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Boxen

Saul Alvarez: Mexikos nächster Superstar

Von Bärbel Mees
Saul Alvarez wird bereits als "James Dean des Boxens" bezeichnet
© Getty

Seine Kämpfe haben ebenso hohe Einschaltquoten wie die einheimische Fußballnationalmannschaft und bei seinen Fights werfen junge Mexikanerinnen ihre Unterwäsche in den Ring: Saul Alvarez, erst 20 Jahre alt, aber schon jetzt die Box-Hoffnung einer ganzen Nation.

In Europa ist er nahezu unbekannt, doch in seinem Heimatland wird er bereits als Superstar gefeiert: Saul Alvarez. Mit seinen roten Haaren und den Sommersprossen ähnelt er weniger dem typischen mexikanischen Boxer als vielmehr einem englischen Internatsschüler. Und doch ruhen auf seinen Schultern die Erwartungen einer ganzen Nation.

Wenn er am 5. März gegen Matthew Hatton (41-4-2) um den vakanten Gürtel der WBC im Halbmittelgewicht kämpft, werden wieder Millionen eingefleischter Fans vor dem Fernseher sitzen, darunter zahlreiche Mädels im Teenageralter.

Denn im Alter von erst 20 Jahren hat Alvarez bereits die Popularität eines Rockstars und beschert der Boxwelt dadurch die ein oder andere skurrile Situation: Mädels, die während seiner Kämpfe wie bei einem Boygroup-Auftritt kreischen, sind beinahe ebenso an der Tagesordnung wie in den Ring fliegende BHs.

Alvarez gefällt es und seine Konzentration stört das Verhalten seiner Fans nicht. "Ich bekomme es zwar bei meinen Kämpfen nicht mit, wie die Mädels durchdrehen, aber ich werde sie nicht davon abhalten", erklärt der Youngster mit einem schelmischen Grinsen. Überhaupt: Alvarez genießt seine wachsende Berühmtheit, plaudert gern mit den Fans und nimmt sich viel Zeit für die Journalisten.

James Dean des Boxens

"Ich beobachtete ihn, wie er mit den Menschen umgeht, und um ehrlich zu sein: Er ist wie ein mexikanischer James Dean. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Das Aussehen, das Charisma. Meine Frau ist Mexikanerin und meinte, dieser Junge wäre etwas Besonderes", versucht Richard Schaefer das Phänomen Alvarez zu erklären.

Der Promoter von Golden Boy verfolgt den Werdegang des Box-Wunderkindes seit Jahren und nahm ihn 2010 unter Vertrag.

"Die Mexikaner warten auf den nächsten großen Star und realisieren, dass Julio Cesar Chavez Jr. es nicht sein wird. Aber sie haben diesen Jungen begeistert angenommen. Es ist unglaublich, wie leidenschaftlich alle in Bezug auf ihn sind."

Auch Mentor Oscar de la Hoya gerät ins Schwärmen, sobald er von Alvarez spricht: "Er hat alles, was man braucht. Er hat das Können und die Ausstrahlung. Er hat ein gutes Kinn, kann schlagen und er ist clever. Er hat das ganze Paket."

Karriere im Schnelldurchlauf

Vor allem aber legte er seine bisherige Karriere im einzigartigen Schnelldurchlauf hin: Mit 13 Jahren fing Alvarez an zu boxen und wechselte nach nur zwei Jahren Training und 20 Amateurkämpfen im Gepäck 2005 ins Profigeschäft.

Jetzt, sechs Jahre und sage und schreibe 36 Fights später, ist der junge Mexikaner noch immer ungeschlagen, hat starke Gegner wie Jose Miguel Cotto und Ex-Weltmeister Carlos Baldomir zermürbt. Nur 2006, bei seinem fünften Profikampf, musste er gegen Jorge Juarez ein Unentschieden einstecken. Mit 20 Jahren hat Alvarez schon mehr Kämpfe bestritten als Arthur Abraham (34 Kämpfe) oder Marco Huck (32). Und: Er hat sich ambitionierte Ziele gesteckt.

"Ich möchte jedem zeigen, dass ich Weltmeister werden kann und bereit bin, gegen die Besten zu boxen. Ich möchte all die großen Namen boxen, Shane Mosley, Manny Pacquiao, Floyd Mayweather Jr. Mein Ziel ist es, mein volles Potential zu erreichen und großen Erfolg zu haben. Ich will weiterhin zeigen, dass ich mich mit jedem Kampf verbessere."

Neben seinem Lerneifer aber ist vor allem Alvarez' Reife ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. Während andere Boxer ihre Gegner vor den Fights mit Trash-Talk provozieren und nicht selten beleidigen, sagt der Mexikaner nachdenklich Sätze wie: "Für mich ist dieser Kampf Teil eines Lernprozesses" oder "Die Verantwortung, die ich trage, ist groß, aber ich bin mir sicher, dass ich damit umgehen kann."

Bereit für die WM-Chance

Selbst als Baldomir vergangenen September tönte, der Kampf gegen den Youngster sei für ihn das Ticket zurück in die Boxszene und Alvarez selbst diene ihm nur als Sprungbrett, konterte der 20-Jährige mit Worten, aus denen großer Respekt spricht.

"Ich weiß, dass Baldomir ein harter Fighter ist. Er hat einigen der Besten gegenübergestanden. Ich muss gegen Boxer wie Baldomir bestehen können, wenn ich Weltmeister werden will. Aber ich bin bereit für diese Chance. Für mich ist es eine Ehre, gegen ihn zu kämpfen."

Alvarez überzeugte gegen Baldomir, kämpfte drei Monate später gegen Lovemore N'dou und steht nun Matthew Hatton, dem jüngeren Bruder von Ricky, im Kampf um den vakanten Gürtel der WBC gegenüber.

Keine Angst vor Manny Pacquiao

Mit erst 20 Jahren hat er die Chance, Weltmeister zu werden.

Ein Alter, in dem sich Boxer wie Wladimir Klitschko und Marco Huck erst auf den Wechsel ins Profigeschäft vorbereiteten.

Geht Alvarez' Karriere ähnlich so rasant weiter wie bisher, scheint auch ein Fight gegen Pacquiao nicht ausgeschlossen. Doch überstürzen will der junge Mexikaner dennoch nichts.

"Ich bin erst Ende des Jahres so weit, dass ich gegen Pacquiao kämpfen könnte. Dann habe ich drei oder vier weitere Kämpfe hinter mir. Ich habe keine Angst vor ihm, denn er ist nicht unbesiegbar."

Die Weltranglisten der Verbände im Überblick

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