Svetislav Pesic lockt DBB-Supertalente

Von Interview: Haruka Gruber
Trainer-Legende Svetislav Pesic trainiert seit November 2010 den Valencia BC
© Imago
Cookie-Einstellungen

SPOX: Auf Benzings und Pleiß' Positionen spielen in Valencia mit Claver und Javtokas zwei europäische Basketball-Stars. Würden Sie nicht auf der Bank verkümmern?

Pesic: Das hängt von ihren Leistungen ab, aber ich habe schon immer Talente gefördert und dafür plädiert, dass in einer Mannschaft eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern unabdingbar ist für Erfolg. Zumal die beiden alles mitbringen, um es auch in Spanien zu schaffen.

SPOX: Sie sprachen davon, dass Sie in Valencia bleiben könnten. Ist ein Wechsel zu Alba Berlin demnach ausgeschlossen? Der Vertrag des neuen Trainers Muli Katzurin geht ebenfalls nur bis zum Sommer.

Pesic: Für mich gibt es in Deutschland nur zwei Optionen: Alba und der Deutsche Basketball-Bund. Alles andere interessiert mich nicht. Und jeder weiß, dass ich mich in Berlin immer zuhause fühle und dass ich ein sehr gutes Verhältnis zu Geschäftsführer Marco Baldi und allen anderen im Klub pflege. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

SPOX: Katzurin war vor seiner Ernennung zum Chefcoach ein unbeschriebenes Blatt. Was wissen Sie über Ihn?

Pesic: Wenn ich ihn sehe, sagen wir Hallo. Aber ich weiß nicht, welche Philosophie und welche Art des Coachings er verfolgt.

SPOX: Alba steckt in der wohl größten Krise der vergangenen Jahre, durch den Trainerwechsel hat sich die Lage eher weiter verschlechtert. Ist nach dieser Saison die Zeit für einen radikalen Neuaufbau gekommen?

Pesic: So schlecht ist die Mannschaft nicht, wie sie gerade gesehen wird. Sie hat die Qualität, um mindestens die Meisterschaft zu gewinnen. Nur: Nach knappen Niederlagen wie zuletzt in Ludwigsburg ist das Selbstvertrauen völlig verschwunden. Wenn es die Spieler schaffen, sich aus dem Loch zu ziehen und zwei, drei Spiele in Folge zu gewinnen, wird man sehen, welches Potenzial in Alba schlummert.

SPOX: Doch droht Alba nicht der Verlust Ihrer Vormachtstellung, wenn der FC Bayern aufsteigt und Bamberg weiter so dominant auftritt?

Pesic: Klar ist: Die Bayern werden sich im ersten BBL-Jahr nicht mit Mittelmaß zufrieden geben und gleich Vollgas geben. Bamberg hat sich gut entwickelt, auch Artland gefällt mir. Der Wettbewerb an der Spitze ist größer geworden. Aber: Alba ist noch immer Alba. Eine Marke mit einer reichen Basketball-Tradition. Dahin müssen die anderen Klubs erstmal kommen. Zumal ich glaube, dass durch den Bayern-Aufstieg neue Kräfte in Berlin mobilisiert werden und eine Art Trotzreaktion eintritt.

SPOX: Auch wenn die Bayern aufsteigen sollten, ist die Zukunft des Basketball-Projekts nicht gesichert, sollte die BBL die Doppelfunktion von Dirk Bauermann verbieten und dieser sich für die Nationalmannschaft entscheiden. In diesem Fall steigt der FC Bayern womöglich sogar aus. Was halten Sie von der Doppelfunktion?

Pesic: Ich war 2002 in der ähnlichen Lage. Ich hatte vorher eine Saison Serbien und Köln parallel trainiert, aber nach dem WM-Gold mit Serbien bin ich zum FC Barcelona gewechselt und habe wegen der Belastung bei der Nationalmannschaft aufgehört. Als Übergang ist eine Doppellösung möglich, aber auf Dauer ist sie schädlich für den Verband und für den Verein. Ein Nationaltrainer ist ja nicht nur für die drei Wochen vor einem Großturnier für das Team verantwortlich. Er muss 365 Tage im Jahr die Augen offen halten, die Junioren-Auswahlteams beobachten, die BBL-Klubs besuchen. Das funktioniert nicht, wenn man parallel eine Klubmannschaft täglich betreut. Irgendwann leidet die Arbeit für beide Mannschaften darunter.

SPOX: Was heißt das für Bauermann?

Pesic: Bitte nicht falsch verstehen: Wenn Dirk glaubt, dass er beides schafft, soll er es machen. Der Reiz muss groß sein, die Bayern zu trainieren und gleichzeitig mit der Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen 2012 teilzunehmen. Aber ich empfehle ihm, diese Bürde nicht auf sich zu nehmen. Im Erfolgsfall sollte er keine Probleme bekommen. Wenn es jedoch nicht läuft, steht er alleine in der Schusslinie.

SPOX: Sollte sich Bauermann tatsächlich entscheiden müssen und den Nationaltrainer-Job aufgeben: Wären Sie interessiert?

Pesic: Ich sage: Warum nicht? Der deutsche Basketball entwickelt sich generell sehr gut, der DBB bewirbt sich für die EM 2015 und ich habe eingangs erwähnt, dass die Nationalmannschaft für mich nie abgeschrieben sein wird. Andererseits möchte ich nicht unnötig Spekulationen aufkommen lassen. Ich habe über die Saison hinaus noch nichts geplant, ganz ehrlich.

Alle Ergebnisse von Pesic-Klub Valencia

Artikel und Videos zum Thema