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Tennis

"Ich muss mich nicht verstecken"

Angelique Kerber und das deutsche Team haben erstmals seit 1992 das Fed-Cup-Finale erreicht
© getty

SPOX: Was ist mit den einzelnen Spielerinnen?

Kerber: Man darf sie auf keinen Fall unterschätzen. Petra Kvitova ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, nicht nur wegen ihres Wimbledon-Sieges. Sie hat in den letzten Monaten herausragend gespielt und ist sehr gut in Form.

SPOX: Im Einzel dürften auch Sie das Vergnügen mit Kvitova haben.

Kerber: Davon gehe ich aus. Sie ist eine Top-Ten-Spielerin, aber das bin ich auch, ich muss mich also nicht verstecken. Für mich ist unser Duell deswegen eher eine 50:50-Angelegenheit. Was man auch nicht vergessen darf: Wir sind beide Linkshänderinnen. Das ist immer etwas anderes. Grundsätzlich sehe ich beide Teams auf Augenhöhe, am Ende entscheidet die Tagesform.

SPOX: Sie sehen sich also nicht als Außenseiter?

Kerber: Nein, warum sollte ich auch. Ich glaube an uns und weiß, dass wir zu Recht im Finale stehen. Es kann alles passieren, aber ich bin sehr zuversichtlich.

SPOX: Der Fed-Cup-Titel könnte auch für Sie persönlich ein versöhnliches Ende des Jahres 2014 darstellen. Wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

Kerber: Ich freue mich, dass ich zum dritten Mal in Folge zum Jahresende in den Top Ten stehe. Natürlich hätte ich gerne bei den WTA-Finals ins Singapur auch aktiv ins Geschehen eingegriffen, anstatt nur Ersatz zu sein. Das hatte ich mir sicherlich anders vorgestellt. Aber es sollte nicht sein, gerade deswegen ist der Fed Cup nun umso wichtiger.

SPOX: Stand der Fed Cup für Sie in diesem Jahr im Vordergrund?

Kerber: Ja, ich habe Anfang des Jahres gesagt, dass ich mich dort komplett reinhänge. Mit dem Flug nach Australien mitten in der Saison zum Halbfinale habe ich meine persönlichen Ziele etwas hinten angestellt, denn die Reise war extrem anstrengend und passte eigentlich nicht wirklich in meine Sandplatz-Vorbereitung. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich habe das so entschieden und würde es jederzeit wieder machen.

SPOX: Was war denn abgesehen vom Fed Cup Ihr persönliches Highlight 2014?

Kerber: Das ist relativ einfach zu beantworten, das Match gegen Maria Sharapova in Wimbledon. Ich bin selbst eine der Top-Spielerinnen, aber es ist immer noch mal etwas Besonderes, wenn man gegen eine Grand-Slam-Siegerin auf dem Centre Court gewinnen kann. Das stand ganz oben. Ansonsten zähle ich meine vier Endspiele auf der WTA-Tour zu den Höhepunkten, auch wenn ich sie leider alle verloren habe.

SPOX: Ihre Grand-Slam-Saison verlief trotz des Sieges gegen Sharapova nicht so erfolgreich wie beispielsweise 2012. Haben Sie ihr Maximum schon erreicht?

Kerber: Nein, ich habe auf jeden Fall noch Luft nach oben. Man muss sicherlich nicht großartig herumreden, die Grand Slams liefen in diesem Jahr nicht nach Plan. Aber ich habe trotzdem wichtige Erfahrungen gesammelt. In diesen zwei Wochen muss einfach alles passen. Da spielen so viele Kleinigkeiten eine Rolle, angefangen vom Team im Hintergrund bis zur Konzentration, die man 14 Tage lang hochhalten muss. Und ohne das Quäntchen Glück geht es nun mal auch bei uns nicht. Aber ich werde jetzt sicherlich nicht den Kopf in den Sand stecken. Ich habe ja hoffentlich noch ein paar Jahre vor mir, auch wenn die nächste Generation bereits an die Tür klopft.

SPOX: Zu dieser neuen Generation gehört unter anderem Eugenie Bouchard, der in diesem Jahr der Durchbruch gelang. Wie schätzen Sie die Kanadierin ein?

Kerber: Sie ist unglaublich talentiert. Eugenie hat dieses Jahr den Sprung in die Top Ten geschafft und gehört zu den besten jungen Spielerinnen. Vor ihrer Saison 2014 kann man nur den Hut ziehen.

SPOX: Lassen Sie uns zum Abschluss noch in die Zukunft blicken. Was nehmen Sie sich für das nächste Jahr vor?

Kerber: Das große Ziel ist, wieder die WTA-Finals zu erreichen. Das ist der beste Richtwert für eine erfolgreiche und vor allem konstante Saison. Unabhängig davon nehme ich mir immer vor, mich weiter zu entwickeln und aus den Erfahrungen des Vorjahres zu lernen und diese einzusetzen. Und der Spaß darf auch nicht zu kurz kommen, das darf man nie vergessen. Ohne ein Team, in dem alles passt, kann man keinen dauerhaften Erfolg haben.

Seite 1: Kerber über das Finale und Vergleiche mit Golf

Seite 2: Kerber über das Tennis-Jahr und die neue Generation um Bouchard

Angelique Kerber im Steckbrief

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