Tennis

Tennistrainer Jan de Witt kritisiert Coachingregeln: "Begehen bei unserem Job ein Verbrechen"

Von SPOX
Jan de Witt an der Seite seines ehemaligen Schützlings Gael Monfils.

Jan de Witt hat mehr als ein Dutzend Tennisprofis betreut und gilt als einer der besten Tennistrainer in Deutschland. In Advantage - der Tennis & Sportpodcast hat der 54-Jährige die Coachingregeln für Trainer scharf kritisiert. Von Roger Federers Vorschlag, ATP und WTA unter einem Banner zu vereinen, hält er nicht viel.

"Wir sind der einzige legale Berufsstand, der ein Verbrechen begeht, wenn er seinen Job richtig ausführen möchte", sagt de Witt in der aktuellen Episode des Advantage-Podcasts. Aktives Coaching ist auf der Herrentour ATP im Gegensatz zu den Damen auf der WTA Tour untersagt. On-Court-Coaching gibt es nicht.

"Mir wäre es lieber und sehr recht, wenn man mit seinem Spieler auf der jeweiligen Spielseite von der Coachingbox aus reden dürfte, ohne den Spielfluss zu stören. Das wurde ja erstmals in der Qualifikation der US Open getestet und hat sehr gut geklappt", erklärt de Witt, der den Georgier Nikoloz Basilashvilli in die Top 20 der Weltrangliste geführt hat. In seiner Karriere betreute er bisher unter anderem Andrea Petkovic, Gael Monfils und Gilles Simon.

On-Court-Coaching möchte der Trainer ebenfalls nicht ausschließen: "Den Einfluss mit Georgien beim ATP Cup oder der Bundesliga in Halle auf der Trainerbank habe ich geliebt. Das ist ein wichtiger Teil, der auf der ATP-Tour zu kurz kommt. Und aktives Coaching bei den Männern würde zu einem höheren Niveau auf dem Platz führen."

Insgesamt würde sich de Witt mehr Einfluss für Trainer wünschen. "Tennistrainer verdienen mehr Aufmerksamkeit. Wir kommen in der öffentlichen Wahrnehmung eher zu kurz. Das liegt auch daran, dass wir nicht aktiv coachen dürfen. Da sind wir die einzigen weltweit. Trainer werden beim Coachen wahrgenommen." Dem Sport würde es nur gut tun, "wenn man Trainern mehr zuhören würde und nicht nur Spielern, Managern und Turnierdirektoren."

Zusammenlegung von WTA und ATP? "Herren- und Frauentennis sind sehr unterschiedlich"

Von der von Roger Federer angeregten Zusammenlegung der Spielerorganisationen der Damen (WTA) und Herren (ATP) hält De Witt derweil wenig. "Ich bin auch kein Freund von gemeinsamen Events abseits der Grand Slams. Ich sehe das kritisch. Herren- und Frauentennis sind sehr unterschiedliche Sportarten. Ich glaube, dass die Damen ihr eigenes Publikum finden sollten. Die Veranstaltungen sollten jetzt nicht künstlich zusammengelegt werden."

Auch über die Fortsetzung der Profitour noch im Jahr 2020 äußert sich de Witt: "Momentan stelle ich es mir sehr schwer vor, dass wir dieses Jahr überhaupt in Amerika werden spielen können. Die Kanadier haben ja bereits abgesagt. Bis nach den US Open wird da nichts stattfinden können. Ich kann mir eher vorstellen, dass wir vor den in den September verschobenen French Open einige Sandplatzturniere haben werden, neu sortiert zu anderen Zeitpunkten in Europa."

De Witt sei sich sicher, dass hinter den Kulissen viel diskutiert werde von den Verantwortlichen: "Die Hygienevorschriften sind in unserem Sport einfacher umzusetzen. Schwieriger ist es, die Spieler an einen Ort zu bekommen. Das kann ich mir im Herbst am ehesten noch in Europa vorstellen. Da habe ich auch noch Hoffnung für das Turnier in Hamburg, dass man das vor den French Open im September austragen kann. In Madrid könnte man auch noch nach den French Open spielen vom Wetter her."

 

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