Leichtathletik

Mutko: Anti-Doping-System erneuern

SID
Russland will sein Anti-Doping-System neu aufbauen
© getty

Russland will nach der Suspendierung durch die WADA sein Anti-Doping-System erneuern. Russlands Athleten kündigten derweil an, die ARD und deren Whistleblower verklagen. NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer sieht die Suspendierung nicht gleich als Aus für Groß-Events in Russland.

"Wir haben die Entscheidung der WADA erwartet. Wir sind bereit, unser Anti-Doping-System neu aufzubauen", verspricht Mutko weiter.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte die russische Agentur RUSADA am Mittwoch suspendiert. Die WADA folgte damit einer zentralen Forderung einer unabhängigen Kommission, die unter anderem systematische Dopingverstöße unter Einfluss der Politik in Russland festgestellt hatte. Auch Mutko war Mitwisserschaft vorgeworfen worden.

Durch die Suspendierung darf Russland für die Dauer der unbefristeten Suspendierung keine internationalen Sport-Großereignisse veranstalten und auch nicht an solchen teilnehmen.

Umsetzen müssen die WADA-Sanktionen allerdings die Verbände. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat Russland bereits ausgeschlossen.

Athleten wollen klagen

Mutko forderte nun die WADA auf, zumindest das ebenfalls gesperrte Anti-Doping-Labor in Moskau wieder zuzulassen. "Durch das Stoppen aller Aktivitäten unserer Anti-Doping-Institutionen stockt auch unser Kampf gegen Doping auf russischem Grund und Boden. Ich denke, die WADA versteht dies."

Russische Sportler, die im Zuge des Leichtathletik-Skandals vor Dopingsperren stehen, wollen die ARD und deren Whistleblower verklagen. "Wir werden eine Sammelklage einreichen, alle Beschuldigten - zumindest die Athleten", sagte Mittelstrecken-Läuferin Kristina Ugarowa, die vor einer lebenslangen Dopingsperre steht, dem russischen Portal R-Sport.

"Wir werden wegen Verleumdung und übler Nachrede Klagen. Es wird auch eine Klage gegen die ARD geben", sagte Ugarowa. Aber vor allem werde man "diese Stepanows" vor Gericht bringen, ergänzte die Läuferin, "erst vor ein Landgericht, dann vor Gerichte auf ernsterem Niveau".

Die ehemalige Läuferin Julia Stepanowa und ihr Mann Witali Stepanow, ein Ex-Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA, hatte in der ARD-Dokumentation gegen das System ausgesagt und teilweise mit versteckter Kamera gefilmt.

ARD-Dokumentation als Auslöser

Die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" war Ausgangspunkt von Ermittlungen einer unabhängigen Kommission, deren Forderungen mittlerweile zur Suspendierung der russischen Anti-Doping-Behörden durch die WADA sowie des Leichtathletik-Verbandes ARAF durch den Weltverband IAAF führte.

Russische Sportler müssen damit befürchten, nicht an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro oder anderen Großveranstaltung teilnehmen zu dürfen. Unter diesem Druck waren zuletzt in Russland zahlreiche Dopingverfahren ins Rollen gekommen.

Suspendierung kein Aus

Sportliche Großereignisse sind in Russland auch nach der Suspendierung der nationalen russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) möglich. Das Aus der RUSADA sei nur als eine "deutliche Empfehlung" der WADA an die internationalen Sportverbände zu verstehen, wie NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer dem SID sagte.

Die Verbände müssten nun "selbst darüber entscheiden, ob in Russland ein Event ihres Verbandes stattfinden soll oder ob russische Sportler bei einem Event ihres Verbandes im Ausland starten dürfen", erklärte Mortsiefer.

Der Doping-Jäger würde sich aber wünschen, dass die Verbände die Empfehlung beachten und den Druck auf den russischen Sport erhöhen. "Und nur so gibt es Hoffnung, dass sich dort etwas ändert. Nach alledem, was wir nun von der Independent Commission der WADA gehört haben, fürchte ich allerdings, dass das in Russland nicht so schnell passieren wird."

Dass die UEFA die Empfehlung sofort umsetzt und Europapokalspiele wie den Auftritt des VfL Wolfsburg am kommenden Mittwoch bei ZSKA Moskau in der Champions League absetzt, glaubt Mortsiefer nicht.

"Die Empfehlung richtet sich eher an Großveranstaltungen wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele", sagte der Jurist. Zudem sei es rechtlich schwer, in den laufenden Betrieb eines Wettbewerbs einzugreifen.

Wie die Europäische Fußball-Union (UEFA) auf SID-Anfrage erklärte, seien Champions-League-Spiele auf russischem Boden nicht betroffen. Es würden Doping-Kontrolleure aus neutralen Ländern eingesetzt und in Laboren außerhalb Russlands getestet, hieß es in einer Mitteilung der UEFA.

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