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Olympia

Kein Pardon für Thanou

SID
Olympia, Peking, Thanou
© DPA

Peking - Mit dem Olympia-Ausschluss von Ekaterina Thanou hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein starkes moralisches Zeichen gegen Betrug im Sport gesetzt.

"Die Entscheidung ist das Resultat einer skandalösen Geschichte. Sie hat die olympische Bewegung in Misskredit gebracht", erklärte IOC-Sprecherin Giselle Davies in Peking.

Damit ist zumindest in China ein Schlusspunkt in dieser Affäre gesetzt, da die griechische Sprinterin auf eine Anrufung des Ad-hoc-Tribunals des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) verzichtet. Dies teilte ihr Rechtsanwalt Nikos Kollias mit. Seine Mandantin werde aber versuchen, vor einem Zivilgericht Schadensersatz vom IOC einzuklagen.

Unfall vorgetäuscht

Vor vier Jahren hatten sich die heute 33-jährige Thanou und ihr Landsmann Kostas Kenteris unmittelbar vor der Olympia-Eröffnung einem Doping-Test unter IOC-Hoheit entzogen und einen Motorradunfall vorgetäuscht. Beide gaben daraufhin ihre Olympia-Akkreditierung zurück und entzogen sich damit einer möglichen Sanktionierung durch das IOC.

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Deshalb hatte sich das IOC vorbehalten, vor einer erneuten Zulassung von Thanou, die sich in Griechenland über 100 Meter für Peking qualifizierte, ein Disziplinarverfahren zu eröffnen. Ungeachtet der vom Leichtathletik-Weltverband (IAAF) verhängten und von ihr verbüßten zweijährigen Sperre.

Bei der Entscheidungsfindung durch das IOC ist nicht nur Thanous Verhalten bei den Athen-Spielen berücksichtigt worden, sondern auch die weiteren Fakten und Entwicklungen des Falles. Dazu gehören auch der für Februar 2009 terminierte Meineids-Prozess in Griechenland wegen der Vortäuschung des Motorradunfalls und das Benehmen von Thanous Anwalt.

"Der Ton und die Drohungen ihres Rechtsbeistandes offenbarten ein Verhalten, das völlig unvereinbar ist mit dem olympischen Geist", hieß es in der mit ungewöhnlicher Schärfe formulierten Begründung der Bach-Kommission, der noch der Schweizer Denis Oswald und Sergej Bubka aus der Ukraine angehörten.

"Schaden ist sehr ernsthaft"

"Der Schaden, den Frau Thanou verursacht hat, ist sehr ernsthaft. Er beeinträchtigt nicht nur das IOC, sondern die gesamte olympische Bewegung." Ein solches Betragen rechtfertige den Ausschluss nach Paragraf 23.2.1 der olympischen Charta. "Wir haben den Fall in mehreren Sitzungen in der Exekutive sorgfältig geprüft", sagte Bach, "Wir haben Ekaterina Thanou und ihren Anwalt eingeladen, persönlich zu erscheinen, aber sie haben es vorgezogen, sich schriftlich zu äußern."

Die IAAF reagierte diplomatisch auf den IOC-Beschluss. "Wir respektieren die Entscheidung des IOC und sind nicht enttäuscht", erklärte IAAF-Sprecher Nick Davies. Ähnlich kommentierte das griechische nationale Olympische Komitee den Ausschluss seiner Athletin. "Es ist eine Entscheidung nach den Regeln des IOC", sagte NOK-Präsident Minos Kyriakos.

Wie sein Sprecher Tasos Papchristou mitteilte, hält sich Ekaterina Thanou noch in Athen auf und sollte am 13. oder 14. August in Peking eintreffen. Zugleich bestätigte er, das die Athletin in den vergangenen zwölf Tagen dreimal zu Doping-Tests gebeten wurde. "Sie ist sauber", sagte er.

Noch keine Entscheidung fällte das IOC zur Neuverteilung der in Sydney 2000 über 100 Meter gewonnenen Goldmedaille der US-Sprinterin Marion Jones, die nach ihrem Doping-Geständnis disqualifiziert worden war. "Das ist nicht der Ort und die Zeit, sich damit zu beschäftigen", erklärte Bach. Voraussichtlich wird das IOC- Exekutivkomitee erst auf seiner Sitzung im Dezember in Lausanne darüber befinden. Ekaterina Thanou war in Australien Zweite im Sprint geworden.

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