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Schwimmen

Koch schwimmt zu WM-Gold

SID
Marco Koch ist der erste deutsche Weltmeister seit sechs Jahren
© getty

Marco Koch wuchtete sich aus dem Wasser, winkte den Teamkollegen auf der Tribüne zu und ließ bei der Siegerpose die Muskeln spielen: Mit einem unwiderstehlichen Endspurt hat der Europameister den deutschen Schwimmern das erste WM-Gold seit sechs Jahren beschert und Geschichte geschrieben. Der erste deutsche Weltmeister über 200 m Brust schwamm im Kasaner Fußballstadion endgültig aus dem Schatten des Geburtstagskindes Paul Biedermann.

"Es war ein geiles Rennen - leider nicht so schnell wie ich es gerne gehabt hätte", sagte der 25-Jährige nach seinem Sieg in 2:07,76 Minuten. 351 Tage nach seinem EM-Triumph in Berlin blieb der Darmstädter, der zur Häfte des Rennens noch auf Rang drei gelegen hatte, zwar 29 Hundertstelsekunden über seinem deutschen Rekord. Auch der angepeilte Weltrekord blieb außer Reichweite: "Den bin ich nicht geschwommen, aber ich bin trotzdem super happy." Für den ersten deutschen WM-Titel seit Biedermanns Doppel-Gold 2009 in Rom reichte es dennoch.

Als Belohnung gönnte sich Koch, der vor zwei Jahren seine Ernährung auf "vegan plus Fleisch" umgestellt hatte, etwas Besonderes: "Ich will gleich noch zu Burger King." Einer der ersten Gratulanten war Biedermann: "Großartig. Niemand hat es mehr verdient als Marco." Die dritte Medaille der Beckenschwimmer nach Biedermanns Bronzerennen über 200 m Freistil und dem überraschenden dritten Platz der gemischten Lagenstaffel war das insgesamt siebte Edelmetall für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) in Kasan.

Deibler: "Hatte keine gute Saison"

22 Minuten später fehlten Biedermann an seinem 29. Geburtstag als Schlussschwimmer der 4x200-m-Freistilstaffel fast vier Sekunden zu einer weiteren Medaille. Das Europameister-Quartett musste sich nach 7:09,01 Minuten beim Sieg von Großbritannien vor Titelverteidiger USA und Australien mit dem fünften Rang begnügen.

Ins Finale am Samstag schwammen die Ex-Europameisterin Jenny Mensing als Achte über 200 m Rücken und Sarah Köhler als Siebte über 800 m Freistil. Der Olympiavierte Steffen Deibler schied dagegen als Halbfinal-Elfter über 100 m Schmetterling aus. "Ich hatte keine gute Saison", gab der Hamburger zu.

Aufsehen hatte am Morgen die Letzte erregt: Die zehnjährige Alzain Tareq aus Bahrain schwamm zwar über 50 m Schmetterling weit hinterher. Doch die jüngste WM-Teilnehmerin musste danach unzählige Interviews geben. "Ich bin so glücklich", sagte sie und strahlte.

Das Rennen seines Lebens war Koch schon vor der WM geschwommen - im Kopf. Für seinen Traum vom ganz großen Coup hatte er sich sogar hypnotisieren lassen. "Es ist nicht so, dass ich da auf der Couch liege, jemand schnipst mit den Fingern, und ich falle um", sagte er: "Ich denke an das perfekte Rennen."

Staffel: Fildebrandt für Vogel

Beim Start in die WM-Mission hatte allerdings der Magen nicht mitgespielt. Nach der Anreise aus dem Trainingslager im türkischen Belek habe er "die Nacht durch gebrochen". Doch nach den ersten Trainingsbahnen im WM-Becken gab er Entwarnung: "Besser mal was Falsches essen und eine Nacht kotzen als ein Magen-Darm-Virus."

Nach der viertbesten Zeit im Vorlauf wurde Biedermanns Staffel noch einmal umgestellt. Für Florian Vogel ging Christoph Fildebrandt an den Start. Die Topnationen tauschten auf ganz anderem Niveau aus: Bei den USA kam der der fünfmalige Olympiasieger Ryan Lochte hinzu, bei den Briten Einzel-Weltmeister James Guy.

"Die anderen können noch mal wechseln, wir können uns nur noch mal zusammenraufen", sagte Biedermann, der hinter Jacob Heidtmann, Clemens Rapp und Fildebrandt ins Wasser ging. Sein Geburtstag sei "ein Tag wie jeder andere", meinte er: "Heute geht es um die Staffel und nicht um mich."

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