Tennis

Tennis: Die "Horror-Show" nimmt ein böses Ende - Novak Djokovic schweigt lange

SID
Novak Djokovic steht nach Corona-Fällen am Rande der Adria Tour in der Kritik.

"Horror-Show", "Katastrophe", "saublöd": Die Partytour der Tennisstars über den Balkan lässt die Kollegen empört zurück. Im Mittelpunkt der Kritik: Novak Djokovic, der Mitorganisator ist aber vorläufig abgetaucht.

Köln (SID) Für seine Sicht der Dinge ließ sich Novak Djokovic Zeit. Viel Zeit. Auch am zweiten Morgen nach dem abrupten Ende der Tennis-Party auf dem Balkan wartete die Tenniswelt noch immer gespannt auf die Stellungnahme ihrer Nummer eins. Immerhin hatten sich bis dato drei Spieler auf Djokovics Adria-Tour mit dem Coronavirus angesteckt. Doch Djokovic schwieg - dafür redeten andere.

Doppelspieler Bruno Soares, unter Präsident Djokovic Mitglied im Spielerrat, sprach bei GloboEsporte von einer "Horror-Show". Der bestens mit Alexander Zverev befreundete Brasilianer warf der Truppe hochbezahlter Superstars vor, "enorm unverantwortlich und höchst unreif" gehandelt zu haben. ATP-Präsident Andrea Gaudenzi verglich Djokovic, Zverev und Co. sogar mit sturen Bengeln.

"Es ist ein bisschen so, als würde man seinen Kindern beibringen, immer mit Helm Fahrrad zu fahren. Zuerst sagen sie nein, nein, nein. Erst wenn sie vom Fahrrad fallen, tragen sie den Helm", sagte der Italiener der New York Times. Doch es ist anders als in diesem Bild: Die Tennisspieler, die Djokovic auf seiner Showreise um sich geschart hatte, pfiffen auf ihre Vorbildfunktion, die Sicherheit und gefährdeten damit viele.

Der Bulgare Grigor Dimitrow trug das Virus in seine Wahlheimat Monte Carlo, der Kroate Borna Coric veröffentlichte seine Erkrankung samt Entschuldigung. Viktor Troicki, für seinen serbischen Landsmann Djokovic einer der besten Buddies auf der Tour, ist ebenso positiv getestet worden wie dem Vernehmen nach seine schwangere Frau. Zwei Trainer sollen sich ebenfalls angesteckt haben - und die Liste kann leicht viel länger werden.

Tennis-Stars halten sich nicht an Abstandsregeln

In Belgrad und Zadar/Kroatien traten die Hauptdarsteller auf, als mache das Virus an den Landesgrenzen Halt. Beim Fußball, beim Basketball, auf den Rängen oder beim Striptease in einem stickigen Klub: Abstand hielt hier niemand, auch nicht zu den zahlreichen jugendlichen Fans. Das wurde bestens dokumentiert. Als würde Djokovic der Welt beweisen wollen, wie harmlos dieses Virus doch sei - und überhaupt: Wir haben alle Maßgaben der Regierungen befolgt, behauptete der 33-Jährige bei Eurosport.

Der Corona-Lockdown der Tour scheint Djokovic nicht zu bekommen. Impfungen steht er kritisch bis ablehnend gegenüber, der Kontakt zum selbsternannten Alchemisten Chervin Jafarieh und ihr Instagram-Gespräch über die Möglichkeit, per Gedanken "die giftigste Nahrung oder das am stärksten verschmutzte Wasser in das heilsamste Wasser" zu verwandeln", sorgten für Kopfschütteln.

Während Funktionäre und Spieler hinter den Kulissen um einen Kompromiss zum Neustart der Profitour unter strengen Hygienebestimmungen rangen, fehlte Djokovic. Zudem ließ er verlauten, die geplanten Vorschriften für die US Open seien ihm zu "extrem", seine Teilnahme am Grand-Slam-Turnier in New York (ab 31. August) lässt er bis heute offen.

Vielleicht hat er mit seiner verantwortungslosen Adria-Tour dazu beigetragen, dass erneut über die Wiederaufnahme der Profitouren diskutiert wird. Der britische Olympiasieger Andy Murray, seit 20 Jahren Wegbegleiter Djokovics, warf am Montag die Frage auf, wie die strikte Abschottung der Spieler während der Turniere überwacht werden soll. Wenn sich schon der Branchenführer nicht an die Regeln hält, ist nicht das Konzept das Problem.

"Einigen ist ihr Erfolg wohl zu Kopf gestiegen", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner dem Kölner Stadtanzeiger. Was wohl Novak Djokovic zu der heftigen Kritik aus aller Welt sagt? Laut serbischen Medien wollte er sich erst nach dem Ergebnis seines Coronatests am Dienstag öffentlich erklären.

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