-->
Cookie-Einstellungen
Leichtathletik

Usain Bolts Weltrekord bei der WM 2009 in Berlin: 9,58 Sekunden für die Ewigkeit

© getty

Warum ist Usain Bolt so schnell?

Was macht Usain Bolt so schnell? Jahrelang zerbrechen sich Wissenschaftler die Köpfe darüber, warum dieser Mann eine "unmögliche" Zeit laufen kann - eine "natürliche" Entwicklung des Weltrekords hätte derartige Zeiten erst Jahrzehnte später überhaupt in Betracht gezogen. Um 0,11 Sekunden verbessert Bolt den Weltrekord in Berlin, einen derartigen Sprung hat es seit Beginn der elektronischen Zeitmessung noch nie gegeben.

Sind es die langen Hebel? Die großen Füße, die langen Zehen, die enorm langen Unterschenkel? Hat er einfach perfekte Voraussetzungen, so wie etwa ein Michael Phelps im Pool? Oder ist es sein Laufstil, der es ihm möglich macht, seine Kraft perfekt auf den Untergrund zu übertragen? Läuft er nicht nur schnell, sondern auch noch effizient?

Die Frage nach unerlaubten Hilfsmitteln muss gestellt werden. "Da brodelt das Adrenalin in den Adern - und wer weiß, was sonst noch alles", unkte Wolf-Dieter Poschmann nur Sekunden vor der neuen Weltbestzeit im ZDF. Jamaikas Kontrollen sind bekanntermaßen lax, sein Staffelgold von Peking verliert Bolt Jahre später, weil ein Teamkollege positiv getestet wird. Andererseits sind seine Tests im Vergleich zu vielen Konkurrenten, darunter auch Tyson Gay, zeit seiner Karriere immer clean.

Auch Folklore bietet eine Antwortmöglichkeit: In seiner Jugend muss Bolt Eimer mit Wasser nach Hause tragen, kilometerweit. "Das waren meine Gewichte", sagt er. "In meiner Heimat gibt es immer etwas: sich durch die Büsche schlagen, Fahrrad fahren, laufen. So trainiert man schon in jungen Jahren die Muskeln."

Oder sind es doch die Nuggets?

Usain Bolts Weltrekord 2009: Nichts ist unmöglich

Fest steht: Ist Usain Bolt erst einmal aus den Blöcken und in der Lage, seine PS auf die Bahn zu bringen, ist kein Kraut mehr gegen ihn gewachsen. Die zweiten 50 Meter sind es, in denen er seine Konkurrenz zermürbt - wo sie langsamer werden, scheint er an Geschwindigkeit zuzulegen. 41 Schritte sind es in Berlin genau, 2,43 Meter lang, mit jedem Schritt nimmt er seinen Gegnern so Zentimeter ab. 20 Meter vor dem Ziel erreicht er eine irrwitzige Höchstgeschwindigkeit von 44,72 km/h.

Wenn Bolt eine Schwäche hat, dann ist es sein Start, so heißt es - doch halt, auch das stimmt nicht. Für seine Verhältnisse ist Bolt nämlich ein ausgesprochen guter Starter: Ein Sprinter seiner Statur sollte gar nicht so schnell aus den Blöcken kommen.

In Berlin erwischt Bolt, wie er später sagt, den "perfekten Start". Bereits nach 20 Metern hat er Gay und Landsmann Asafa Powell, den früheren Weltrekordhalter, um ein paar Hundertstel hinter sich gelassen. Nach 40 Metern sind es sechs Hundertstel auf Gay, nach 60 Metern acht, dann zehn, im Ziel schließlich 13 Hundertstel.

So unglaublich ist seine Zeit an diesem Abend, dass ihm selbst die geschlagene Konkurrenz nicht böse sein kann. "Als ich die Zeit sah, wusste ich, dass ich zu ihm aufschließen muss", sagt Powell, "doch selbst nach dem Ziel konnte ich das nicht." Gay, der mit 9,71 Sekunden die drittschnellste Zeit der Geschichte läuft, sieht seinen Sport bestätigt: "Ich bin froh, dass er eine 9,5 laufen und zeigen konnte, dass es dem Menschen möglich ist. Leider war nicht ich es."

9,58 Sekunden. Unglaublich. Unmöglich.

Hätte Usain Bolt noch schneller laufen können?

Wie schnell diese Zeit wirklich war, lässt sich wohl am besten damit beschreiben: Selbst ein Usain Bolt kann diese Zeit nie wieder angreifen. 2012 läuft er im Finale von London 9,63 Sekunden, danach ist diese Dimension auch für ihn außer Reichweite. "Ich hatte das Gefühl, dass ich diese Zeiten sogar noch verbessern könnte. Das haben Verletzungen leider verhindert", sagt er.

Hätte er tatsächlich noch schneller laufen können? Fünf Tage vor seinem 23. Geburtstag traf Bolt in Berlin sehr gute, aber nicht perfekte Bedingungen an. 0,9 Meter Rückenwind/Sekunde trieben ihn an, erlaubt sind für offizielle Rekorde bis zu zwei Meter/Sekunde. Auch seine Reaktionszeit am Start war mit 0,146 Sekunden ausbaufähig. Powell brachte es auf 0,134 Sekunden, der fünftplatzierte Richard Thompson kam sogar nach 0,119 Sekunden aus den Blöcken.

Eine Zeit in Richtung 9,50 Sekunden wäre also nicht unmöglich. Und dann war da noch das Finish in Berlin: Im Vergleich zu Peking zog Bolt zwar durch, doch angesichts der abfallenden Konkurrenz schaute er schon vor der Ziellinie nach links zur Uhr - zu einhundert Prozent durchziehen musste er nicht. Wobei: Das musste ein Bolt in Topform eigentlich nie. Man vergleiche den Lauf in Berlin nur mit dem Olympia-Finale 2016 in Rio, als Bolt sich auf der "Zielgeraden" seiner Karriere befand, und über die ersten 80 Meter kämpfen musste wie nie zuvor.

Zu einem noch schnelleren Usain Bolt hat womöglich also nur eine Sache gefehlt: ein zweiter Usain Bolt.

Bei der Leichtathletik-WM in Doha wären die Veranstalter auch mit einem einzigen Bolt zufrieden. Zwar werden mit den Amerikanern Christian Coleman und Noah Lyles vielversprechende Talente in den Startblöcken stehen, doch noch fehlt ihnen die Überlebensgröße eines Usain Bolt - in Sachen Schnelligkeit und in Sachen Charisma. "Eines Tages wird da jemand sein, der meine Zeiten unterbieten sein", ist sich Bolt zwar sicher, aber wann das sein wird, das steht in den Sternen.

Jener Abend in Berlin, er dürfte für eine sehr lange Zeit einzigartig bleiben.

Man muss schließlich auch an die Fotografen denken.

Die 100-Meter-Weltmeister der letzten Jahre

WMSiegerZeit (Sekunden)
2001Maurice Greene (USA)9,82
2003Kim Collins (St. Kitts and Nevis)10,07
2005Justin Gatlin (USA)9,88
2007Tyson Gay (USA)9,85
2009Usain Bolt (Jamaika)9,58
2011Yohan Blake (Jamaika)9,92
2013Usain Bolt (Jamaika)9,77
2015Usain Bolt (Jamaika)9,79
2017Justin Gatlin (USA)9,92
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung