Basketball

Basketball-WM - Team USA vor dem Viertelfinale gegen Frankreich: Goliaths neue Identität

Jaylen Brown und Marcus Smart ersticken einen brasilianischen Abschlussversuch im Keim.

Team USA ist bei der Basketball-WM in China bislang noch ungeschlagen und trifft nun am Mittwoch um 13 Uhr deutscher Zeit auf Mitfavorit Frankreich (hier geht's zum Liveticker). Die USA, angereist ohne zahlreiche NBA-Stars, haben nicht mehr das Über-Team vergangener Tage, dafür aber unter Coach Gregg Popovich ein neues Gesicht bekommen.

Was wurde nicht vor dem Turnier geunkt? Das amerikanische Team reicht bei weitem nicht an frühere Ausgaben heran, ein Schicksal wie 2002 könne drohen. Nun, noch ist das Team von Coach Gregg Popovich voll auf Kurs mit fünf Siegen aus fünf Spielen, auch wenn es in der Vorrunde gegen die Türkei vier vergebene Freiwürfe in der Verlängerung brauchte, um die Partie irgendwie zu gewinnen.

Sollte die USA am Ende mit dem Titel in die Staaten zurückkehren, wird kein Hahn mehr danach krähen. Dieses Team ist anders, es ist keine Ansammlung von Superstars, die jedem Gegner über 100 Punkte einschenkt. Das gelang bei dieser WM sogar noch gar nicht, nicht einmal gegen ein völlig überfordertes Japan, welches mit 53 Punkten Differenz unterlag (98:45).

Defense ist stattdessen Trumpf, im Schnitt lassen die US-Boys nur 66,0 Zähler pro Spiel zu. Das ist nach der Zwischenrunde hinter den Spaniern (63,8) der beste Wert. Die Iberer spielen aber wesentlich gemächlicher und lassen eine etwas höhere Feldwurfquote (39,3 zu 37,6 Prozent) zu.

Team USA gewinnt Spiele durch Defense

Der vermeintlich größte Test für Pop und Co. wurde mit Bravour bestanden. Die Griechen um NBA-MVP Giannis Antetokounmpo erzielten gerade einmal 53 Punkte und hatten gegen die kleine Aufstellung keine Ideen. Nur knapp 19 Minuten spielte USA Basketball mit einem echten Center, ansonsten durfte sich Jaylen Brown von den Boston Celtics mit den griechischen Hünen wie Ionnis Bourousis (3 Punkte, 1/5 FG) oder Georgios Papagiannis (0, 0/3 FG) messen und hatte Erfolg.

Popovich trieb es sogar noch auf die Spitze und stellte den fast 20 Zentimeter kleineren Marcus Smart gegen den Greek Freak. Auch das funktionierte, auch wenn Antetokounmpo auf 15 Zähler und 13 Rebounds kam. Offensiv mag zwar einiges noch nicht wie gewünscht funktionieren, doch am hinteren Ende stimmt der Einsatz, stimmen die Rotationen.

"Unsere Verteidigung ist unserem Angriff im Moment voraus, aber das haben wir erwartet, da wir mit zwölf Spielern antreten, die noch nie miteinander gespielt haben", erklärte Popovich. Die Offensiv-Statistiken belegen die Vermutung: 44 Prozent (Platz 15) aus dem Feld und nur 32,7 Prozent von der Dreierlinie (Platz 18) sind wahrlich kein Ruhmesblatt.

Team USA: Der Dreier fällt (noch) nicht

Kemba Walker schultert noch zu oft zu viel, auch wenn er mit 14,6 Punkten und 6,0 Assists bei 50 Prozent aus dem Feld ein starkes Turnier spielt. Gerade gegen eine Zonenverteidigung fehlen den USA oft Lösungen, weil der Ball nicht so gut läuft und das Team sich zu sehr auf die individuelle Klasse von den Guards Walker und Donovan Mitchell verlässt.

