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Tennis

US Open, Tag 9: Zittersieg! Alexander Zverev in New York erstmals im Halbfinale

SID

Der Urschrei nach dem Matchball war vermutlich bis nach Manhattan zu hören: Nach einem Stotterstart, vielen Fehlern und einer kämpferischen Glanzleistung hat Alexander Zverev zum ersten Mal in seiner Karriere das Halbfinale der US Open erreicht. Außerdem zogen Kerber-Bezwingerin Jennifer Brady und Naomi Osaka in die Vorschlussrunde ein.

Ja, es kann gut sein, dass er nach diesem denkwürdigen Spiel auch mit seinem Hund telefoniert hat. "Ich telefoniere immer mit allen, heute vielleicht auch mit ihm", sagte US-Open-Halbfinalist Alexander Zverev nach dem hart erkämpften 1:6, 7:6 (7:5), 7:6 (7:1), 6:3 im Viertelfinale der US Open gegen den bissigen Kroaten Borna Coric sichtlich erleichtert.

Er habe nicht sein bestes Tennis gespielt, gab Zverev bei Eurosport zu, aber: "Ich bin hier zum ersten Mal im Halbfinale, nur das zählt." Als erster Deutscher seit Boris Becker 1995 übrigens.

Nach dem vollkommen missratenen ersten Satz, in dem er von Coric regelrecht vorgeführt wurde, habe er sich gesagt: "So kann man nicht das Viertelfinale in einem Grand Slam spielen. Glücklicherweise bin ich rechtzeitig aufgewacht." Das breite Grinsen hinter der Maske verriet die ganze Erleichterung.

Bruder Mischa, aus Monte Carlo zugeschaltet, beschwerte sich: "Sascha! Wenn ich heute Nacht Bauchschmerzen habe, ist es deine Schuld, ich musste vor lauter Aufregung die ganze Geburtstagstorte von meinem Kleinen essen."

Deutschlands Topspieler, an Nummer fünf gesetzt, trifft im Halbfinale auf Pablo Carreno Busta. Der Spanier hat das Duell gegen den Kanadier Denis Shapovalov nach fünf Sätzen mit 3:6, 7:6 (7:5), 7:6 (7:4), 0:6, 6:3 für sich entschieden. Zuvor hatte Zverev angekündigt, dass er sich das Match im Fernsehen anschauen werde.

Carreno Busta stand gegen Shapovalov sogar 4:08 Stunden auf dem Platz. Im Achtelfinale hatte er dagegen schnell Feierabend gehabt. Er profitierte im ersten Satz von der Disqualifikation des Weltranglistenersten Novak Djokovic (der Eklat im Video).

US Open: Osaka und Brady im Halbfinale

In der Damen-Konkurrenz hat Jennifer Brady als erste Spielerin das Halbfinale im Dameneinzel erreicht. Die Amerikaner hatte im Achtelfinale Angelique Kerber aus dem Turnier geworfen. Die 25-Jährige, die von dem früheren deutschen Tourspieler Michael Geserer trainiert wird, gewann gegen Julija Putinzeva mit 6:3, 6:2.

In der Runde der letzten Vier trifft Brady auf die an Nummer vier gesetzte Naomi Osaka. Die 22 Jahre alte Japanerin setzte sich in ihrem Viertelfinale gegen Shelby Rogers (USA) mit 6:3, 6:4 durch. Osaka, die sehr dominant auftrat und ihren ersten Matchball nach 1:20 Stunden nutzte, hatte die US Open bereits 2018 gewonnen.

Schon einen Schritt weiter ist Laura Siegemund (Metzingen). Die 32-Jährige erreichte zusammen mit der Russin Vera Zvonareva als erste Deutsche seit Claudia Kohde-Kilsch 1985 bei den US Open das Finale im Damendoppel. Das Duo schlug die ungesetzten Russinnen Anna Blinkova und Veronika Kudermetova (Russland) 5:7, 6:3, 7:5.

US Open: Zverev legt sich mit Stuhlschiedsrichterin an

Zverev startete überraschend verhalten und viel zu passiv ins vierte Grand-Slam-Viertelfinale seiner Karriere. Coric, Nummer 27 der Setzliste, spielte genau das Tennis, das Zverev nicht mag: Er zwang seinen Gegner in lange Ballwechsel und nahm immer wieder clever das Tempo aus dem Spiel.

Zverev reagierte wie von Coric erhofft. Der 23-Jährige machte Fehler über Fehler, zudem wirkte er seltsam emotionslos und ließ sich weit hinter die Grundlinie zurückfallen. "Je länger der Ballwechsel, umso schlechter für Sascha", stellte Eurosport-Experte Boris Becker fest und monierte Zverevs "viel zu passive Spielweise".

Und noch eins passte nicht in Zverevs Spiel: Der Aufschlag, vor allem der erste, in den letzten Spielen ein sicherer Erfolgsgarant, ließ den Hamburger weitgehend im Stich. Mit drei Doppelfehlern im vierten Spiel des ersten Satzes kassierte Zverev das erste Break zum 1:3, nach 24 Minuten war der erste Satz mit 6:1 bei Coric.

Im fünften Spiel des zweiten Durchgangs zeigte Zverev erstmals Emotionen. Er legte sich mit Stuhlschiedsrichterin Eva Asderaki an, weil diese ihm angeblich einen korrekten Punktgewinn nicht zugesprochen hatte.

Wenig später regte sich Zverev darüber auf, dass Coric in einem Satz zweimal den Platz verließ, um seine durchgeschwitzten Sachen zu wechseln. "Das kannst du doch hier machen", rief er Coric zu. Dessen Antwort: "Ich musste auch die Hose wechseln." Becker gab Zverev recht: "Ich würde durchdrehen."

Trotz aller Widernisse schaffte Zverev den Satzausgleich. Nach 1:40 Stunden machte er den Punkt zum 7:5 im Tiebreak. "Das war so wichtig", sagte Becker, blieb aber bei seiner Kritik: "Er spielt immer noch zu passiv, vor allem auf den zweiten Aufschlag von Coric muss er mehr draufgehen."

Eine Stunde dauerte der dritte Satz, es ging erneut in den Tiebreak, aber dieses Mal machte es Zverev mit dem 7:1 zur 2:1-Satzführung deutlich weniger spannend. Im dritten Durchgang sah sich Zverev wieder mehr in der Defensive, im fünften Spiel musste er zwei Breakbälle abwehren, holte sich dann aber seinerseits das entscheidende Break zum 5:3.

US Open: Die Ergebnisse von Tag 9

SpielerInGegnerInErgebnis
Alexander Zverev (GER/5)Borna Coric (CRO/27)1:6, 7:6, 7:6, 6:3
Jennifer Brady (USA/28)Yulia Putinseva (KAZ/23)6:3, 6:2
Naoimi Osaka (JPN/4)Shelby Rogers (USA)6:3, 6:4
Pablo Carreno Busta (ESP/20)Denis Shapovalov (CAN/12)3:6, 7:6 (7:5), 7:6 (7:4), 0:6, 6:3
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