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Tennis - Dominik Koepfer im Interview: "Ich musste mein Hirn anstrengen - das fehlt mir auf der Tour"

Von Ulli Ludwig
Dominik Koepfer

 

In zwei Jahren ist Ihnen zuerst der Sprung in die Top 100 und dann in die Top 50 gelungen. Wie weit kann es noch gehen?

Koepfer: Die Top 10 oder Top 20 sind natürlich das Endziel, da fehlt aber noch ein bisschen was. Ich habe Resultate, die sich sehen lassen können, ich habe Top-10-Spieler geschlagen und auch mit den ganz Großen mithalten können. Aber es ist schwer, jede Woche die gleiche Leistung abzurufen, was bisher auch noch der Unterschied nach ganz oben ist. Ich habe, vor allem mental, einfach noch nicht so die Konstanz gefunden. Nach dem Erreichen der Top 50 will ich weiter nach oben und mich nicht mit meinen bisherigen Leistungen zufrieden geben.

Dennoch kann man festhalten, dass Sie in den vergangenen Jahren einen riesigen Sprung auf mentaler Ebene gemacht haben.

Koepfer: Ja, wenn man Matches von vor vier Jahren, vom College oder auch aus dem Juniorenbereich anschaut, dann sieht man schon riesige Fortschritte, die ich mit meinem Mentaltrainer gemacht habe. Es sind kleine Schritte in die richtige Richtung, aber das klappt nicht in jedem Match. Manchmal ist auch von außen auch nicht immer zu sehen, was im Kopf abgeht.

Können Sie sich in diesem Thema auch etwas von den Top-10-Spielern abschauen?

Koepfer: Rafael Nadal zum Beispiel zeigt fast nie eine negative Reaktion auf dem Court. Nach jedem verlorenen Punkt sieht er fast so aus wie nach einem gewonnenen Punkt. Genau da will ich auch hinkommen. Ich würde sagen, bei ihm schaue ich am liebsten zu, denn er ist ein richtiger Kämpfer, gibt nie auf und ist mental brutal stark. Bei den Grand Slams ist er immer bereit. Es zeichnet ihn aus, dass er bei den großen Turnieren immer da ist und ein anderes Level findet, wenn es drauf ankommt. Er bringt auf dem Trainingsplatz immer die gleiche Intensität. Man könnte sagen, dass bei ihm jeder Trainingstag auch Matchtag ist. Und wenn Nadal neben dir in der Umkleide sitzt, dann ist das immer noch ein komisches Gefühl. Da merkt man schon, dass Djokovic, Federer und er auf einem anderen Level sind als wir restlichen Spieler. Da hat man einfach Respekt.

Wer ist Ihrer Meinung nach der G.O.A.T?

Koepfer: Das ist schwer zu beantworten. Ich würde Djokovic, Federer und Nadal schon auf eine Ebene stellen. Die Drei haben sich gegenseitig immer wahnsinnig gepusht. Am Ende seiner Karriere wird Djokovic die meisten Grand Slams gewonnen haben, was aber nicht bedeutet, dass er der Beste aller Zeiten ist.

Wie haben Sie Djokovic persönlich kennengelernt?

Koepfer: Im vergangenen Jahr stand ich ihm das erste Mal im Hauptfeld der Australian Open gegenüber. Da hatte ich ein bisschen Schiss, aber er war wirklich ein cooler Typ, sehr nett und hat mich nach meiner College-Zeit gefragt. Er ist ein ganz normaler Tennisspieler wie ich und lebt ein ganz normales Leben.

"Ich musste mein Hirn anstrengen - das fehlt mir auf der Tour"

Von einem ganz normalen Leben ist die Welt in der Pandemie weit entfernt. Die mentale Belastung war sicher auch im vergangenen Jahr für Sie deutlich höher. Was haben Sie aus dieser Zeit gelernt?

Koepfer: Natürlich bin ich dankbar, dass ich weiterhin Tennis spielen kann und einen Job habe. Aber es war für mich nicht immer leicht, allein zu sein, auch wenn ich gemeinsam mit meinem Trainer und Physiotherapeuten reise. Durch die Pandemie ist es natürlich insgesamt noch schwerer geworden: Man lebt in Bubbles und darf sich nur im Hotel oder auf der Anlage aufhalten, man hat viel Zeit, die man im Hotelzimmer totschlagen muss. Ich zum Beispiel trainiere zwei Stunden am Tag, gehe zwei Stunden ins Gym und dann sind es aber immer noch zehn Stunden, bis ich wieder schlafen muss. Wir konnten ja nicht mal in den Supermarkt.

Wie Sind Sie damit umgegangen?

Koepfer: Ich habe Sachen gesucht, die mir Spaß machen und mich vom Tennis ablenken. Beispielsweise habe ich angefangen, Spanisch zu lernen, aber das ist nicht so leicht, wenn man vorm Computer sitzen und die Wörter lernen muss. Man braucht mehr Willen. Denn es ist ein Unterschied, wenn man im jeweiligen Land ist oder von einem Lehrer unterrichtet wird.

Ihr Lieblingsfach in der Schule war Mathe, das hört man nicht oft. Zudem erwarben Sie am College einen Bachelor in VWL. Würden Sie sagen, dass Sie zu den intelligenteren Spielern auf der ATP Tour gehören?

Koepfer: Ja, auf jeden Fall. (lacht) Manchmal ist das aber auch ein Nachteil, weil es manchen nichts ausmacht, den ganzen Tag nichts zu machen. Das war am College anders: Du hattest Uni, Social Life und Tennis zur gleichen Zeit. Auch wenn es manchmal stressig war, hattest du immer etwas zu tun und du hast den Kopf freibekommen - was denke ich auch ein Grund war, wieso ich mich da so gut weiterentwickelt habe. Ich musste mein Hirn manchmal anstrengen und das fehlt mir hier auf der Tour.

Welche Gedanken haben Sie zu Ihrem Konkurrenten Benoit Paire, der in der Pandemie sehr offen mit seinen mentalen Problemen umgeht?

Koepfer: Benoit Paire hatte ja vor der Pandemie schon immer seine kleinen Auf und Abs. Er hatte immer wieder ein paar Aussetzer in seinen Matches. Ich verstehe, was er sagt, Tennis mit Fans macht einfach mehr Spaß. Das ist auch der Grund, warum die meisten von uns mit diesem Sport begonnen haben. Das ist auch eine große Komponente, warum wir jeden Tag trainieren und im Gym hart arbeiten. Ich bin aber auch noch nicht so lange dabei, seit zwei Jahren spiele ich in den Top 100 und kann die größeren Turniere spielen. Das hilft mir gegenüber den älteren Spielern, die zehn Jahre lang andere Sachen gewöhnt waren und vielleicht ein bisschen durch sind im Kopf.

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