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Fussball

"Und dann so ein Mist! Eine Katastrophe!"

SID
Dariusz "Tiger" Michalczewski mit den beiden Fan Scouts Andre (l.) und Martin
© Hyundai Fan Scout

Frage: Ihr ehemaliger Stall Universum hat in den letzten Jahren einen drastischen Niedergang erlebt. Haben Sie noch Kontakt zu Klaus-Peter Kohl?

Michalczewski: Nein, zu Kohl habe ich keinen Kontakt. Wir sind in ganz schlechtem Stil auseinandergegangen.

Frage: Wie konnte es soweit kommen?

Michalczewski: Kohl hat sich überschätzt und so sein Lebenswerk kaputt gemacht. Das tut ihm wahrscheinlich weh, aber er hat falsche Entscheidungen getroffen.

Frage: Welche meinen Sie?

Michalczewski: Er hat seinen Schwiegersohn da rein gebracht, der keine Ahnung vom Boxen hat. Kohl hat Peter Hanraths entlassen und hat Angebote zur Zusammenarbeit, unter anderem von mir, nicht angenommen. Später wollte er wieder, aber da war das Schiff schon gesunken.

Frage: Also hätten Sie doch noch Lust auf einen Job im Boxsport?

Michalczewski: Als Sportdirektor wäre ich ideal. Ich kenne die Leute, ich weiß, wie die Szene funktioniert.

Frage: Sie haben in der Vergangenheit öfter mit einem Comeback als aktiver Boxer geliebäugelt, zuletzt hieß es, sie wollen gegen den ehemaligen Superstar Roy Jones Jr. ran. Ist da was dran?

Michalczewski: Angebote waren da, aber ich habe gesagt, dass ich nicht für unter zehn Millionen Euro boxen werde. Ich muss entscheiden, was für mich als Ex-Sportler lukrativ ist. Boxe ich für zwei Millionen, blamiere mich vielleicht in der Öffentlichkeit und schade damit meiner Marke?

Frage: Ihr Erzrivale aus vergangenen Tagen, Graciano Rocchigiani, hat Ihnen Anfang des Jahres einen Vorwurf erneuert: Sie hätten gekniffen, als es darum ging, eine dritte Auflage ihres Duells zu inszenieren.

Michalczewski: Ich wollte nicht boxen, weil das Geld nicht gestimmt hat. Ich bin kein Idiot. Ich muss nicht für kleines Geld boxen. Ich bin ein Geschäftsmann und habe meinen Preis. Wenn das Geld stimmt, boxe ich morgen gegen Graciano. Aber nicht für 600.000 Euro. Graciano hat das Geld gebraucht, der hätte sogar für 100.000 geboxt, aber ich nicht.

Frage: In seinem Buch "Durchgeboxt" hat Ihr ehemaliger Trainer Fritz Sdunek behauptet, Sie hätten beim ersten Kampf gegen Rocky eine Verletzung vorgetäuscht, um so die Disqualifizierung Ihres Erzrivalen zu provozieren.

Michalczewski: Ich habe mit Fritz gesprochen. Er hat gesagt, es sei falsch interpretiert worden. Ich habe das Buch selbst nicht gelesen. Die "Bild"-Zeitung hat das wohl aus dem Kontext gerissen. Aber mich juckt das ohnehin überhaupt nicht. Letztlich war es sicher nur PR, um das Buch besser zu verkaufen. Ich bin da nicht sauer. Ich habe meinen Titel 23 Mal verteidigt, war in drei Verbänden und zwei Gewichtsklassen Weltmeister. Wer meine Karriere madig machen will, hat einfach keine Ahnung. Ich weiß, was ich geschafft habe, wie viele Leute zu meinen Kämpfen gekommen sind und welche Einschaltquoten ich erzielt habe. Ich finde, ich habe eine super Karriere gehabt.

Frage: Sie waren mehrfacher Weltmeister, trotzdem hat man Ihnen immer wieder vorgeworfen, Sie hätten nur schwache Gegner geboxt. Ein Vorwurf, mit dem auch die Klitschkos zu kämpfen haben. Zu Recht?

Michalczewski: Die Klitschkos dominieren das Schwergewicht. Sie haben einfach keine Konkurrenz. Der letzte Kampf von Wladimir gegen den kleinen Franzosen Mormeck hat das wieder gezeigt. Aber da können die Klitschkos nichts dafür. Sie haben große Kämpfe gezeigt, wie Witali gegen Lennox Lewis. Sie sind beide Top-Athleten und clevere Jungs, die super Werbung für den Boxsport machen.

Frage: Rocchigiani kritisierte, dass Boxen heute ziemlich "stinke". Es gebe zu viele Verbände mit zu vielen wertlosen Titeln. Hat er Recht?

Michalczewski: Das Boxen hat immer gestunken. Graciano hat sich immer nur beschwert. Für ihn war immer alles Scheiße und Betrug. Er war derjenige, der es nicht geschafft hat. Da muss er sich an die eigene Nase fassen. In meinem letzten Kampf wurde ich auch betrogen, aber ich meckere nicht rum. Aber prinzipiell schaden die vielen wertlosen Titel. MMA wird immer populärer, weil es echter ist. Die Leute lassen sich nicht verarschen.

Frage: Was denken Sie, wenn Sie hören, dass ein Marco Huck aus dem Cruisergewicht ins Schwergewicht aufsteigt und sofort eine WM-Chance erhält?

Michalczewski: Ich bin auch vom Halbschwergewicht ins Cruisergewicht gegangen und habe den Gürtel geholt. Also kann ich nichts Schlechtes darüber sagen. Das ist absolut legitim. Beide Boxer waren bei Sauerland, und dann bekommt man eben die Chance.

Frage: Auch der Kampf zwischen David Haye und Dereck Chisora schlug große Wellen. Was halten Sie davon?

Michalczewski: Das wird interessant. Das wichtigste ist eben, was die Zuschauer sehen wollen. Boxen ist nun mal ein Geschäft.

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