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Wintersport

Der Polizist und das Ski-Schätzchen

Von SPOX
Strahlend schön: Lara Gut führt die Weltcup-Gesamtwertung souverän vor Mikaela Shiffrin an
© getty

Flops

Zaudernde Jurys - Stures Durchhaltevermögen im Wetterchaos traf am ersten echten Wintersportwochenende gleich auf mehrere Kampfgerichte zu. Dass die Bedingungen in Östersund für die Biathleten mindestens hochgradig irregulär, wenn nicht gefährlich werden könnten, das bewiesen herumfliegende Werbebanden eigentlich schon eine halbe Stunde vor dem Start des Verfolgungswettbewerbes der Damen am Sonntag. Lief das Anschießen am Vormittag noch vergleichsweise regulär ab, machten Windböen der Stärke 7 am Mittag nicht nur den bibbernden Zuschauern im Schießstadion schlechte Laune.

"Als ich nach dem Stehendschießen in der Strafrunde war, hatte ich schon keine Lust mehr", so Doppel-Olympiasiegerin Andrea Henkel frustriert. Kein Wunder, bei acht Fehlern nach 15 Schuss. Kaum Sicht im aufgewirbelten Schnee, geschweige denn ruhiges Halten der Waffe - Biathlon war unmöglich.

Das sah während dieses dritten Schießens, vier oder fünf Fehler waren inzwischen die Regel, endlich auch die Jury ein und brach das Rennen ab. Der stellvertretende Rennleiter Borut Nunar brachte es auf den Punkt: "Das war kein Spaß da draußen."

Zäh, ganz zäh - Auch im finnischen Kuusamo fegte der Sturm den Terminplan durcheinander. Die Kombinierer kamen mit einem Tausch von Einzel- und Teamwettbewerb sowie dank eines gewerteten Probedurchgangs noch ganz gut durch. Wohl auch, weil sie mangels TV-Interesse jeweils recht früh starteten.

Die Skispringer aber erwischte es nach Klingenthal zum Auftakt schon am Donnerstag. Training und Qualifikation abgesagt. Zum Glück (nicht wahr Marinus Kraus?) hatte sich der Windgott am Freitag wenigstens halbwegs im Griff.

Die Krönung aber folgte am Samstag. Mangels Quali sollten 76 Springer in den ersten Durchgang gehen. Die ersten Bilder aber zeigten: Es wehte und wehte. Bis zu 6 m/s zeigten die Windmesser rund um den Schanzentisch. Trotz Windnetz. Die Jury konnte sich dennoch zunächst nicht zu einer Absage durchringen. Immer länger bibberten die Springer auf dem Turm. Rauf auf den Balken, runter vom Balken. Trauriger Höhepunkt: Jan Matura wartete geschlagene elf Minuten, bis er grün bekam. Sechs Mal setzte der Tscheche neu an. Anders Fannemel ging es nach ihm wenig besser.

Kurz darauf hatte die Wettkampfleitung dann aber doch ein Einsehen. Glückwunsch! Nach wohlgemerkt 102 Minuten. Es waren erst 37 Springer von der Schanze gegangen, zwei hatten zurückgezogen, saßen also noch 27 oben. Das hätte dann Pi mal Daumen noch einmal 90 Minuten gedauert. Na prima. Und vielen Dank für die schnelle Entscheidung!

Der widerspenstige 208 - Mit dem Neuen läuft's noch nicht. 208, das ist der neue Bob der Deutschen. Wobei neu relativ ist... Denn schon vor gut einem Jahr war das Gefährt der Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte (FES) fertig geworden. Nach ersten Tests mit dem neuen Sportgerät aber entschieden sich alle Athleten, den Weltcup 2012/13 mit dem alten Material zu bestreiten. WM-Medaillen folgten, Francesco Friedrich wurde jüngster Zweierbob-Weltmeister der Geschichte.

Jetzt führt kein Weg mehr am 208 vorbei. Es wurde weiter am Olympiaschlitten getüftelt, Ingenieure des BMW-Windkanals feilten an der Aerodynamik, widerspenstig aber ist der Bob noch immer. Er verlangt mehr Lenkung, reagiert aber ebenso schnell über. Daran gewöhnt haben sich die Sportler längst noch nicht, erste Praxistests fielen miserabel aus.

Gegen Überlegungen, die Überseerennen noch einmal mit dem alten Material zu bestreiten, hatte sich Bundestrainer Christoph Langen höchst persönlich durchgesetzt. Die Ränge sechs, elf und zwölf beim ersten Weltcup in Calgary an diesem Wochenende waren aber für Langen ebenso ernüchternd wie für die erklärten Medaillenkandidaten. Zum Formvergleich: Olympiasieger Steven Holcomb (USA) lieferte Bahnrekord ab.

"Wir haben trotz der ganzen Zeitumstellung in dieser Woche volle Kanne trainiert, volle Kanne Kraft gemacht und sind schnell gelaufen", so Langen nach dem Rennen. Was wie der Beginn einer schlechten Entschuldigung klang, mündete in eine klare Ansage: "Wir hatten schon gehofft, bis auf 5 Hundertstel dran zu sein." Stattdessen liegt der Rückstand auf die Spitze zwischen 0,44 und 0,93 Sekunden. Im Eiskanal ist das eine Ewigkeit, die Ernüchterung ist riesig.

Was Richtung Sotschi bleibt, ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Und die vage Hoffnung, dass die Nordamerikaner auf "ihren" Bahnen immer besonders gut unterwegs sind. Ein Lichtblick immerhin: Im Vierer fuhr Maximilian Arndt auf den starken zweiten Platz, nur 9 Hundertstel hinter Holcomb. Im 208. Na bitte!

Re-Live: Die Weltcup-Wettbewerbe zum Nachlesen

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