Radsport

Tour de France: "Termin-Krieg!" Der Radsport ringt um einen Kalender

SID
Aktuell steht noch kein neuer Termin für die Tour de France fest.

Die Verschiebung der Tour de France ist unumgänglich. Weil kein Rennen auf seine Austragung verzichten will, droht im Radsport eine Terminschlacht.

Wenn die Tour de France startet, geht die Vuelta in die entscheidende Phase. Wenn die Tour de France endet, wird zeitgleich um WM-Titel gefahren. Die anstehende Verlegung der Frankreich-Rundfahrt in den Spätsommer könnte für schmerzhafte Überschneidungen im Radsport sorgen - und für die Veranstalter zum gnadenlosen Verdrängungswettbewerb werden.

Vom "Krieg um die Termine der Großen" schrieb das spanische Sportblatt Marca getrieben von der Sorge um das Hauptrennen auf der iberischen Halbinsel. Die Vuelta, die gemeinhin letzte der drei dreiwöchigen Landesrundfahrt, würde mit ihrem ursprünglichen Termin (14. August bis 6. September) nicht nur zur ersten im von der Coronakrise umgewälzten Kalender werden. Sie würde auch in die Tour fallen.

Nachdem Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron mit dem Verbot von Großveranstaltungen bis zum 11. Juli den ohnehin kaum zu haltenden ursprünglichen Tour-Termin (27. Juni bis 19. Juli) endgültig gesprengt hat, weicht das wichtigste Rennen der Saison nun nach Informationen der bestens vernetzten Tageszeitung Le Dauphine Libere auf den 29. August bis 20. September aus. Dies sollte bei einer Schalte zwischen dem Weltverband UCI und den Renn-Veranstaltern am Mittwoch festgezurrt werden.

"Es wäre extrem wichtig, dass die Tour stattfindet"

Fahrer und Teams hätten daran nichts zu beanstanden. "Es wäre extrem wichtig, dass die Tour stattfindet, auch im September sollte das kein Problem für uns sein", sagte der deutsche Rundfahrstar Emanuel Buchmann von der Equipe Bora-hansgrohe dem SID. Sein Teamchef Ralph Denk stellte klar: "Wir sind wie die meisten anderen Teams in der Lage, drei Rennen zeitgleich in Europa zu bestreiten. Das lässt sich schon machen. Lieber viele Überlappungen als wenig Rennen. Wir wollen fahren."

Aber: Selbst wenn von Ende Juli bis Mitte November eine Saison durchgeknüppelt werden kann, müssen einige Veranstalter zurückstecken. Noch ist kaum ein Rennen des seit Mitte März ausgesetzten Kalenders gänzlich abgesagt, bis auf die Tour de Romandie und die Tour de Suisse sind alle WorldTour-Wettfahrten lediglich unbestimmt verlegt - der Radsport-Dampfer schiebt eine riesige Bugwelle vor sich her.

"Wenn man Realist ist, bringt man alle Rennen sowieso nicht im Kalender unter", sagte Denk. Der Weltverband UCI hält weiter daran fest, für seine Weltmeisterschaften am Amtssitz im Schweizer Aigle weiter zwei Wochenenden (19. bis 27. September) zu beanspruchen und erntete dafür harsche Kritik. Zumal die Kür des Zeitfahr-Weltmeisters am 20. September - während des voraussichtlichen Tour-Finals - zur Farce zu werden droht.

Komplettabsage wäre der Super-GAU

Hinter den Kulissen verhandelt die UCI verbissen mit den Veranstaltern der größten Rennen, wie der verbliebene Rest des Radsport-Kuchens am besten verteilt werden kann. Die Marca will von einer Übereinkunft zwischen den drei Grand Tours - die alle auf eine dreiwöchige Austragung beharren - wissen, der Tour de France Priorität bei der Terminfindung einzuräumen.

Vuelta (mit einer Überschneidung) und Giro (mit einer Verschiebung in den Oktober) müssten dann mit Einschränkungen leben, die großen Klassiker wie Paris-Roubaix würden dazwischengepresst. Und alles würde dem Ziel untergeordnet werden, dem wirtschaftlichen GAU einer Komplettabsage der Tour zu entgehen.

"Solange die Tour stattfindet, kommen wir mit einem blauen Auge davon", sagte Denk: "Wenn sie nicht stattfindet, wäre es schon blöd."

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