Erschwerend kommt die schwache Quote aus der Distanz hinzu. Trotz kürzerer FIBA-Dreierlinie treffen nur Walker (41 Prozent) und Joe Harris (56 Prozent) mehr als ein Drittel ihrer Distanzwürfe. So nehmen es die Gegner mehr als dankend an, dass kein Team bei dieser WM mehr von draußen ballert als die USA.

Es zeigt aber auch, dass der ewige Topfavorit auch noch jede Menge Luft nach oben besitzt. Spieler wie Mitchell, Brown, Harrison Barnes oder Khris Middleton sind in der NBA durchaus brauchbare Schützen, vor allem Middleton. Es sollte niemanden verwundern, wenn in den kommenden Spielen mal einer richtig heiß läuft.

Team USA: Frankreich als echter Härtetest

Nun wartet aber ein anderes Kaliber auf die Amerikaner, nämlich Frankreich mit Defensive Player of the Year Rudy Gobert. Gut möglich, dass die USA wieder auf Small Ball zurückgreift, um den Stifle Tower aus seinem Hoheitsgebiet, der Zone, zu locken. Schon Deutschland machte es im ersten Gruppenspiel vor, als Johannes Voigtmann einen freien Wurf nach dem anderen bekam. In Myles Turner oder auch dem bisher wenig eingesetzten Brook Lopez besitzen die Amerikaner das nötige Personal dafür.

Womöglich kann Coach Pop zudem wieder auf einen weiteren Scorer in Jayson Tatum zurückgreifen. Der Celtics-Forward verletzte sich gegen die Türkei am Knöchel und konnte danach nicht mehr ins Geschehen eingreifen. Tatum wurde zwar gut vertreten, doch die Aufgaben werden nicht leichter, auch wenn nicht wie befürchtet die Serben, sondern etwas überraschend Argentinien im Halbfinale warten würde.

Zunächst wartet aber Frankreich, was den USA entgegenkommen könnte. Sie spielen meist einen ähnlichen Stil, verteidigen mehr Mann gegen Mann und waren bisher schon arg abhängig vom Guard-Tandem aus Evan Fournier und Nando de Colo. Bis jetzt spielten die Franzosen noch nicht gegen eine solch athletische Defense. Dass sie wie bisher im Turnier 47 Prozent aus der Distanz treffen, erscheint ausgeschlossen.

Basketball-WM: Die bisherigen Spiele von Team USA

RundeGegnerErgebnis
Erste GruppenphaseTschechien88:67
Erste GruppenphaseTürkei93:92 n.V.
Erste GruppenphaseJapan98:45
Zweite GruppenphaseGriechenland69:53
Zweite GruppenphaseBrasilien89:73

Team USA: Vorbereitung ist alles

Denn anders als bei früheren Großevents scheinen die USA besser auf ihre Gegner vorbereitet. Vorbei sind die Zeiten, als Mike Krzyzewski Theo Papaloukas nur als Nr. 4 bezeichnete. Jeff van Gundy ist als Scouting-Chef inzwischen zu einem Experten für FIBA-Basketball aufgestiegen, nicht nur weil er das Team, gespickt mit G-League-Spielern, durch die Qualifikation für die WM führte.

Auch dies ist ein weiterer Faktor dafür, dass die USA ihre Spiele durch Verteidigung gewinnt. Sie kennen nun ihre Gegenspieler, wissen, wer nicht offen gelassen werden darf. Bei Griechenland wurde Ioannis Papapetrou als größte Gefahr von draußen ausgemacht, der Forward wurde nie aus den Augen verloren und beendete das Spiel mit gerade einmal 7 Punkten bei elf Würfen.

Dieses Scouting ist nötig, die USA sind einfach nicht das Über-Team, das sie bei vergangenen Großevents stellten, auch wenn alleine die Marke "USA BASKETBALL" nach Goliath schreit. Alles ist bei dieser WM eben ein bisschen anders. Aus dem Offensiv-Monster ist ein All-Defense-Team geworden, das mit Stolz seine Kontrahenten auslaugt. Das Resultat könnte am Ende trotzdem das gleiche sein.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung