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Wintersport

Dominanz kaschiert Wild-West-Ballerei

Von Dominik Stenzel
Die deutschen Biathletinnen dominierten in Hochfilzen nach Belieben
© getty

Die deutschen Biathletinnen fahren in Hochfilzen die Konkurrenz mit einem Mini-Wermutstropfen in Grund und Boden, die Herren dürfen sich bedanken. Opa Neureuther gehört noch immer zur Weltspitze, bei den Slalom-Damen sorgt eine slowakische Senkrechtstarterin für Aufsehen. Shiffrin verliert trotz Verletzung nicht ihren Humor und ein Eiskunstläufer ist historisch gut.

Frauen des Wochenendes: Die deutschen Biathletinnen

Es wäre unfair, eine einzelne DSV-Athletin hervorzuheben. Was die Mädels in Hochfilzen im Kollektiv ablieferten, war Wahnsinn und macht richtig Lust auf die WM in Kontiolahti. Fünf von sechs möglichen Podiumsplatzierungen in den Einzelwettbewerben sprechen eine deutliche Sprache.

Schon am Freitag ging es sensationell gut los: Franziska Hildebrand verwies Maren Hammerschmidt und Miriam Gössner auf die Plätze und sorgte für den ersten Dreifachsieg der Saison. Am Samstag in der Verfolgung überquerte Laura Dahlmeier als Erste die Ziellinie, Zweite wurde erneut Hammerschmidt. Die Tschechin Gabriela Soukalova schob sich vor Franziska Hildebrand und verhinderte so den erneuten dreifachen Triumph.

Domracheva im SPOX-Interview: "Glaube, Dahlmeier hat gute Chancen"

"Das hätte man vor ein paar Wochen selbst noch nicht so erwartet", zeigte sich sogar Bundestrainer Gerald Hönig ein wenig überrascht. Einziger Wermutstropfen: In der Staffel reichte es hinter Italien "nur" zu Rang zwei (0,2 Sekunden Rückstand). Das nennt man dann wohl Jammern auf ganz hohem Niveau...

Mann des Wochenendes: Felix Neureuther

Kurz vor Saisonstart stand ein großes Fragezeichen hinter Neureuthers körperlicher Verfassung. Chronische Rückenschmerzen machten ihm zu schaffen, der 31-Jährige sprach sogar vom Karriereende und bezeichnete sich selbst als "Opa". Umso höher sind seine Leistungen in Val d'Isere einzuschätzen.

Im Riesenslalom musste er sich lediglich dem übermächtigen Marcel Hirscher geschlagen geben (1,29 Sekunden Rückstand), im Slalom waren lediglich Kristoffersen und abermals Marcel Hirscher schneller. Für den norwegischen Überraschungssieger war Neureuther übrigens voll des Lobes: "Die Verhältnisse waren nicht einfach, und er bringt das mit einer Routine runter wie ein ganz alter Hase. Da kann sich auch der Opa vor dem Junior ein bisschen verneigen."

Neureuther wirkte befreit. Seiner Freundin Miriam Gössner schickte er vor laufenden Kameras Liebesgrüße. Die Romantik-Szenen ersparte sich der ORF. Dort wurden nur die beiden Erstplatzierten interviewt, Neureuther drängte sich trotzdem ins Bild. "Mögt ihr mich nicht mehr oder wie schaut's aus?", lautete seine Frage an Reporter Bernhard Stöhr, der zu den alpinen Damen nach Are abgeben musste. "Hollywoodreif" fand Hirscher den Auftritt.

Von Null auf Hundert-Auftritt des Wochenendes: Petra Vlhova

Die ersten beiden Slalomrennen der Saison dominierte Mikaela Shiffrin nach Belieben. In Abwesenheit der Amerikanerin rechneten sich Frida Hansdotter, Sarka Strachova und Co wohl ganz gute Chancen aus, endlich mal wieder ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Petra Vlhova hatte dagegen kaum jemand auf dem Zettel. Die Junioren-Weltmeisterin von 2014 fuhr die Konkurrenz in Are in Grund und Boden und feierte ihren allerersten Sieg im Weltcup. Und zwar in beeindruckender Art und Weise - über eine halbe Sekunde betrug der Vorsprung auf die favorisierte Lokalmatadorin Hansdotter am Ende.

Die Slowakin konnte es kaum fassen: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin einfach überglücklich." Wenn sie so weiter macht, kann sie sich an diesen Zustand wohl gewöhnen.

