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Basketball

FC Bayern Basketball - Marko Pesic im Interview: "Wenn wir das schaffen, sind wir 2025 in Europa top, top, top"

Marko Pesic hat seinen Vertrag bis 2025 verlängert.

Die schönste Geschichte, egal, was noch kommt, hat in jedem Fall Paul Zipser geschrieben. Er stand jetzt neun Monate nach seiner Hirn-Operation wieder auf dem Parkett. Wie würden Sie beschreiben, was dieser Moment für Sie bedeutet hat?

Pesic: Pauls Geschichte ist einzigartig und bedeutet mir und uns allen unendlich viel. Ich kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, als ich Paul nach der OP das erste Mal besucht und ihn gesehen habe. Ich wusste natürlich, dass er ein Kämpfer ist und dass er sich schon nach vielen Verletzungen zurückgekämpft hat. Aber das war kein Kreuzbandriss. Das war etwas ganz anderes. Ich hätte ein Comeback damals nicht so schnell für möglich gehalten, das muss ich ehrlich zugeben. Aber je mehr Zeit verging, desto klarer wurde, wie Paul Fortschritte machte. Ich habe auch hautnah erlebt, wie sich seine Persönlichkeit verändert hat. Das war sehr beeindruckend. Und da war mir klar: Er packt das auf jeden Fall - die Frage ist nur, wie schnell es geht. Wenn ich ihn jetzt sehe, nicht nur die ersten Sekunden auf dem Feld; wenn ich sehe, wie viel er lacht, und er war nie jemand, der so viel gelacht hat, dann ist das insgesamt einfach eine unglaubliche und unglaublich bewegende Geschichte.

Sollte Bayern in dieser Saison nicht nur die Playoffs, sondern sogar das Final Four erreichen, würde die Reise nicht nach Berlin, sondern nach Belgrad gehen. Die EuroLeague hat das Final Four Berlin aus Corona-Erwägungen "weggenommen". Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Pesic: Mein erster Reflex war wahrscheinlich der gleiche, den Sie oder den auch viele Fans hatten: Gibt es in Belgrad die Pandemie nicht mehr? Das ist erstmal schwer zu verstehen. Aber wenn man sich etwas näher damit beschäftigt, merkt man, dass diese Entscheidung verschiedene Ebenen hat und dass verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt haben. In Deutschland wissen wir zum Beispiel aktuell nicht genau, wie die Corona-Lage ab dem 20. März sein wird. Sind die Stadien und Hallen dann wieder voll? Wir müssen bedenken, dass die EuroLeague vor zwei Jahren komplett auf das Final Four verzichten musste und im vergangenen Jahr fand das Event in Köln ohne Fans statt. Und die EuroLeague musste jetzt eine Entscheidung treffen. Der nächste Punkt ist, dass wir eine Problematik mit den Impfstoffen und den Zertifikaten haben. Wenn Fans aus anderen Ländern zu uns kommen, wird nicht jeder Impfstoff bei uns akzeptiert. Die EuroLeague will aber natürlich möglichst viele Fans dabei haben in diesem Jahr. Das heißt nicht, dass in Belgrad Anarchie herrschen wird, bitte nicht falsch verstehen. Dort wird es auch ein Hygienekonzept geben, aber das sind alles wichtige Punkte. Und wenn man sie alle sieht, verstehe ich die Entscheidung.

Pesic: "Machen wir weiter Glücksspiel?"

Aber es ist sehr bitter für Berlin und für Basketball-Deutschland generell.

Pesic: Es wirkt bitter, aber nach allem, was ich weiß, will die EuroLeague versuchen, dafür 2024 oder 2025 nach Berlin zu kommen mit dem Event. Berlin wird das Final Four also nicht komplett für alle Ewigkeit entzogen. Das ist nur aufgeschoben.

Wenn wir die Situation im europäischen Basketball im Allgemeinen beleuchten, wie blicken Sie in die Zukunft. Optimistisch oder desillusioniert?

