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Tennis

French-Open-Panel: "Dafür kommt man in die Hölle!"

Von Florian Regelmann, Stefan Petri, Jannik Schneider, Lukas Zahrer
Rafael Nadal

Paris wird für Djokovic zum Spießrutenlauf

Florian Regelmann: Ich stelle mir gerade einen vollen Chatrier vor und Djokovic hat einen seiner Ausraster und zerhämmert einen Schläger ... nach der Aktion in New York ... die Franzosen würden ihn dafür killen, es wäre ein göttliches Theater. Wird aber mit wenigen Fans und der sowieso skurrilen Atmosphäre natürlich nicht passieren und das ist auch gut so. Schlimmer als seine Disqualifikation war sein Verhalten danach. Nicht mal die Eier zu haben, danach sich bei einer Pressekonferenz zu stellen, war unterirdisch, aber wir müssen das Thema insgesamt dann auch mal abhaken. So wild war es nicht.

Jannik Schneider: Der Vorfall in New York hat ihn auf jeden Fall ganz krass aus der Bahn geworfen. Das ist in meinen Augen auch der Grund dafür, dass er nicht zu Pressekonferenz ging, Flo: Er wollte sich in diesem Moment der Schwäche nicht zeigen. Djokovic misst sich in allen Belangen mit Nadal und Federer. Spielerisch hat er sie vielleicht schon um ein paar Prozent überholt, aber in anderen Dingen nicht. Das fällt ihm jetzt auf die Füße, was die Außendarstellung angeht. Beim Masters in Rom hat man gesehen, dass er weiterhin sehr emotional sein kann, nur hat es diesmal sofort internationale Schlagzeilen produziert, als er vom Stuhlschiedsrichter verwarnt wurde. Die Aufmerksamkeit ist also enorm - aber er hat das Turnier trotzdem gewonnen und ist 2020 weiter "ungeschlagen", wenn man so will. Ich glaube, dass das maximal noch in den ersten paar Runden ein Thema in den Zoom-Pressekonferenzen sein wird. Wenn dann aber nichts mehr Erstaunliches passiert, wird das Thema abflauen und nur noch das Sportliche zählt.

Lukas Zahrer: Was in New York passiert ist, war ultrapeinlich. Nicht nur die Tennisfans werden sich ewig daran erinnern, auch die breite Masse hat die Disqualifikation mitbekommen. Djokovic wird sich nicht verstellen, sondern bei sich bleiben. Auch in Rom hatte er einen überraschenden Ausraster - bei Satz- und-Breakführung. Es brodelt in ihm, man muss das nicht sympathisch finden. Der Erfolg gibt ihm aber Recht. Er wird außerhalb der Matches versuchen, dem Publikum zu schmeicheln. Auf dem Platz tut er alles, um zu siegen. Ein zweiter French-Open-Titel wäre mehr als eine Genugtuung.

Stefan Petri: Du sagst es, Lukas. Deshalb ist der Djoker für mich sogar der Topfavorit auf den Titel (Fun Fact: Zum letzten Mal drei Sätze in einem Match verloren hat er ... bei den French Open 2019). Bessere Chancen wird er in Paris wohl nie wieder haben, schließlich wird auch er nicht jünger. Aber jetzt winken Bedingungen, die Nadal und Thiem angreifbar machen. Siegt er bei den French Open, hätte er jeden Grand Slam zweimal gewonnen und im Kampf um den GOAT-Status noch mehr Argumente. Klar, New York war eine Katastrophe, aber in Rom hat er gezeigt, dass er auch ohne Bestform gegen gute Sandplatzwühler bestehen kann. Und wenn jemand aus einem ganz tiefen Loch plötzlich nach ganz oben schießt, dann ja wohl er: Djokovic, der Phoenix auf der Asche. Und ein feindliches Publikum muss er nicht fürchten.

Jannik Schneider: Das könnte man als Argument pro Djokovic werten, richtig. Wenn man aber sieht, wie er beim Wimbledon-Finale 2019 reagiert und die Federer-Rufe in Novak-Rufe "umgewandelt" hat ... Novak hat diese Oliver-Kahn-Mentalität: Wenn alle gegen mich sind, kann ich erst recht meine Leistung bringen. Das macht er nicht freiwillig, er will wie kein anderer Profi geliebt werden. Aber er kann mental damit umgehen, wenn es nicht der Fall ist. Auch wenn die Zuschauer voll da gewesen wären, würden sie deshalb keine Rolle spielen, glaube ich.

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