessen, sind aber im Bereich des Möglichen. Im Kanu-Slalom haben wir mit Sideris Tasiadis und Andrea Herzog schließlich weitere Medaillenkandidaten am Start (Uns plagt jetzt schon das schlechte Gewissen, weil Kanu-Slalom ein so geiler Sport ist, aber nach Tokio wieder ein jahrelanges Schattendasein fristen wird ...).

PS: Im Kanadier wird kniend mit einem Stechpaddel geschuftet, im Kajak sitzend mit dem Doppelpaddel. Hätten wir das auch geklärt.

Karate (8 Entscheidungen): 1x Gold

Der Kampfsport ist neu dabei und gibt vorerst ein einmaliges Gastspiel: Im Kata (Kampfdemonstration ohne Gegner) und Kumite (Eins-gegen-eins über drei Minuten) werden die Medaillen vergeben, was vor allem Gastgeber Japan freuen dürfte. Und uns, schließlich gehört zu den vier DKV-Teilnehmern auch Kumite-Welt- und Europameister Jonathan Horne aus Frankfurt. "Ich liebe es und lebe es. Dementsprechend verhalte ich mich. Der Weg ist entscheidend. Wie du ihn bestreitest", sagt er. Wahrscheinlich geklaut aus alten Van-Damme-Filmen, das Zitat. Egal, wir gönnen ihm trotzdem die Goldene! Und warten darauf, dass Drunken Boxing endlich auch olympisch wird.

Leichtathletik (48 Entscheidungen): 1x Gold, 1x Silber, 1x Bronze

Astrid Kumbernuss. Lars Riedel. Christina Obergföll. Robert Harting. Im Wegwerfen diverser geometrischer Formen war der DLV über Jahrzehnte eine Bank und sorgte für Gänsehaut an den Fernsehschirmen. Mittlerweile müssen wir den Gürtel deutlich enger schnallen: 2016 holten immerhin Christoph Harting mit dem Diskus und Thomas Röhler mit dem Speer Gold, diesmal konzentrieren sich unsere Hoffnungen angesichts der Verletzungen von Röhler und Kugel-Ass David Storl auf Dominator Johannes Vetter. Der hat die 90 Meter mit dem Speer quasi im Schlaf drin und ist absoluter Favorit auf die Goldene. Mach es wie Obelix, Johannes!

Direkt hinter Vetter reiht sich Weitspringerin Malaika Mihambo ein. Auch sie kann absolut über sieben Meter und zu Gold springen, wartet nach eigener Aussage aber noch auf den perfekten Sprung in dieser Saison und hat die richtig großen Weiten zuletzt nicht geknackt. Wir sind optimistisch: Die Weltmeisterin hat sich den perfekten Sprung eben für Tokio aufgespart.

Danach wird es trotz 90 deutscher Athletinnen und Athleten schon etwas dünn mit den Medaillen-Hoffnungen. Kommt Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul rechtzeitig in Form? Was ist mit den Läuferinnen Gesa Felicitas Krause und Konstanze Klosterhalfen?

Wir drücken die Daumen - und schielen mit einem Auge auf die übrigen Wettbewerbe, die jede Menge Spannung versprechen. Auf der Tartan-Bahn ist die Ära Usain Bolt beendet, wer kann in seine Fußstapfen sprinten? Allyson Felix (schon 6x Gold, 3x Silber) strickt derweil weiter an ihrer eigenen Legende, und dann gibt es da ja auch noch Stabhochspringer Armand Duplantis, der mit Sicherheit einen Weltrekord geplant hat.

Ein Pflichttermin ist die erstmals ausgetragene 4x400-Meter-Staffel im Mixed, die jede Menge Spannung und kuriose Bilder verspricht. Und für alle, die es etwas langsamer mögen: Das 50-Kilometer-Gehen der Männer ist vorerst zum letzten Mal im Programm. Rien ne va plus sozusagen, hehe.

Moderner Fünfkampf (2 Entscheidungen): 1x Gold, 1x Bronze

Angesichts der Tatsache, dass der "Moderne Fünfkampf" mittlerweile 109 Jahre auf dem Buckel hat, sollte man vielleicht über eine Namensänderung nachdenken. Oder über neue Disziplinen. Zwar wird seit 2012 das Laufen und Schießen kombiniert - weswegen man jetzt vier Wettkämpfe in einem Fünfkampf absolviert, was ja mal so richtig bescheuert ist -, aber da geht mit Sicherheit noch mehr. Wie wäre es mit Whatsapp-Schreiben kombiniert mit einem Straßenlaternen-Slalom? Oder auch irgendwas mit TikTok. Junges Publikum anlocken und so.

So oder so ist der DVMF mit vier Startern vertreten, die eigentlich alle zum mindestens erweiterten Favoritenkreis gehören. Warum sollen da nicht zwei durchkommen? So richtig klar ist die Favoritenlage in Tokio nicht, das kann auch Kräfte freisetzen. Wir tippen mal auf die Rio-Vierte Annika Schleu und den WM-Fünften Fabian Liebig.

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