Schreck des Wochenendes: Mikaela Shiffrins Verletzung

Bisher hat der Youngster jede Menge Freude bereitet, am Samstag sorgte sie jedoch für eine echte Schrecksekunde. Im Training zum Riesenslalom stürzte die 20-Jährige schwer und musste anschließend mit dem Snowmobil abtransportiert werden. Eine genaue Diagnose steht noch aus, allerdings soll sich Shiffrin zumindest eine Innenbandverletzung und Prellungen im Knie zugezogen haben.

Umso schöner, dass die Olympiasiegerin kurze Zeit später schon wieder lächeln konnte und auch diese unangenehme Situation mit einer Prise Humor meisterte: Sie forderte ihre Fans via Facebook auf, ihren Konkurrenten die Daumen zu drücken. Eine Verletzung reicht schließlich.

Auf und Ab des Wochenendes: Severin Freund

Samstag hui, Sonntag pfui! Freunds Auftritt in Nischni Tagil erinnerte an längst vergessene Zeiten. Am Samstag düpierte Freund die Konkurrenz und gewann auf seiner Lieblingsschanze mit satten 11,5 Punkten Vorsprung vor dem Slowenen Peter Prevc. Am Sonntag zeigte der 27-Jährige dann leider ein völlig anderes Gesicht.

Nach einem verkorksten ersten Sprung (124 Meter) musste er die Hoffnung auf den Sieg bereits nach dem ersten Durchgang begraben. Am Ende wurde er nur Zwölfter, Peter Prevc zog im Gesamtweltcup vorbei. "Richie konnte nichts dafür, er hatte schlechte Bedingungen. Die anderen beiden sind einfach schlecht gesprungen", nahm ihn Bundestrainer Werner Schuster in Schutz.

Hoffentlich finden die DSV-Adler schnellstmöglich die Konstanz wieder. In zweieinhalb Wochen beginnt die Vierschanzentournee.

Statement des Wochenendes: Lindsey Vonn

Der Saisonstart der Amerikanerin verlief überragend, ihre Leistung am Samstag dürfte der Konkurrenz endgültig den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Vonn feierte in Are ihren vierten Weltcupsieg in Folge - ausgerechnet im Riesenslalom.

Es war erst ihr vierter Sieg überhaupt in der eher ungeliebten Disziplin. Einziger Hoffnungsschimmer für die Konkurrenz: Zwei der vier Erfolge feierte sie in dem schwedischen Bergort. Vielleicht lag es also nur an der Piste?

Wilder Westen des Wochenendes: Biathleten mit 16 Nachladern

Da hatte wohl jemand nicht genügend Zielwasser getrunken: Sage und schreibe 16-mal mussten Simon Schempp und Co. in der Staffel nachladen. Kein Wunder, dass es mit dem Podium nichts wurde. Ihr Dank geht an die Damen: Die sorgten dafür, dass niemand lange über die Wild-West-Ballerei sprach.

Weltrekord des Wochenendes: Yuzuru Hanyu

Der Japaner ist weiterhin das Maß aller Dinge im Eiskunstlauf. Beim Grand-Prix-Finale in Barcelona stand der 21-Jährige drei Vierfache, einen davon in Kombination, sowie sechs Dreifache - darunter zwei Axel in Kombinationen. "Ich habe mir vorher viel Druck gemacht, aber letztlich lief es ganz gut."

Japanische Bescheidenheit in allen Ehren. Das war die Untertreibung des Wochenendes.

Hanyu schloss den Wettbewerb mit 330,43 Punkten ab - das bedeutet neuen Weltrekord. Dazu kamen fast schon standesgemäß Bestmarken in Kurzprogramm (110,95) und Kür (219,48). Erst vor zwei Wochen hatte der Olympiasieger drei neue Bestmarken gesetzt. Zum Vergleich: Hanyus Trainingskollege und Weltmeister Javier Fernandez war mit 292,95 Punkten chancenlos.

Positive Nachrichten aus deutscher Sicht: Aljona Savchenko und Bruno Massot feierten bei den Deutschen Meisterschaften im dritten Saisonauftritt den dritten Sieg. Kurios: Nach der Kür betrug ihre Punktzahl exakt 222,22 Punkte. Damit kann sich das neuformierte Duo bereits bei ihrer ersten gemeinsamen EM in Bratislava Medaillenchancen ausrechnen.

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