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Wintersport

"Froh, Heldin in friedvoller Welt zu sein"

Darya Domracheva gewann 2014 in Sotschi drei Goldmedaillen
© getty

SPOX: Sie wurden aufgrund Ihrer Leistungen sogar auf nationalen Briefmarken abgebildet. Hat der Biathlon in Weißrussland dadurch noch mehr an Popularität gewonnen?

Domracheva: Biathlon ist in Weißrussland jetzt sehr beliebt. Immer mehr Leute schauen sich unsere Rennen im Fernsehen an. Auch an den Strecken macht sich die Begeisterung bemerkbar: Mittlerweile reisen viele weißrussische Fans mit uns zu den Weltcup-Rennen.

SPOX: Im eigenen Land findet aber noch kein Weltcup statt.

Domracheva: Ich glaube aber daran, dass es dazu kommen wird. Ich habe wirklich große Hoffnung, dass wir einen Weltcup in Weißrussland austragen werden. In Raubichi haben wir mittlerweile ein tolles Biathlon-Zentrum. Außerdem lieben die Menschen den Sport von Herzen. Das hat sich zuletzt auch bei einem Legenden-Rennen gezeigt, welches wir im September veranstaltet haben. Große Biathlon-Legenden spürten dort riesigen Zuspruch und Unterstützung von unseren Fans. Das ging unter die Haut. Jeder, der nach Weißrussland kommt, zeigt sich von der Gastfreundschaft und der Warmherzigkeit unserer Leute beeindruckt. Ich hoffe also sehr, dass große Biathlon-Veranstaltungen nach Minsk kommen.

SPOX: Sie sind die erste Frau und eine von nur elf Personen, die zum "Held Weißrusslands" ernannt wurde. Es ist die höchste Auszeichnung des weißrussischen Staates. Was bedeutet es Ihnen, in einer Reihe mit politischen und militärischen Ordensträgern zu stehen?

Domracheva: Einige von ihnen haben diese Preise für ihre Verdienste im Zweiten Weltkrieg erhalten, sie sind für mich wahre Helden. Leute, die bereit waren, ihr Leben für Frieden auf der Welt zu opfern. Manche haben den Titel auch erst nach ihrem Tod erhalten. Ich möchte mich nicht mit den Personen vergleichen, mit denen ich in einer Reihe stehe. Das steht mir nicht zu.

SPOX: Und dennoch wurde Ihnen diese Auszeichnung zuteil.

Domracheva: Was mir viel bedeutet, ist die Anerkennung. Den sportlichen Erfolgen wird so große Bedeutung beigemessen. Dieser Titel kam für mich wirklich sehr unerwartet. Ich bin sehr froh, Heldin in einer friedvollen Welt sein zu können. Wir müssen uns glücklich schätzen, dass das mittlerweile möglich ist. Vielleicht hilft meine Geschichte dem einen oder anderen, der nächste Held des Landes zu werden - ganz egal, ob im Sport, in der Kunst oder in einem anderen Bereich. Im Alltag kann ohnehin jeder ein Held sein: Für die Familie, seine Kinder, Freunde oder Kollegen.

SPOX: Nichtsdestotrotz sind Sie in Ihrer Heimat ein wahrer Superstar. 2013 durften Sie beispielsweise die weißrussischen Abstimmungsergebnisse beim Eurovision Song Contest präsentieren. Wie gehen Sie mit diesem Hype um Ihre Person um?

Domracheva: Manchmal wünscht man sich komplette Stille um sich herum. Ich mag es, Zeit für mich zu haben. Gerade nach harten Trainingseinheiten will man sich regenerieren. Außerdem unternehme ich gerne viel mit Freunden. Natürlich ist es aber auch wichtig, neue Leute kennenzulernen und in der Öffentlichkeit selbst aktiv zu werden, andere Dinge zu tun als Sport. Das kann sehr viel werden, aber es ist auch eine Chance, Einblicke in neue Lebensbereiche zu erhalten. Es ist wichtig, die Balance zu halten. Für den eigentlichen Hype sorgen aber die Medien. Ich habe in den letzten Jahren eine wichtige Sache über Journalisten gelernt.

SPOX: Welche?

Domracheva: Wer im journalistischen Bereich arbeitet, hat eine große Verantwortung gegenüber denen, über die er berichtet. Man braucht gute Menschenkenntnisse, muss sich in die Leute reinversetzen können und ihre Qualitäten erkennen. Diejenigen, denen das nicht schwer fällt und die wirklich professionell arbeiten, können die Welt durch ihre Arbeit zu einer besseren machen. Sie können wirklich nützliches Material produzieren und andere Menschen zu großen Leistungen motivieren. Leider verbreiten immer mehr Amateure schlecht recherchierte Informationen, deren Konsequenzen sie sich gar nicht bewusst sind. Das ist respektlos gegenüber anderen und wirklich traurig.

SPOX: Fühlen Sie sich selbst manchmal falsch dargestellt?

Domracheva: Bezüglich der Berichterstattung mache ich mich nicht verrückt. Es kann immer passieren, dass man durch negative Beiträge in ein schlechtes Licht gerückt wird. Wer das mutmaßlich tut, um jemandem zu schaden, wird danach mit seinem Gewissen kämpfen, davon bin ich überzeugt. Ich lebe mein Leben und es ist mir nicht so wichtig, was andere denken. Insgesamt kann ich mich aber sehr glücklich schätzen, wie die letzten Jahre verlaufen sind.

SPOX: Davon verbrachten Sie viel Zeit im Ausland. Wieviel westeuropäische Mentalität steckt mittlerweile in Ihnen?

Domracheva: Ich fühle mich immer als Weißrussin. Vielmehr noch fühle ich mich aber als Mensch. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich ost- oder westeuropäisch bin. Ich habe gute Freundschaften und Beziehungen zu Menschen aus beiden Regionen und ich kenne keine Qualitäten, die uns unterscheiden.

Seite 1: Domracheva über das Saison-Aus, Sotschi und Laura Dahlmeier

Seite 2: Domracheva über ihren Helden-Status und journalistische Verantwortung

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