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Basketball

Lieber FC Bayern als Premier League

Von Interview: Haruka Gruber
T.J. DiLeo schied mit Temple in der ersten Runde der March Madness gegen Cornell aus
© Imago

Athletik, ein Schuss Steve Nash und ein NBA-Manager als Vater: Der Deutsch-Amerikaner T.J. DiLeo bringt alles für eine große Karriere mit. Für den Bundestrainer ist der Point Guard von der Temple University eines der größten Spielmacher-Talente Deutschlands.

"T.J. ist ein feiner Junge, der das Basketball-Spiel verstanden hat. Er wird wohl der nächste Starting-Point-Guard der U-20-Nationalmannschaft sein", sagt Dirk Bauermann über DiLeo, der im Mai erstmals an einem Nachwuchs-Lehrgang des DBB teilnahm.

Im Interview spricht der 19-Jährige DiLeo über seine Fußball-Vergangenheit, die deutschen Wurzeln und seinen Vater Tony DiLeo, der in den 80er Jahren die deutsche Herren- und Damen-Nationalmannschaft betreut hat und seit 1990 in verschiedenen Positionen im Front Office der Philadelphia 76ers arbeitet und 2008/09 als Headcoach einsprang.

SPOX: Bundestrainer Dirk Bauermann gerät ins Schwärmen, wenn er auf Sie angesprochen wird. Hierzulande sind Sie jedoch fast gänzlich unbekannt. Was verbindet Sie mit Deutschland?

T.J. DiLeo: Meine Wurzeln liegen in Deutschland. Ich wurde in Düsseldorf geboren, meine Mutter ist Deutsche und wir haben bis ich zwölf Jahre alt war drei- bis viermal Köln und die Umgebung besucht. Mein Patenonkel ist der ehemalige deutsche Nationalspieler Stephan Baeck, ein enger Freund meines Vaters. Meine zweite Identität ist daher deutsch.

SPOX: Und wie sieht es mit der Sprache aus?

DiLeo: Als ich vier Monate alt war, ist meine Familie in die USA gezogen, weil mein Vater bei den Philadelphia 76ers angefangen hat zu arbeiten. Bis zu meinem fünften Lebensjahr habe ich dennoch gut deutsch gesprochen, doch als es mit der Schule losging, wollte ich mich nur noch in Englisch unterhalten. So sind Kinder wohl. Daher kann ich nicht mehr selbst deutsch sprechen, aber zumindest verstehe ich ein paar Brocken.

SPOX: Gab es Probleme bei der Integration in die U20 des DBB?

DiLeo: Überhaupt nicht - weder sprachlich noch sportlich. Die meisten sprechen ja sehr gut Englisch und es wurde mir sehr leicht gemacht, mich in der Mannschaft wohl zu fühlen. Zumal das Niveau sehr hoch war und ich richtig gefordert wurde. Jeder Spieler, der bei dem Lehrgang dabei war, hat das Zeug für College-Basketball. Die Competition hat Spaß gemacht.

SPOX: Es gab keinerlei Umstellungsprobleme?

DiLeo: Okay, auf dem Parkett bin ich noch dabei, mich umzugewöhnen. Ich muss noch besser die europäischen Regeln und auch die Eigenheiten der europäischen Spielweise verinnerlichen. Beispielsweise haben die einzelnen Positionen andere Laufwege als in den Staaten. Aber genau diesen Lernprozess habe ich gewollt, um mich weiterzuentwickeln.

SPOX: Hat es nicht geholfen, dass Ihr Vater lange in Deutschland gearbeitet hat?

DiLeo: Mein Dad wurde sicherlich vom europäischen Basketball geprägt und wir haben früher sehr viel miteinander trainiert. Aber ich merke schon, dass ich eher amerikanisch sozialisiert wurde. Doch vielleicht habe ich den europäischen Stil unterbewusst übernommen und die Erinnerungen daran warten nur darauf, wieder an die Oberfläche zu kommen.

SPOX: Sie wurden von Ihrem Vater trainiert. Inwiefern gibt er Ihnen aber auch Tipps über das Sportliche hinaus? Als langjähriger hochrangiger Manager eines NBA-Teams hat er sicher einiges erlebt.

DiLeo: Zum Beispiel sagt er mir immer wieder, dass ich auf meine Außendarstellung achten soll und dass man aufpassen muss, was man von sich veröffentlicht. Deswegen habe ich beispielsweise auch meinen Twitter-Account geschützt. Twitter ist eine tolle Erfindung und es ist amüsant, all die Neuigkeiten von Promis und Sports-Stars zu erfahren. Twitter ist jedoch auch gefährlich. In der NBA gab es genügend Fälle, in denen die Spieler bestraft worden sind, weil sie zu unvorsichtig etwas getwittert haben oder ein Tweet aus dem Kontext gerissen wurde.

