Wintersport

Biathlon: Starke Männerstaffel überstrahlt historische Frauen-Pleiten

SID
Arnd Peiffer & Co. haben in der Staffel Rang zwei belegt.
© getty

Die deutsche Männerstaffel hat den Norwegern um Superstar Johannes Thingnes Bö einen packenden Fight geliefert. Das Happy End blieb zwar aus - durch Rang zwei rückten aber immerhin die Pleiten der deutschen Frauen kurzzeitig in den Hintergrund.

Benedikt Doll mobilisierte seine letzten Kräfte, er riss den Mund ganz weit auf - aber im Duell mit dem weltbesten Biathleten blieb er am Ende chancenlos. Nach einer mitreißenden Vorstellung hat sich die deutsche Männerstaffel beim Weltcup in Hochfilzen nur den Norwegern um Superstar Johannes Thingnes Bö geschlagen geben müssen und damit kurzzeitig die historischen Pleiten der DSV-Frauen vergessen gemacht.

"Mir fehlte auf der Zielgeraden der Punch. Johannes konnte sich heransaugen und war einfach zu stark", sagte Schlussläufer Doll, der gemeinsam mit Philipp Horn, Johannes Kühn und Arnd Peiffer den ersten Staffelsieg eines deutschen Quartetts seit knapp drei Jahren nur um 2,0 Sekunden verpasste. "Wir sind trotzdem superglücklich über das tolle Ergebnis", ergänzte Doll.

Den Grundstein für den Achtungserfolg hatte Youngster Horn gelegt, der kurzerhand für den kränkelnden Erik Lesser einsprang. "Ich dachte, dass ich noch eine schöne Langlauf-Tour mache. Als ich das Auto freigekratzt habe, hat Mark (Bundestrainer Mark Kirchner, d. Red.) angerufen und gesagt: Komm nochmal kurz hoch, es gibt eine Planänderung", schilderte Horn seinen unerwarteten Einsatz.

Nach dem 25-Jährigen bestätigte Kühn seinen guten Eindruck der bisherigen Saison, dank einer fehlerfreien Leistung am Schießstand verteidigte danach auch Peiffer die deutsche Führung. "Das war gar nicht so leicht, ganz vorne zu laufen", sagte Peiffer, ergänzte aber: "Es hat natürlich Riesenspaß gemacht."

Desaströse Leistungen der deutschen Frauen

Davon konnte angesichts der desaströsen Leistungen bei den Frauen keine Rede sein. Der Weltcup unweit der deutschen Grenze brachte die unschöne Wahrheit zu Tage, binnen weniger Monate von zuverlässigen Erfolgsgaranten zu chancenlosen Mitläufern verkommen zu sein.

"Das Wochenende war überhaupt nicht meins, das waren Tage zum Vergessen. Wenn es nicht läuft, kann man auch nur schwierig entgegensteuern", sagte Verfolgungsweltmeisterin Denise Herrmann, die eigentlich die Nachfolge von Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier antreten sollte - in Hochfilzen aber zum Gesicht der unendlichen Enttäuschung wurde.

Herrmann scheiterte vor allem am Schießstand krachend, insgesamt verfehlte die 30-Jährige an drei Tagen bei 43 Schüssen 16 Mal das Ziel. Von "nicht akzeptablen Leistungen" sprach Frauentrainer Kristian Mehringer, als er ein Fazit zu den Auftritten des gesamten Teams ziehen sollte.

Sprint-Debakel sorgt für Entsetzen

Nach dem holprigen Auftakt in die Saison hatte das Sprint-Debakel am Freitag für das erste Entsetzen im Lager der erfolgsverwöhnten Skijägerinnen gesorgt. Dass keine Athletin des Deutschen Skiverbandes (DSV) unter die Top 40 lief, war ein Novum in die falsche Richtung - und machte auch die Chancen zunichte, in der Verfolgung am Sonntag zu jubeln. Dort war Vanessa Hinz nach einer Aufholjagd als Zwölfte die beste Deutsche.

Zudem fuhren Karolin Horchler, Herrmann, Hinz und Franziska Hildebrand am Samstag auch mit vereinten Kräften das schlechteste Ergebnis der Geschichte ein. "Man konnte ja meinen, dass ich erst gestern mit dem Biathlon angefangen hätte. Das hätte sogar meine Oma besser gemacht", sagte Herrmann mit Tränen in den Augen nach dem indiskutablen zwölften Rang, an dem sie mit drei Strafrunden maßgeblichen Anteil besaß.

Die tragischen Auftritte der deutschen Frauen riefen prompt diejenigen auf den Plan, die zur eigenen aktiven Zeit noch schlechte Leistungen der Teamkollegen kaschiert hatten. "Ich schicke jede Menge 'good vibes' und all die Kraft, die sie jetzt brauchen", schrieb Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier auf Facebook. Und Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner riet: "Vielleicht hilft ja einfach eine gemeinsame Adventsfeier."

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