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Sportmediziner: Folgen einer Corona-Infektion reichen bis zum plötzlichen Herztod

SID
Die Folgen einer Corona-Erkrankung können schwerwiegend sein.
© getty

Sportmediziner Dr. Wilhelm Bloch sieht bei Sportlern im Zuge einer Corona-Infektion "eine konkrete Gefahr" für das Herz. "Das Problem an der Sache ist, dass man es nicht immer an der Schwere der Symptomatik festmachen kann. Eine Herzbeteiligung kann mitkommen", sagte der Professor der Deutschen Sporthochschule in Köln dem SID:

Es könne wie im Fall des Eishockey-Profis Janik Möser oder der Para-Tischtennisspielerin Juliane Wolf sogar zu Herzmuskelentzündungen kommen. "Das kann in den meisten Fällen gutgehen, aber auch sehr gefährlich werden. Es kann im Worst Case bis zum plötzlichen Herztod führen", sagte Bloch: "Es wird nicht sehr häufig passieren, aber es kann passieren. Das ist das große Damoklesschwert."

Bei einer Herzmuskelentzündung seien mindestens drei Monate Pause nötig, nur wird diese wie bei Möser und Wolf oft nur durch glückliche Zufälle und nicht durch klassische sportmedizinische Untersuchungen festgestellt. "Das Herz kompensiert sehr viel", sagte Bloch. Deshalb werde die sogenannte Myokarditis im klassischen Belastungs-EKG oft übersehen.

Stattdessen sei ein Kardio-MRT von Nöten und das ist mit enormen Kosten verbunden. "Aber hier sollte man bei den Untersuchungen momentan noch großzügiger sein. Solange wir nicht wissen, wie viel Gefahr davon ausgeht, müssen wir die Richtlinien einhalten, die für Myokarditis und Herzbeteiligung stehen und die sind streng", sagte Bloch.

Von zentraler Bedeutung sei ein langsames Herantasten an die Belastung nach Ende der Corona-Infektion. Es mache Sinn, erstmal "dosiert" reinzugehen und "nicht sofort von 0 auf 100. Selbst wenn man nach 14 Tagen eine sportmedizinische Untersuchung macht und das Go kriegt, dass man wieder belastungstauglich ist", erklärte der gebürtige Ingelheimer. Gleich wieder Wettkämpfe zu absolvieren wie Abwehrspieler Marin Pongracic vom Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg sei absolut "kontraproduktiv".

"Gefahr von ernsthaften gesundheitlichen Folgen deutlich größer"

Teamärztin Anja Hirschmüller vom Deutschen Behindertensportverband warnt die Sportler davor, eine Corona-Infektion auf die leichte Schulter zu nehmen. "Es ist schon erkennbar, dass die Gefahr von ernsthaften gesundheitlichen Folgen deutlich größer ist als anfangs angenommen", sagte die Sportmedizinerin dem SID: "Bei Sportlern scheint trotz des meist milden Verlaufs der Infektion häufiger als erwartet das Herz betroffen zu sein."

Bei der Para-Tischtennisspielerin Juliane Wolf war zufällig im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie eine Herzmuskelentzündung festgestellt worden. Die Sorgen um ihre Gesundheit treibt die Behindertensportler um. "Es gibt viele Berichte von nachhaltigen Leistungseinbußen nach der Coronainfektion. Das betrifft in erster Linie die Lungenkapazität, aber auch andere Organsysteme", sagte Hirschmüller: "Die paralympischen Sportler, die besonders auf ihre Gesundheit achten, haben diesbezüglich mehr Ängste und Sorgen als olympische Athleten."

Deshalb gebe es beim DBS auch "klare Leitlinien, welche Testbatterien Leistungssportler durchlaufen müssen, bevor sie wieder voll ins Training einsteigen", so Hirschmüller. Den asymptomatischen Athleten zu erklären, dass sie "in der Quarantäne nicht maximal trainieren dürfen und erst eine sportmedizinische Untersuchung machen müssen, bevor sie zurückkommen dürfen, ist wirklich schwierig. Das erfordert viel Aufklärungsarbeit."

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