SPOX: Sie sind unter anderem Anhänger von Steve Nashs Twitter-Account. Zufall?

DiLeo: Seit ich denken kann, verfolge ich seine Laufbahn. Ich liebe es, ihn spielen zu sehen. Er ist so klug und er ist immer ein Schritt schneller als die Gegner - einfach nur weil er mehr vom Basketball versteht als jeder andere. Ich bewundere ihn mein Leben lang.

SPOX: Ist Nash nach wie vor der beste Point Guard der Welt?

DiLeo: Mittlerweile nicht mehr. Meine Top 3 sind Chris Paul, Deron Williams und Rajon Rondo.

SPOX: Alles drei sind Vertreter der neuen Spielmacher-Generation. Neben den klassischen Point-Guard-Skills bringen sie auch Athletik und Schnelligkeit mit. Was für ein Spielertyp sind Sie?

DiLeo: Ich glaube, ich bin ein ähnlicher Typus. Für einen Point Guard bin ich ziemlich athletisch, außerdem habe ich ein gutes Verständnis vom Spiel. Generell sehe ich mich als Passing-first-Guard, aber da ich häufig auf der Shooting-Guard-Position eingesetzt werde, kann ich auch ganz gut scoren.

SPOX: Und welche Schwächen gilt es auszumerzen?

DiLeo: Der Dreier ist ordentlich, aus der Mitteldistanz fallen die Würfe jedoch nicht konstant. Ich muss daher am Midrange-Jumper und an der Defense arbeiten.

SPOX: Sonst sitzen Sie auch nächste Saison hauptsächlich auf der Bank. Letztes Jahr kamen Sie für Temple nur 6,4 Minuten im Schnitt zum Einsatz.

DiLeo: Ich muss mein Spiel unbedingt verbessern, denn in der kommenden Saison werde ich mehr im Fokus stehen, weil mit Topscorer Ryan Brooks und Luis Guzman die beiden Starting-Guards ihr letztes College-Jahr absolviert haben und das Team verlassen werden. Ich freue mich schon darauf, mehr Minuten zu bekommen.

SPOX: Sie waren ein gefeierter Star an Ihrer Highschool. Wie schwierig verlief der Wechsel zum College-Basketball?

DiLeo: Von der Art und Weise, wie Basketball gespielt wird, hatte ich keinerlei Probleme. Ich habe mich schnell an das anspruchsvollere Niveau anpassen können. Schwieriger war für mich die Umstellung bei den Spielzeiten. An der Highschool kam ich jede Minute zum Zug und habe viele Würfe bekommen. Am College musste ich mich daran gewöhnen, wenn überhaupt nur für ein paar Minuten reinzukommen. Aber das wird in der kommenden Saison ja hoffentlich besser.

SPOX: Stimmt es, dass Sie an der Highschool auch ein sehr guter Fußballer waren?

DiLeo: In der Region Philadelphia gehörte ich tatsächlich zu den besseren Talenten. Ich war Stürmer. Aber eine Zukunft in der Major League Soccer oder ähnliches kam für mich nie in Frage, weil ich Basketball immer mehr geliebt habe.

SPOX: Steve Nash, ebenfalls ein begabter Fußballer, ist der Meinung, dass er als Point Guard ernorm davon profitiert hat, früher Fußball gespielt zu haben. Wissen Sie, was er meint?

DiLeo: Absolut. Beim Fußball muss man sich noch schneller als im Basketball entscheiden, weil der Ball ja nicht mit der Hand gehalten werden darf. Um deswegen auf alle Eventualitäten gewappnet zu sein, eignet man sich automatisch an, das komplette Spielfeld im Blick zu behalten. Diese Court-Vision ist vor allem für Point Guards von Vorteil.

SPOX: Was ist Ihr Lieblings-Fußballverein?

DiLeo: Die meisten Amerikaner stehen auf Premier-League-Klubs, ich bevorzuge aber den FC Bayern. Meine Mutter fand die Bayern immer sympathisch und als ich ein Kind war, wurde ich zu einer Partie zwischen Leverkusen und München mitgenommen. So etwas prägt.

SPOX: Und werden Sie die WM verfolgen?

DiLeo: Ganz genau sogar. Ich bin gespannt, was Deutschland erreicht. Dass Michael Ballack fehlt, ist ein harter Rückschlag, aber ich traue Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose zu, die Lücke zu füllen.

SPOX: Welcher Nation drücken sie die Daumen? USA oder Deutschland?

DiLeo: Kein Kommentar. (lacht)

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