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Olympia

Viel Arbeit für den neuen Boss

SID
Das Internationale Olympische Komitee steht vor großen Herausforderungen
© getty

Sotschi 2014, neue Konkurrenz, das Olympia-Programm, Bewerber-Knappheit, Doping und sonstiger Betrug - der neue IOC-Präsident steht vor großen Herausforderungen.

In einem Punkt kann der neue IOC-Präsident ganz beruhigt sein: Die Kasse ist prall gefüllt. In den vergangenen elf Jahren haben sich die Rücklagen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf 901 Millionen Dollar (684 Millionen Euro) verneunfacht. Sogar einen Ausfall Olympischer Spiele, Ursprung aller Reichtümer, könnte der Ringeorden verkraften, sagte der scheidende Präsident Jacques Rogge.

Doch diese Gefahr ist abstrakt. Der neue IOC-Boss, der am Dienstag gewählt wurde, steht vor anderen, greifbareren Herausforderungen. Sotschi 2014, neue Konkurrenz, das Programm, Bewerber-Knappheit, Doping und sonstiger Betrug sind nur einige davon.

Rogges größtes Fiasko: Peking 2008

Rogges größtes Fiasko waren die Sommerspiele in Peking 2008, als der Belgier Internetzensur und Missbrauch des weltgrößten Sportereignisses durch die chinesischen Gastgeber hinnehmen musste. Und was für Rogge Peking war, könnte für den Neuen Sotschi werden.

Mögliche Proteste gegen das umstrittene Anti-Homosexuellen-Gesetz und damit verbundene Auswirkungen auf die Geberlaune der Sponsoren machten die IOC-Mitglieder schon in Buenos Aires als großes Risiko aus. "Das könnte viel kaputt machen", sagte der bald aus seinem Amt scheidende IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg. Die russischen Organisatoren versichern seit Tagen, Wladimir Putins "Gesetz gegen homosexuelle Propaganda" würde die Spiele "nicht beeinflussen" - eine durchaus gewagte Prognose.

Dopingprobleme allgegenwärtig

Das Dopingproblem ist nach wie vor allgegenwärtig, auch wenn das IOC gerne auf Fortschritte verweist. Eine Dopingstudie der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, derzufolge 29 Prozent der Teilnehmer an der Leichtathletik-WM 2011 in einer anonymen Umfrage zugegeben haben, im Vorfeld gedopt zu haben, ist noch immer nicht offiziell bestätigt. Die New York Times hatte davon berichtet. Die Zahlen decken sich mit dem, was Experten seit Jahren annehmen. Der Sport, so viel ist klar, ist meilenweit davon entfernt, ein sauberes Geschäft zu sein.

Ebenfalls Sorgen bereiten dem IOC Wettskandale und Manipulationsversuche, die es zwar nicht so heftig wie "König Fußball" treffen, aber dennoch eine ernsthafte finanzielle Bedrohung darstellen. "Es muss weiter sorgfältig geprüft werden, ob und wenn ja welche weitergehenden staatlichen und gesetzgeberischen Maßnahmen im Kampf gegen Wettbetrug und Korruption benötigt werden", sagt Präsidentschaftskandidat Thomas Bach: "Dabei müssen die zu ergreifenden Maßnahmen international koordiniert werden."

Angriff aufs Olympia-Image

Zudem war dem IOC zuletzt ein vorlauter Funktionär ein Dorn im Auge, der noch viel Ärger machen könnte. Marius Vizer (Österreich), neuer Boss der Vereinigung der internationalen Sportverbände (SportAccord), kündigte Ende Mai für 2017 mal eben Weltmeisterschaften mit allen 91 olympischen und nichtolympischen Sportarten an, die im Ringe-Rhythmus von vier Jahren stattfinden sollen - ein unverfrorener Vorstoß, den sogar der sonst so vorsichtige Bach verhältnismäßig deutlich kommentierte: "Das IOC wird nicht zulassen, dass das Image der Olympischen Spiele beeinträchtigt wird."

Doch während Vizer sich aus 91 Sportarten nach Gusto ein medienwirksames Spektakel basteln könnte, ist das olympische Programm seit der Session in Buenos Aires bis 2020 festgezurrt. Neu ab 2016 sind zwei Sportarten, die die (nicht sporttreibende) Jugend der Welt wohl nicht gerade im Handumdrehen hinter der Play Station hervorlocken werden: Golf und 7er-Rugby.

Massenproteste gegen Großveranstaltungen

Und wer soll in Zukunft Olympische Spiele ausrichten? Immer mehr Widerstand regt sich vor Ort gegen die Spiele. Die Massenproteste in Brasilien während des Confed-Cups im Mai richteten sich nicht nur gegen die WM 2014, sondern auch gegen die Olympia 2016 in Rio de Janeiro und die horrenden Begleitkosten.

Man könnte annehmen, Olympia habe ein Imageproblem.

Zumindest für die Winterspiele 2022 gilt dies noch nicht. Denn München muss sich bei einer erneuten Bewerbung auf einen starken Konkurrenten einrichten. Die Bevölkerung der norwegischen Haupstadt Oslo hat mehrheitlich Ja zu einer Bewerbung gesagt. Die Zustimmung in Japan für Tokio 2020 soll ebenfalls groß sein, dafür gibt es dort ein anderes Problem, das nicht nur den neuen IOC-Präsidenten beschäftigen wird: eine strahlende Atomruine nur gut 200 Kilometer vom Olympischen Dorf entfernt.

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