Pesic: Desillusioniert bin ich auf keinen Fall. Wenn das so wäre, würde ich nicht mehr in der Branche arbeiten. Nein, mir geht es darum, dass wir alle aus der Corona-Pandemie die richtigen Lehren ziehen und dabei den gesamten europäischen Basketball im Blick haben. Wir haben jetzt eine gute Gelegenheit, unser komplettes Finanzierungssystem zu überprüfen. Wie kontrollieren wir die Finanzen? Wie viel können wir ausgeben? Wie viel Prozent des Budgets sollten Personalkosten für die Mannschaft ausmachen? Wie viel muss ich ins Backoffice investieren? Für uns bei Bayern kann ich ganz klar sagen, dass Corona die Bedeutung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch mal erhöht hat. Ohne ihr Know-how hätten wir das alles nicht stemmen können. Jetzt ist die Zeit, dass diese Fragen auf den Tisch kommen. Und dann müssen wir uns entscheiden: Wollen wir einen finanziell nachhaltigen Wettbewerb auf die Beine stellen? Oder machen wir weiter ein Glücksspiel ohne jeden Absicherungsmechanismus? Ich hoffe, dass die Antwort klar ist.

Sie haben Ihren Vertrag als Geschäftsführer kürzlich vorzeitig um drei weitere Jahre bis 2025 verlängert. Was sind Ihre größten Ziele, die in den nächsten Jahren auf der Agenda stehen?

Pesic: Ein ganz wichtiges Projekt ist der SAP Garden, der ja Ende 2023 fertig sein soll. Meiner Einschätzung nach wird diese Halle für die Zukunft des Vereins ein Meilenstein sein, sie wird die Zukunft maßgeblich bestimmen. Einfach, weil der SAP Garden uns in jeder Hinsicht neue Möglichkeiten eröffnet. Die NFL kommt in diesem Jahr nach München, der FC Bayern hat eine Kooperation mit den Kansas City Chiefs, das ist ein großer Verdienst des US-Büros in New York. Wir haben 2019 auch eine Tour in die USA und dann nach Südamerika unternommen. Wir sprechen auch mit der NBA und mit NBA-Teams, aber ein Spiel in München war nie eine Option, weil uns die passende Halle gefehlt hat. Das ändert sich jetzt und gibt uns auch hier neue Anknüpfungspunkte. Die Halle ist aber nur ein Punkt.

Pesic: "Das ist vor allem auch der Verdienst von Hasan"

Was zählt noch dazu?

Pesic: Wir wollen am FC Bayern Campus ein Performance Center errichten, das wird eine großartige Geschichte. Wir möchten außerdem den Audi Dome wiederbeleben als echte Eventstätte in der Metropolregion München. Das sind alles Punkte, die nichts direkt mit der Mannschaft zu tun haben, sondern mit der strategischen Weiterentwicklung. Und es sind Projekte, die wir angeschoben haben und die wir bis 2025 zu Ende gebracht haben sollten. Wenn wir das schaffen, sind wir 2025 in Europa top, top, top. Nicht nur sportlich, auch logistisch, infrastrukturell und organisatorisch. Das motiviert mich. Ich hatte sehr gute Gespräche mit Herbert Hainer, der auch als Persönlichkeit immer sehr strategisch denkt. Danach hatte ich mehr denn je die Überzeugung, dass es mehr als unklug wäre, jetzt etwas anderes zu machen. Ich bin hier noch nicht fertig. Und ich habe zum Glück das Gefühl, dass ich den Menschen auch nach elf Jahren bei uns noch nicht zu sehr auf die Nerven gehe. (lacht) Wenn das eines Tages der Fall sein sollte, bin ich sofort weg.

Sie haben Herbert Hainer angesprochen, mit wem stehen Sie innerhalb des FC Bayern sonst am meisten im Austausch?

Pesic: Am meisten mit Hasan Salihamidzic, unser Austausch ist sehr intensiv. Wenn der eine etwas vom anderen braucht, sind wir immer füreinander da. Ich mag Menschen, die wenig Wert auf die allergrößte Eigenvermarktung legen. Das ist bei Hasan der Fall. Nicht, dass es ihm egal wäre, aber er könnte viel mehr Wert auf seine Außendarstellung legen. Doch das ist ihm nicht so wichtig. Seine Priorität liegt immer auf dem Verein. Ich bin sicher subjektiv in der Bewertung, aber wenn ich mir anschaue, wie gut und wie geräuschlos Bayern im Fußball den Generationswechsel geschafft hat, gerade im Vergleich zu Barca oder Real, welche Kaderstruktur man jetzt hat mit vielen Spielern, die auf Jahre hinaus eine Ära prägen können, dann ist das für mich vor allem auch der Verdienst von Hasan. Und das alles innerhalb ganz anderer finanzieller Rahmenbedingungen als manch anderer Klub in Europa. Er macht einen super Job.

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