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Basketball

Ex-Bundestrainer Henrik Dettmann im Interview: "Basketball war Dirk immer wichtiger als er selbst"

Henrik Dettmann betreute Dirk Nowitzki für viele Jahre bei der DBB-Auswahl.
© getty

Mit Finnland konnten Sie sich diesmal nicht qualifizieren. Wie wurde das im Land aufgenommen, nachdem sie sich zuletzt beständig für die großen Turniere qualifizierten?

Dettmann (lacht und antwortet nun auf Deutsch): Das ist eine typische deutsche Frage. Warum ist der Erfolg ausgeblieben? Es ist eben so.

Darauf wollte ich eigentlich gar nicht heraus, aber Sie haben nicht Unrecht ...

Dettmann: Kein Vorwurf, es hat mich nur an meine Zeit mit den Journalisten in Deutschland erinnert. Wir sind ein kleines Land, können mit einer guten Auslosung auch immer mal wieder überraschen und ein Top-12-Team schlagen. Wir hatten auch diesmal die Möglichkeit, uns zu qualifizieren. Uns hat aber der Streit zwischen FIBA und EuroLeague mit dem Hickhack um die Abstellungen von Spielern sehr geschadet. Ich hatte nur einmal unsere besten Spieler beisammen, das können wir Finnen uns nicht leisten, da es uns an Tiefe fehlt. Wir haben 15, 16 gute Spieler, dann fällt das Niveau stark ab.

Trotzdem hätte es fast gereicht ...

Dettmann: Wir mussten in Russland gewinnen und führten im vierten Viertel, aber wir konnten das nicht verteidigen. Unter dem Strich haben wir aber eine gute Qualifikation gespielt und der kleine Hype, den wir in den vergangenen zehn Jahren aufgebaut haben, ist nicht abgeflacht. Das ist das Wichtigste. Wir haben mehr, vor allem bessere Spieler, und spielen vor großen Kulissen, das war 2004, als ich angefangen habe, noch nicht der Fall.

Die Trainerstationen von Henrik Dettmann

VonBisTeamGrößte Erfolge
19841992NMKY Helsinki5x Finnischer Meister
19921997FinnlandEM-Teilnahme 1995
19972003DeutschlandWM-Bronze 2002
20032004Mitteldeutscher BCFIBA EuroCup Challenge
20042006Braunschweig
2004heuteFinnlandEM-Teilnahme 2011 und 2013, WM-Teilnahme 2014
20102010JDA Dijon
20152015Besiktas
20162016SIG Straßburg

Neben Petteri Koponen vom FC Bayern haben Sie in Lauri Markkanen von den Chicago Bulls auch ein echtes Gesicht für den finnischen Basketball. Kann er, ähnlich vielleicht wie Nowitzki, in Finnland Leute für Basketball begeistern?

Dettmann: Auf jeden Fall. Immer, wenn er etwas sagt oder tut, stürzt sich die komplette finnische Medienlandschaft darauf. Er ist in Finnland ein echter Superstar. So wie er sich gibt, wie er spielt und auch wie er mit seinen Mitspielern umgeht, erinnert mich das an Nowitzki, auch wenn ich ungern Menschen miteinander vergleiche. Trotzdem besitzt er ähnliche Charakterzüge wie Dirk und darum lieben ihn die Leute bei uns.

Und auf dem Feld? Wie sehen Sie seine Entwicklung? Kann er sich in drei bis fünf Jahren zu einem All-Star in der NBA entwickeln?

Dettmann: Er wird definitiv mal All-Star sein. Es würde mich auch nicht überraschen, wenn er das in der kommenden Saison schon erreicht. Ich habe das aber schon gefühlt vor fünf Jahren gesagt, für mich wäre das also alles andere als eine Überraschung. Es geht nicht mehr darum, ob er All-Star wird, sondern wann.

Wie steht es um Markkanens Einstellung zur Nationalmannschaft?

Dettmann: Wenn er kann, wird er immer spielen. Es macht ihm unglaublich Spaß.

Wie steht es um Sie persönlich? Werden Sie neben der Nationalmannschaft noch einmal auf Vereinsebene coachen? Nach Ihren kurzen Intermezzi bei Besiktas und Straßburg gab es kaum mehr etwas zu hören ...

Dettmann: Man soll niemals nie sagen. Ich habe aber eine Familie und kleine Kinder, darum habe ich eine Verantwortung in meinem Leben neben Basketball. Wenn sich die richtige Situation ergibt, möchte ich nichts ausschließen.

Was lief bei besagten Stationen schief?

Dettmann: Bei Besiktas standen wir bei 2-3, als ich entlassen wurde. So etwas ist auch nur in der Türkei ein Grund, um entlassen zu werden. In Straßburg war es dagegen Pech. Ich war in einen Autounfall verwickelt und habe mich schwer verletzt. Damals hätte ich zurücktreten sollen, doch ich habe weiter gecoacht. Das war nicht klug, weil ich mir das Knie so schwer verletzt hatte, dass ich nicht laufen konnte. Ich habe meine Lehren daraus gezogen.

Wie würde denn Ihr Leben ohne Coaching aussehen? Sie sind inzwischen 61 Jahre alt, stehen aber bereits seit 1984 an der Seitenlinie. Haben Sie schon einmal an die Zeit nach der Karriere nachgedacht?

Dettmann: Ich weiß es nicht. In meiner Laufbahn als Coach habe ich am meisten von Svetislav Pesic gelernt. Der ist noch zehn Jahre älter als ich und coacht jetzt wieder den FC Barcelona, also sollten Sie vermutlich erstmal ihn fragen. Ernsthaft: Schauen Sie auf Gregg Popovich oder Mike Krzyzewski, die auch schon eine Ewigkeit ihren Job ausüben. Es ist keine Sache des Alters, sondern des Lernens. Man muss das Spiel verfolgen, die immer nachkommenden Generationen verstehen. Das ist für mich der Schlüssel.

Sie lernen also noch Dinge über Basketball?

Dettmann: Natürlich, jeden Tag. Ich weiß nun so viel mehr Dinge über Basketball, als es früher der Fall war. Ich wusste es damals nur noch nicht.

In der Vorbereitung auf das Interview bin ich auf alte Geschichten aus Ihrer Zeit vor 1997 gestoßen. Dort wurden Sie nicht unbedingt als der Player's Coach beschrieben, der Sie später wurden. Stattdessen sollen Sie extrem streng gewesen sein. Unsinn oder wahr?

Dettmann: Ja, das liegt lange zurück. Die Zeiten haben sich geändert, die Generationen lassen sich nicht mehr vergleichen. Die Kommunikation war damals ganz anders und ich musste erst noch lernen, dass es auch andere Wege gibt, um zu kommunizieren und ein Team anzuführen.

Es gab auch einen Vergleich mit dem früheren irakischen Diktator Saddam Hussein. Das war wohl in der Tat der falsche Führungsstil ...

Dettmann: Dieser Vergleich entstand nach einer Pressekonferenz, als ich einen Referee heftig für seine Leistung kritisiert hatte. Ich war damals jung und ein bisschen ungestüm. Ich kannte meine Grenzen noch nicht, aber so ist das eben mit der Jugend.

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