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Basketball

Basketball - John Bryant im Interview: "In Per Günther steckt viel von Shaquille O'Neal"

Von Thomas Lehmitz
John Bryant feiert mit Marco Pesic die Meisterschaft 2014.

Zweimal MVP, mit 5000 Punkten hinter Rickey Paulding der beste noch aktive Scorer der Liga: "Big John" Bryant ist eine BBL-Legende. Im Interview mit SPOX spricht der 34-Jährige über eine Messerattacke am College und seine Zeit bei Bayern München, die von harscher Kritik von Trainer Svetislav Pesic geprägt war.

Bryant verrät, warum Ulms nur 1,84 Meter großes Basketball-Idol Per Günther durchaus Gemeinsamkeiten mit dem 2,16-Meter-Koloss Shaquille O'Neal hat. Außerdem erzählt der Center vom Mitteldeutschen BC, wie er einst beinahe bei den Dallas Mavericks gelandet wäre.

Herr Bryant, ob Tom Brady, Rafael Nadal oder LeBron James - Sportlerkarrieren können heutzutage lange dauern. Wie lange werden Sie noch spielen?

John Bryant: Ich will so lange spielen, wie ich nur kann. Ich will nicht aufhören und dann denken: "Hey, du hättest noch ein, zwei Jahre mehr spielen können." Andererseits will ich auch selbst entscheiden, wann Schluss ist, und nicht durch eine Verletzung oder so ausgebremst werden.

Ihre Laufbahn begann am Santa Clara College. Dort soll Sie ein Coach gezwungen haben, sich die Haare zu schneiden. Ist die Geschichte wahr?

Bryant: Ja, die Geschichte stimmt. (lacht) Wir haben damals ein unwichtiges Testspiel gegen eine Mannschaft aus einer unteren Liga mit zwei Punkten verloren. Unser Coach war mächtig sauer. Am nächsten Tag rief er mich in sein Büro und zeigte mir eine Videoaufnahme, bei der ich mir im Zurücklaufen die Haare aus dem Gesicht gestrichen habe. "Die schneidest du bis zum nächsten Training ab, oder du wirst nicht mehr spielen", schimpfte er. Also hatte ich für den Rest meiner College-Zeit eher eine Kurzhaar-Frisur.

Dem Santa Clara College sind großartige Spieler entsprungen, beispielsweise der zweifache NBA-MVP Steve Nash. Wer war zu College-Zeiten Ihr Vorbild?

Bryant: Definitiv Shaquille O'Neal. Ich hatte gerade mit Basketball angefangen, als er zu den Los Angeles Lakers gewechselt ist. Seine Dominanz auf dem Feld war unglaublich. Aber es ging mir gar nicht nur um den Spieler auf dem Feld, sondern auch um den Menschen. Diese lustige, unterhaltsame Art habe ich immer bewundert. Genau mein Typ. Vielleicht ist Shaq von der Art her ein bisschen wie ich selbst.

Sie haben allerdings längst nicht nur lustige Erinnerungen ans College. Eines Tages wurden Sie Opfer einer Messerattacke. Wie kam es dazu?

Bryant: Die Erinnerung daran ist etwas verblichen, aber mir wurde tatsächlich mit einem Messer in den Rücken gestochen. Ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Sache war so: Auf der Suche nach einer Party ging ich mit Freunden auf dem kleinen Campus von Haus zu Haus. Irgendwann wurden wir auf der Straße von ein paar Typen angepöbelt. Wir haben gar nicht groß darauf reagiert, winkten ab und gingen weiter. Plötzlich spürte ich etwas am Rücken, es gab ein kleines Gerangel. Es fuhr ein Auto vorbei, woraufhin die Typen abgehauen sind. Als sich dann alle wieder beruhigt hatten, sagte einer der Freunde zu mir: "Hey, du blutest ja." Ich tastete mit meiner Hand den Rücken ab - sie war voller Blut.

Was geschah dann?

Bryant: Es war zum Glück nicht so dramatisch. Es wurden keine Organe verletzt und die Wunde musste nur mit drei Stichen genäht werden. Nach zwei Wochen war ich zurück auf dem Spielfeld. Mein Leben hat sich durch den Angriff nicht groß verändert. Die Welt ist eben ein verrückter Ort.

John Bryant: "Günther ist wie ein Hühnchen rumgerannt"

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der D-League wechselten Sie 2010 nach Ulm. Dabei soll der damalige Ulm-Trainer Mike Taylor eine große Rolle gespielt haben.

Bryant: Ich war im ersten Jahr nach dem College sozusagen ein klassischer Amerikaner. Ich wollte in den USA bleiben und spielte in der Summer League für die Sacramento Kings. Dann hatte ich ein Treffen mit Mike. Seine Begeisterung und sein Enthusiasmus für die Stadt Ulm und auch für mein Spiel waren ansteckend, das hat mich letztlich umgestimmt. Heute weiß ich: Es war die richtige Entscheidung.

Weil es in Ulm sofort gepasst hat - in Ihren drei Jahren an der Donau wurden Sie zweimal BBL-MVP.

Bryant: Genau. Dass es in Ulm sofort so gut geklappt hat, lag vor allem an meinen Teamkameraden. Der damalige Center Coleman Collins hat mir sehr geholfen, mich an das Leben in Deutschland anzupassen. Und natürlich war und ist auch Per Günther ein großartiger Typ. Er hat auf und neben dem Platz alles dafür getan, um mich zu unterstützen. Gleichzeitig kamen meine lustige und authentische Art gut an. Das alles zusammengenommen hat Ulm zum perfekten Umfeld für mich gemacht. Ich konnte bei den Fans beliebt sein und erfolgreich Basketball spielen.

Sie haben Per Gütnher angesprochen, zu dem Sie bis heute eine Freundschaft verbindet. Wie würden Sie ihn als Mensch beschreiben?

Bryant: Wir sind uns sehr ähnlich. Er macht auch gerne Witze und albert herum - eine wahre Frohnatur. In Per steckt viel von Shaquille O'Neal. Er ist Shaq sogar viel ähnlicher als ich selbst. Sein Selbstvertrauen ist grenzenlos und die Leute würden für seine Witze Geld zahlen. Einmal hat er vor einer Partie den Dialekt eines Spielers nachgemacht und sagte: "Dein Oberkörper ist stark, aber alles darunter sieht aus wie bei einem Hühnchen." Beim Warmmachen ist er dann die ganze Zeit mit angewinkelten Armen wie ein Hühnchen rumgerannt - wahnsinnig komisch. Ich muss heute noch lachen, wenn ich daran denke. Ich kann mich auch an keinen einzigen Streit oder Ärger mit ihm erinnern. Wenn Per sauer ist, dann muss wirklich etwas falsch gelaufen sein. Wir treffen uns auch heute noch. Das passt ganz gut. Wir haben beide zwei Söhne, die spielen gerne miteinander.

Und wie würden Sie Günther als Basketballer beschreiben?

Bryant: Als ich mit ihm zusammen gespielt habe, war er schnell und wendig. Seinen Wurf hat er stetig verbessert und damit auch sein Spiel. Bei allen Witzen ist er aber auch ein Wettkämpfer und will unbedingt gewinnen.

Bryant: "Früher hieß es nur: 'Ab mit dir unter den Korb'"

Günther ist seit vielen Jahren eines DER Gesichter der Liga, am Ende der Saison hört er auf. Ein herber Verlust?

Bryant: Es ist echt ein großer Einschnitt für die BBL, wenn er nicht mehr dabei ist. Er hat so lange konstant gespielt, ist sehr authentisch und sagt gerade heraus, was er denkt. Er ist einfach er selbst und die Menschen mögen ihn dafür. Er ist definitiv ein Gesicht des deutschen Basketballs. Das liegt auch daran, dass er immer in Ulm geblieben ist. Er hat viel für die Stadt geleistet, war immer nah an den Fans dran. Das macht ihn aus.

Hat auch Thorsten Leibenath, der damals Trainer und heute Sportdirektor in Ulm ist, einen großen Anteil an Ihrer Karriere?

Bryant: Ja, ganz klar. Viel von meinem Erfolg hat auch mit Thorsten zu tun. Er ist ein Trainer, der gut mit seinen Spielern kann. Wenn Per, ich oder sonst jemand einen guten Tag hatte, ließ er uns einfach machen. Spielern dieses Vertrauen entgegen zu bringen, ist für einen Coach nicht so einfach. Klar gab es auch Vorgaben und Spielzüge, aber Thorsten wusste: "Hey, die Jungs wollen wie ich auch gewinnen."

Sie entwickelten sich unter Leibenath auch zu einem guten Werfer von außen.

Bryant: Stimmt. Während meiner College-Zeit hieß es immer: "Ab mit dir unter den Korb." Ich habe nur selten einen Halbdistanz-Wurf eingestreut, das war auch anfangs in Ulm so. Aber Thorsten hat im Training gesehen, dass ich den Dreier treffen kann und es verstanden, das in unser Spiel zu übertragen. Ein großer Center, der nach einem gestellten Block zur Dreierlinie abrollt und den auch treffen kann, das ist schwer zu verteidigen.

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