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Wintersport

Eicher: Pechstein-Kritik "unglaublich"

SID
Markus Eicher reagierte mit Unverständnis auf die Kritik seiner Top-Athletin
© getty

Markus Eicher ist ein besonnener Bundestrainer. Nach der Verbalattacke von Claudia Pechstein gegen deutsche Nachwuchsläufer und Trainer ging der Chefcoach jedoch zum Gegenangriff über.

"Das ist unglaublich", sagte Eicher. "Ich weiß nicht, was das bringen soll. Das sorgt nur für Unruhe, die wir jetzt gar nicht gebrauchen können", schimpfte der Coach. Pechstein hatte in einem Interview die Einstellung deutscher Nachwuchsläufer und Trainer kritisiert. "Bei manchen Trainern habe ich das Gefühl, dass sie im Kopf abgeschlossen haben und ihre Tage bis zur Rente zählen", hatte die 41-Jährige behauptet.

"Ich habe das Interview nicht gelesen. Ich weiß aber, dass ich nicht gemeint bin", schickte Eicher voraus. Gemeint war anscheinend Kollege Stephan Gneupel, doch auch für die Kritik am Erfurter Trainer hatte Eicher kein Verständnis. "Das passt überhaupt nicht zusammen. Stephan Gneupel ist seit September bereits in Rente. Er hat von sich aus ein paar Monate drangehängt, um uns bis Olympia in Sotschi zu helfen", sagte Eicher, der vor seiner Zeit als Chef-Bundestrainer Anni Friesinger in die Weltspitze geführt hatte.

"Auch mal was in den Sport investieren"

Pechstein hatte außerdem die Einstellung des deutschen Nachwuchses attackiert. Es gebe Mädels, "die Sprint trainieren und Mehrkampf laufen. Da weiß jeder Laie, dass das nicht funktioniert." Generell mangele es am Willen, sich mit den Besten messen zu wollen. "Ich habe für den Sport sogar unbezahlten Urlaub genommen. Man kann auch mal was in den Sport investieren, statt ins neue Handy", spottete die fünfmalige Olympiasiegerin.

"Es ist unbestritten, dass wir Nachwuchsprobleme haben", gab Eicher zu. Die letzten Junioren-Ergebnisse seien aber schon besser gewesen. "Es ist ein langer Weg", stellte ein sichtlich genervter Eicher fest. Die Attacken Pechsteins hatten offenbar auch nach seiner Meinung die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Dennoch, Sanktionen gegen die plauderfreudige Athletin wollte auch der Bundestrainer nicht aussprechen: "Sanktionen? Damit kann ich mich jetzt nicht beschäftigen. Wir müssen sehen, wie wir unsere Ergebnisse verbessern."

Pechstein beste deutsche Läuferin

Eichers Dilemma: Wenn seine Läuferinnen und Läufer die zwei bis drei Medaillen in Sotschi holen wollen, die im sogenannten "Medaillen-Korridor" mit dem Deutschen Olympischen Sportbund vereinbart worden sind, kann er auf Pechstein nicht verzichten. Die fünfmalige Olympiasiegerin ist derzeit der einzige Lichtblick im deutschen Team, in Berlin holte sie im Einzel die einzige Podiusmplatzierung.

Das schmachvolle Aus des Frauen-Teams konnte allerdings auch Pechstein nicht verhindern. Bei dem Rennen mit Monique Angermüller und Stephanie Bay wurde das Leistungsgefälle zwischen Pechstein und dem Rest besonders deutlich. Immer wieder musste sich die 41-Jährige auf dem Eis umschauen, wo denn wohl ihre Mitstreiterinnen blieben. "Mehr war nicht drin, wir sind nicht besser", sagte Eicher, der in Berlin auch das frühzeitige Olympia-Aus des deutschen Männer-Teams zur Kenntnis nehmen musste.

Die Kritik, unter anderem von DESG-Präsident Gerd Heinze, dass zu spät zielgerichtet mit dem Team trainiert wurde, wies Eicher allerdings zurück. "Wir haben mit dem Team viel mehr gemacht als in den vergangenen Jahren. In jedem Lehrgang stand es auf dem Programm", verteidigte der Coach seine Strategie. Allerdings sei es nicht immer zu den Einheiten gekommen, weil sich Athleten mehrfach krank gemeldet hätten.

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