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Coronavirus und seine wirtschaftlichen Folgen: "Kleine Sportarten" bangen um Existenz

SID
Hier im Audi Dome sind die Spieltagserlöse eine wichtige Säule der Vereinseinnahmen.

Zuschauereinnahmen sind ein wichtiger Faktor in Sportarten wie Eishockey, Basketball oder Handball. Geisterspiele oder ein verkürzter Spielplan würden den Profiligen stark zusetzen.

"Existenzielle Fragen" und "massive Auswirkungen" - im Schatten des großen Fußballs schlagen die "Kleinen" Alarm. Es gehe "ans Eingemachte", sagen die Liga-Bosse der BBL und der HBL fast unisono. Angesichts der Corona-Krise fürchten sie schwere wirtschaftliche Konsequenzen für ihre Vereine.

"Es geht nicht um drei oder vier Heimspiele, es geht um existenzielle Fragen. Die Klubs sind aus gutem Grund sehr angespannt", sagte HBL-Chef Frank Bohmann dem SID. In der HBL rede man inzwischen "auch darüber, Klubs in den Sommer retten zu können, das hat Priorität".

BBL-Boss Stefan Holz sprach im SID-Gespräch ebenfalls von einer "existenziellen" Situation: "Wenn die Spieltagserlöse wegbrechen, funktioniert das nicht." Es müsse ins "Bewusstsein rücken, dass der Profisport massive Auswirkungen zu spüren bekommen wird".

Eine Chance auf Schadenersatz gibt es wohl nicht. "Da sehe ich aktuell keine Möglichkeiten, und das wäre aus meiner Sicht auch überhaupt nicht gerechtfertigt", sagte Sebastian Uhrich, Universitätsprofessor für Sportbetriebswirtschaftslehre an der Deutschen Sporthochschule Köln, dem SID. Es handle sich um höhere Gewalt: "Die Klubs müssen das durchstehen."

Fußball besitzt den größten Stellenwert in Deutschland

Eishockey, Volleyball, Basketball oder Handball locken in Deutschland Woche für Woche viele Tausende Fans in die Hallen. Zum König Fußball klafft aber eine große wirtschaftliche Lücke. Die DFL verfügt durch hochdotierte TV-Verträge über eine finanzielle Power, die sie in der aktuellen Krisensituation mit den bevorstehenden Geisterspielen nicht in Bedrängnis bringt.

In den anderen Profiligen sieht das ganz anders aus. In der BBL wird rund ein Drittel der Etats mit Spieltagseinnahmen bestritten, im Handball macht das Ticketing rund 25 Prozent aus. Wie es nun weitergeht, ist noch nicht klar. Am Donnerstag wird sich die BBL am Stuttgarter Flughafen zusammensetzen, am Montag, nach einem Länderspiel fast ohne Zuschauer, dann die Handballer.

Die Situation bedeutet absolutes Neuland für die Klubs und die Ligen, gleichzeitig ist der Druck auf der Suche nach Antworten groß. "Es wird keine hundertprozentige Lösung geben. Jede Lösung ist irgendwie schlecht, wir müssen abwägen", sagte BBL-Boss Holz. Auch Bohmann verweist auf unterschiedliche Interessen. Neben Spielen unter Beachtung der behördlichen Auflagen (bis maximal 1000 Zuschauer) stehen in der HBL flächendeckende Absage.

Geisterspiele sind keine Option

In diesem Fall müsse man sich "auch um Lösungen kümmern, die von staatlicher Seite aus angeboten werden. Der Staat muss seiner Verantwortung nachkommen", sagte Bohmann: "Anders als im Profifußball verdienen unsere Klubs ihr Geld in erster Linie aus Sponsoring und Ticketing."

Geisterspiele, wie sie derzeit im Fußball reihenweise beschlossen werden, sind für die kleineren Sportarten kaum eine Option, die Ausgaben an den Spieltagen würden nicht mehr gedeckt werden. Partien könnten zeitlich verschoben werden, doch die Kalender platzen eh schon aus allen Nähten. Die Deutsche Eishockey Liga entschied am Dienstag, die Saison vorzeitig und ohne Meister zu beenden - was massive finanzielle Einbußen zur Folge hat.

 

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