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Pferdesport

Der Freiherr und der Rennsport

Von Rennbahnspion
Karl-Theodor zu Guttenberg (M.) im Kreise der Langläufer Jens Filbrich (l.) und Tobias Angerer
© Getty

Was die Guttenberg-Affäre mit dem Rennsport zu tun hat? Mehr als man denkt. Der Rennbahnspion fordert ein Brainstorming mit Koryphäen.

Nicht nur in der ihm besonders wohlgesonnenen Boulevardzeitung gab es in der vergangenen Woche ein großes Thema  - der Rücktritt von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg. Die Plagiatsaffäre und ihre Folgen spalteten das Land. Das wird in Rennsportkreisen, die über den Tellerrand ihres eigenen kleinen Kosmos hinausschauen, nicht anders sein. Auch hier wurde kontrovers diskutiert um Deutschlands beliebtesten Politiker.

Ein besonders kluger Kopf im hiesigen Pferdesport ist Dr. Christoph Berglar, hocherfolgreicher Züchter und Besitzer aus Köln. Auch er machte sich seine Gedanken über den "Polit-Darling". Normalerweise nichts Ungewöhnliches, doch inzwischen kennt die Einsichten des einstigen Galopp-Funktionärs schon das ganze Land. Und das ist wirklich bemerkenswert.

Denn Sigmar Gabriel, der Vorsitzende des SPD, zitierte in einer Rede über die Bundeswehrreform und den "Guttenberg-Schwindel" ab Minute sechs keinen Geringeren als Dr. Christoph Berglar. Mehrere Minuten lang teilt er im Bundestag den Zuhörern mit, was Berglar in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel geschrieben hat.

An die Wand mit durchaus wegweisenden Ideen

Er und seine Frau als Eltern von sechs Kindern hätten immer versucht, diesen "christliche Werte" beizubringen. Das "Bemühen um Wahrhaftigkeit" und der "Respekt vor dem Eigentum anderer" sei  von immenser Bedeutung, stellt er heraus. Um direkt überzuleiten: "Einer Ihrer Minister hat in gravierendem Maße gelogen, betrogen und gestohlen." Und dann schildert Berglar konkret, dass eine Deckung solcher Vorfälle durch die Bundeskanzlerin nicht zu akzeptieren sei.

Alle Achtung! Damit ist wieder einmal erwiesen, welche schlauen Menschen auf Führungspositionen des Galopprennsports gearbeitet haben. Man denke auch an Winfried Engelbrecht-Bresges, der inzwischen mit dem Hong Kong Jockey Club dem größten Steuerzahler dieser Sonderverwaltungszone Chinas vorsteht, also enorm Karriere gemacht hat  -  hier der Link zu seinem Blog.

Umso schwerer ist zu verstehen, dass ein Mann wie Berglar schon mehrfach vor lauter Frust seine Posten als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Direktoriums oder in leitender Funktion beim Kölner Rennverein oder bei der Besitzervereinigung aufgeben musste. Man hatte den Eindruck, er war es bisweilen leid, entweder mit seiner Meinung nicht angehört worden zu sein beziehungsweise immer wieder gegen Widerstände angekämpft zu haben und dennoch gegen die Wand gelaufen zu sein mit seinen durchaus wegweisenden Ideen.

Brainstorming mit Koryphäen

Daher unsere Frage: Kann es sich der Rennsport in seiner momentan so kritischen Situation wirklich leisten, auf die Mithilfe solch vorausschauender, visionärer und sogar von einer der deutschen Polit-Größen zitierten Persönlichkeiten zu verzichten?

Sollte man nicht viel lieber ein Brainstorming mit den Koryphäen aus den verschiedensten Bereichen des Turfs veranstalten und dann auch etwas davon umsetzen? Nicht nur einen Presse-Workshop wie im Jahr 2010 in Röttgen durchführen und das war´s dann?

Nur im stillen Kämmerlein seine eigenen Ideen aushecken und dann von getreuen Gefolgsleuten abnicken lassen, das will doch bestimmt keiner. Denn wir haben so viele Problem-Themen, die es zu diskutieren und dann auch zu bewältigen gilt. Oder?

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