Olympia

US-Athleten machen Druck: Protest bei Olympia soll möglich werden

SID
Die Olympischen Spiele in Tokio wurden von 2020 auf 2021 verschoben.

Wieviel politischer Protest ist bei Olympia möglich? US-Athleten überprüfen die Regel 50 der Charta, das IOC reagiert und schließt politische Auftritte bei den Spielen nicht mehr aus.

Ein Kniefall auf dem Rasen des Olympiastadions oder die geballte Faust auf dem Siegertreppchen? Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will überraschend politische Proteste bei seinen Olympischen Spielen nicht mehr definitiv ausschließen. Der Druck aus den Kreisen der Athleten ist offenbar zu groß geworden.

Wie IOC-Präsident Thomas Bach am Mittwoch erklärte, sollen die Mitglieder der IOC-Athletenkommission mit weiteren Athleten darüber diskutieren, wie mögliche Bekundungen bei Olympischen Spielen aussehen könnten.

Bach betonte aber auch, dass es sich dabei nur um Inhalte und Werte handeln dürfe, die bereits jetzt schon fest zur Olympischen Bewegung gehörten und in der Olympischen Charta verankert seien. Das könnte zum Beispiel die Ablehnung jeglicher Form von Diskriminierung oder Rassismus sein.

"Die IOC-Exekutive unterstützt die Bemühungen der Athleten, herauszufinden, wie olympische Sportler ihre Unterstützung für die Prinzipien der Olympischen Charta ausdrücken können", sagte Bach. Welche Aktionen genau zugelassen werden könnten, wollte Bach nicht kommentieren. "Da will ich den Gesprächen der Kommission nicht vorgreifen", erklärte der IOC-Präsident.

Druck von Athleten angewachsen

Der Druck gerade von den Athleten in den USA war zuletzt enorm angewachsen. Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd und den folgenden Protestaktionen gegen Rassismus und Polizeigewalt hatten die US-Athleten gefordert, ihre politische Haltung auch bei Großevents dokumentieren zu dürfen. Das Nationale Olympische Komitee USOPC reagierte und kündigte an, die herrschenden Regeln zu hinterfragen.

"Heute gründe ich eine von Athleten geleitete Gruppe, um die Regeln und Systeme unserer eigenen Organisation infrage zu stellen, einschließlich ihres Rechts auf Protest", schrieb USOPC-Generaldirektorin Sarah Hirshland in einem Brief an die Athleten. "Der Schmerz", den die schwarze Gemeinschaft in den letzten Wochen empfinden musste, sei "inakzeptabel", sagte Hirshland.

Allerdings verstoßen politische Äußerungen gegen die Charta der Olympischen Spiele. In der Regel 50 ist festgelegt, dass jegliche "politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda" bei den Spielen nicht gestattet sind.

Hörmann zeigt Verständnis für US-Initiative

DOSB-Präsident Hörmann hatte Verständnis für die US-Initiative gezeigt, forderte aber eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema. "In der aktuellen Diskussion muss man sehr präzise trennen zwischen politischen Statements und der Unterstützung von grundsätzlichen Zielen wie der Einhaltung der Menschenrechte, die sogar in Verbandssatzungen oder auch der Olympischen Charta konkret benannt sind", teilte Hörmann dem SID mit.

Wenn Sportler für die dort aufgeführten Werte offen und deutlich eintreten, sei das völlig anders zu bewerten, als wenn die Bühne des Sports zur Aussendung politischer Botschaften jedweder Art genutzt und teilweise auch missbraucht werde, so Hörmann. Für beide Fälle bräuchte es jedoch klare Regeln.

Der Verein Athleten Deutschland e.V. hatte das Vorhaben des USOPC begrüßt, das Verbot politischer Proteste zu prüfen. "Die Einschränkung der Meinungsfreiheit im Sport kann nur toleriert werden, wenn Athleten und Verbände gemeinsam Grenzen definieren", hieß es.

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